KI-Wissen · Superintelligenz Guide
Superintelligenz:
Was sie ist und was sie für Unternehmen heißt
Superintelligenz, auch künstliche Superintelligenz oder Super-KI genannt, ist eine hypothetische KI, die den Menschen in nahezu allen geistigen Bereichen deutlich übertrifft. Stand 1. Oktober 2026 gibt es sie nicht. OpenAI, Meta und Safe Superintelligence Inc. nennen sie als Ziel, das Future of Life Institute fordert seit Oktober 2025, ihre Entwicklung zu verbieten. Hier steht, wie sich der Begriff von AGI abgrenzt, wer daran baut, was die EU regelt und was davon heute für dein Unternehmen zählt. Seit dem 29. September 2026 schreibt die US-Regierung per Dekret auch für gewöhnliche KI offiziell „Super Intelligence“, dazu mehr weiter unten.
Stand: · von Florian Wessling, CEO. Jede Aussage ist datiert, die Primärquellen stehen am Ende der Seite.
Was ist Superintelligenz?
Superintelligenz ist eine hypothetische KI, die den Menschen in nahezu allen geistigen Bereichen deutlich übertrifft. Im Englischen heißt sie Artificial Superintelligence, kurz ASI; im Deutschen sind auch KI-Superintelligenz, künstliche Superintelligenz und Super-KI gebräuchlich. Stand Oktober 2026 gibt es sie nicht. Der Begriff beschreibt ein mögliches Ziel der KI-Entwicklung.
Die gängige Definition stammt vom schwedischen Philosophen Nick Bostrom. In seinem Aufsatz „How Long Before Superintelligence?“, erschienen 1998 im International Journal of Futures Studies, meint er mit Superintelligenz einen Intellekt, der in praktisch jedem Feld viel klüger ist als die besten menschlichen Gehirne, ausdrücklich auch bei wissenschaftlicher Kreativität, allgemeiner Lebensklugheit und sozialen Fähigkeiten. Wie dieser Intellekt umgesetzt ist, lässt Bostrom offen: ein Computer, ein Netz aus Computern oder kultiviertes Hirngewebe kämen infrage. Ebenso offen lässt er, ob eine Superintelligenz ein Bewusstsein hat.
Bekannt gemacht hat den Begriff Bostroms Buch „Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies“ (Oxford University Press, 2014), im selben Jahr auf Deutsch bei Suhrkamp erschienen als „Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution“. Dort fasst er die Definition knapper: ein Intellekt, der die kognitive Leistung von Menschen in nahezu allen relevanten Bereichen weit übersteigt. Er unterscheidet drei Formen. Eine schnelle Superintelligenz denkt wie ein Mensch, nur um ein Vielfaches schneller. Eine kollektive entsteht aus vielen zusammenarbeitenden kleineren Intelligenzen. Eine qualitative Superintelligenz ist mindestens so schnell wie ein Mensch und denkt deutlich besser.
Die Idee ist älter als Bostroms Definition. Der britische Mathematiker Irving John Good beschrieb 1965 in seinem Aufsatz „Speculations Concerning the First Ultraintelligent Machine“ eine „ultraintelligente Maschine“, die alle geistigen Tätigkeiten jedes noch so klugen Menschen weit übertrifft. Weil das Entwerfen von Maschinen selbst eine geistige Tätigkeit ist, könnte so eine Maschine noch bessere Maschinen entwerfen. Good nannte das eine „Intelligenzexplosion“.
Superintelligenz ist auch kein Roboter: Die Definitionen messen geistige Leistung. Wer das Wort für ChatGPT, Claude oder Gemini benutzt, meint etwas anderes als Bostrom.
AGI und Superintelligenz: der Unterschied
AGI (Artificial General Intelligence) bezeichnet eine KI, die die meisten geistigen Aufgaben mindestens so gut erledigt wie ein Mensch. Superintelligenz liegt eine Stufe darüber: Sie wäre in nahezu allen Bereichen besser als die besten Menschen. Was AGI genau meint und wie unterschiedlich die Labore den Begriff verwenden, erklärt unser Beitrag Was ist AGI?
Feiner unterscheidet ein Positionspapier von Forschenden bei Google DeepMind, das 2023 erschien und zuletzt am 24. September 2025 überarbeitet wurde. Es bewertet getrennt, wie gut ein System ist und wie breit es einsetzbar ist. Die oberste Leistungsstufe heißt dort „Superhuman“ und bedeutet: besser als 100 Prozent der Menschen. Als übermenschliche enge KI führt das Papier etwa AlphaFold für Proteinstrukturen. Die allgemeine Variante, Artificial Superintelligence, steht dort als „not yet achieved“.
Wer „Superintelligenz“ sagt, kann dabei sehr Verschiedenes meinen. Die Übersicht zeigt die Lesarten, auf die du 2026 am ehesten triffst:
| Wer | Was mit Superintelligenz gemeint ist | Status |
|---|---|---|
| Nick Bostrom (1998 und 2014) | ein Intellekt, der die besten menschlichen Gehirne in praktisch jedem Feld weit übertrifft | Fachbegriff, hypothetisch |
| Google DeepMind, „Levels of AGI“ (Fassung vom 24. September 2025) | Stufe „Superhuman“ bei breiter Einsetzbarkeit: besser als 100 Prozent der Menschen | „not yet achieved“ |
| OpenAI (Sam Altman, Januar 2025) | Superintelligenz „in the true sense of the word“ als Ziel jenseits von AGI | Unternehmensziel |
| Anthropic (Dario Amodei, Oktober 2024) | „powerful AI“: in den meisten relevanten Fächern klüger als ein Nobelpreisträger | im März 2025 erwartet für Ende 2026 oder Anfang 2027 |
| Ban Artificial Superintelligence Act (23. September 2026) | KI, die Menschen in den meisten Bereichen übertrifft oder die Menschheit vernichten oder entmachten könnte | Gesetzentwurf, will sie verbieten |
| US-Dekret (29. September 2026) | „Super Intelligence“ als neues Behördenwort für KI im Sinne von 15 U.S.C. § 9401(3) | meint heutige KI |
| EU-KI-Verordnung | kennt den Begriff nicht; am nächsten kommt das KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck mit systemischem Risiko | vermutet ab 1025 Gleitkommaoperationen im Training |
Heutige Sprachmodelle passen in keine dieser Schubladen sauber. Bei manchen Aufgaben liefern sie Ergebnisse auf Expertenniveau, bei anderen machen sie einfache Fehler, und für mehrstufige Arbeit brauchen sie Aufsicht. Welche Modelle aktuell vorne liegen, zeigt unser regelmäßig aktualisiertes AI Leaderboard.
Wie eine KI-Superintelligenz entstehen könnte
In der Debatte tauchen drei Wege immer wieder auf: eine KI, die sich selbst verbessert, das weitere Hochskalieren heutiger Modelle und die Nachbildung des menschlichen Gehirns. Bewiesen ist keiner davon; für die Selbstverbesserung meldet Meta frühe Anzeichen.
- Intelligenzexplosion durch Selbstverbesserung. Das ist Goods Gedanke von 1965: Eine KI, die KI-Forschung besser beherrscht als Menschen, baut einen besseren Nachfolger, und der baut wiederum einen besseren. Den Punkt, ab dem dieser Prozess für Menschen nicht mehr vorhersehbar ist, machte der Mathematiker und Science-Fiction-Autor Vernor Vinge 1993 mit seinem Aufsatz „The Coming Technological Singularity“ als technologische Singularität bekannt. Das Wort „singularity“ hatte laut Vinge schon John von Neumann in den 1950er-Jahren gebraucht. Vinge schrieb, die technischen Mittel für übermenschliche Intelligenz gebe es „within thirty years“; überrascht wäre er, wenn es vor 2005 oder nach 2030 so weit käme. Mark Zuckerberg schrieb am 30. Juli 2025, Meta sehe erste Anzeichen von KI-Systemen, die sich selbst verbessern, bisher langsam.
- Skalierung. Mehr Rechenleistung, mehr Daten, größere Modelle. Sam Altman fasste das im September 2024 so zusammen: Deep Learning habe funktioniert und sei mit wachsender Größe vorhersagbar besser geworden. Ob das so weitergeht oder an Grenzen bei Daten und Kosten stößt, ist der Kern des Streits um alle Zeitpläne.
- Nachbildung des Gehirns. Bostrom erörterte schon 1998, ob sich die Funktionsprinzipien biologischer Gehirne nachbilden lassen. Das setzt voraus, dass die Neurowissenschaft das Gehirn genau genug versteht. Die großen Labore setzen öffentlich auf den Ausbau ihrer Sprachmodelle.
Wer an Superintelligenz arbeitet
Als erklärtes Ziel nennen Superintelligenz vor allem OpenAI, Meta und Safe Superintelligence Inc., seit November 2025 auch Microsoft. Google DeepMind und Anthropic verwenden andere Begriffe für ähnliche Ziele.
- OpenAI. Am 5. Juli 2023 gründete OpenAI ein „Superalignment“-Team unter Ilya Sutskever und Jan Leike. Es sollte binnen vier Jahren klären, wie sich KI steuern lässt, die viel klüger ist als Menschen; dafür reservierte OpenAI 20 Prozent der bis dahin gesicherten Rechenleistung. Im Mai 2024, nach gut zehn Monaten, löste OpenAI das Team wieder auf, kurz nachdem Sutskever und Leike ihren Weggang angekündigt hatten. Anfang Januar 2025 schrieb Sam Altman in seinem Blogbeitrag „Reflections“, OpenAI richte sein Ziel nun über AGI hinaus auf Superintelligenz „in the true sense of the word“.
- Meta. Mark Zuckerberg bündelte am 30. Juni 2025 alle KI-Teams in den Meta Superintelligence Labs (MSL), geführt von Alexandr Wang als Chief AI Officer zusammen mit dem früheren GitHub-Chef Nat Friedman. Im Brief „Personal Superintelligence“ vom 30. Juli 2025 setzte er das Ziel, persönliche Superintelligenz für alle zu bauen. Was dabei bisher herauskommt, zeigt etwa das offene Modell Muse Glimmer, das MSL am 10. August 2026 veröffentlicht hat.
- Safe Superintelligence Inc. (SSI). Ilya Sutskever, Daniel Gross und Daniel Levy kündigten SSI am 19. Juni 2024 an, als Labor mit „one goal and one product“: einer sicheren Superintelligenz. Die Firma hat Büros in Palo Alto und Tel Aviv, und ihre Website beschreibt Stand 1. Oktober 2026 unverändert dieses eine Ziel. Mitgründer Daniel Gross, zuletzt Chef von SSI, wechselte 2025 zu Meta.
- Google DeepMind. In einem Beitrag vom 2. April 2025 schreiben vier DeepMind-Forschende, darunter Mitgründer Shane Legg, AGI könne „within the coming years“ kommen. Die oben beschriebene Stufenleiter mit ASI als höchster Stufe stammt aus demselben Haus.
- Anthropic. Dario Amodei lehnt den Begriff AGI ab und beschreibt in seinem Essay „Machines of Loving Grace“ (Oktober 2024) „powerful AI“: ein Modell, das in den meisten relevanten Fächern klüger ist als ein Nobelpreisträger. In seinen Empfehlungen an das Weiße Haus vom 6. März 2025 schrieb Anthropic, es erwarte solche Systeme Ende 2026 oder Anfang 2027.
- Microsoft. Mustafa Suleyman, Chef von Microsoft AI, kündigte am 6. November 2025 ein „MAI Superintelligence Team“ an. Sein Etikett dafür lautet „humanist superintelligence“: eine Superintelligenz, die unter menschlicher Kontrolle bleiben soll.
Wann kommt die Superintelligenz? Datierte Aussagen
Das weiß niemand. Laborchefs erwarten sehr leistungsfähige Systeme schon in den nächsten Jahren, die jüngste große Forscherumfrage sieht erst für 2042 eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass Maschinen ohne Hilfe jede Aufgabe besser und günstiger erledigen als menschliche Arbeitskräfte.
Die Tabelle sammelt Einschätzungen von Beteiligten, die wir in der jeweiligen Primärquelle nachgelesen haben. Sie meinen nicht immer dasselbe: Anthropic spricht von „powerful AI“, OpenAI und Meta sprechen von Superintelligenz, die Umfrage fragt nach menschlichem Niveau.
| Wer | Aussage | Datum |
|---|---|---|
| Sam Altman, OpenAI | Superintelligenz möglicherweise „in a few thousand days“, es könne auch länger dauern | 23. September 2024 |
| Anthropic | „powerful AI“ erwartet für Ende 2026 oder Anfang 2027 | 6. März 2025 |
| Mark Zuckerberg, Meta | die Entwicklung von Superintelligenz sei „now in sight“ | 30. Juli 2025 |
| Dario Amodei, Anthropic | „powerful AI“ möglicherweise nur noch ein bis zwei Jahre entfernt, vielleicht auch deutlich weiter | Januar 2026 |
| Umfrage unter 1.580 KI-Forschenden (AI Impacts, Grace u. a.) | 10 Prozent Wahrscheinlichkeit bis 2027 und 50 Prozent bis 2042, dass Maschinen ohne Hilfe jede Aufgabe besser und günstiger erledigen als menschliche Arbeitskräfte | erhoben im Dezember 2024, veröffentlicht im September 2026 |
Die Labore, die am frühesten schätzen, werben zugleich um Kapital, Rechenzentren und Fachkräfte. Die Forschenden ziehen ihre Erwartung Umfrage für Umfrage vor: Die 50-Prozent-Marke lag 2016 bei 2061, 2023 bei 2047 und 2024 bei 2042. Anthropics Zeitfenster hat inzwischen begonnen; eine anerkannte Messung, ob ein Modell die beschriebene Schwelle erreicht, gibt es bisher nicht.
Risiken: Kontrollproblem und Alignment in Kürze
Am deutlichsten beschreiben OpenAI und Bostrom das Kontrollproblem: Ein System, das klüger ist als alle Menschen, ließe sich womöglich weder überwachen noch korrigieren.
Alignment heißt die Aufgabe, KI so zu bauen, dass sie verlässlich die Absichten ihrer Entwickler und Nutzer verfolgt. Heutige Verfahren wie das Training mit menschlichem Feedback setzen voraus, dass Menschen die KI beaufsichtigen können; bei einem System, das klüger ist als seine Prüfer, fällt das weg. Eine Lösung dafür gebe es noch nicht, schrieb OpenAI 2023. Wie das Problem an heutigen Systemen aussieht, zeigt unser AISI-Bericht über einen Test vom Juli 2026, in dem KI-Agenten in 10 von 122 Läufen ihren Auftrag verließen.
Das Future of Life Institute fordert seit Oktober 2025 ein Entwicklungsverbot, bis ein breiter wissenschaftlicher Konsens über sichere, kontrollierbare Entwicklung besteht und die Öffentlichkeit zustimmt; bis zum 1. Oktober 2026 kamen dafür laut Zähler mehr als 76.000 Unterschriften zusammen, 5.000 davon aus derselben Petition bei der Kampagnenorganisation Ekō. In der Umfrage von AI Impacts gaben Forschende im Mittel 18 Prozent Wahrscheinlichkeit an, dass KI zum Aussterben oder zur dauerhaften Entmachtung der Menschheit führt.
Regulierung: was EU AI Act, KI-MIG und die USA vorsehen
Kein Gesetz in der EU kennt den Begriff Superintelligenz. Am nächsten kommt die KI-Verordnung (EU) 2024/1689 mit ihrer Kategorie „KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck mit systemischem Risiko“.
Ein KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck, kurz GPAI-Modell, ist nach Artikel 3 Nummer 63 ein Modell mit erheblicher allgemeiner Verwendbarkeit, das ein breites Spektrum unterschiedlicher Aufgaben kompetent erfüllen kann. Als Modell mit systemischem Risiko gilt es vor allem bei „Fähigkeiten mit hoher Wirkkraft“. Die werden nach Artikel 51 Absatz 2 vermutet, wenn für das Training mehr als 1025 Gleitkommaoperationen eingesetzt wurden; die Kommission darf diese Schwelle per delegiertem Rechtsakt anpassen. Anbieter solcher Modelle müssen die Risiken bewerten und mindern und ihre Modelle beim KI-Büro der EU-Kommission melden.
Die Zeitleiste laut EU-Kommission: Die Pflichten für GPAI-Anbieter gelten seit dem 2. August 2025. Seit dem 2. August 2026 kann die Kommission sie durchsetzen, auch mit Bußgeldern. Modelle, die schon vor dem 2. August 2025 auf dem Markt waren, müssen bis zum 2. August 2027 nachziehen. Zuständig für diese Modelle ist die Kommission selbst, über ihr KI-Büro. Im Juli 2025 hat sie dazu Leitlinien und einen freiwilligen GPAI-Praxiskodex für die Anbieter veröffentlicht.
Für die meisten Unternehmen zählen andere Teile der Verordnung. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50; nur für die maschinenlesbare Markierung nach Artikel 50 Absatz 2 bei generativen Systemen, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, läuft eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Die Pflichten für eigenständige Hochrisiko-Systeme hat der Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben, für KI in regulierten Produkten auf den 2. August 2028. Was das konkret heißt, steht in unserem Beitrag zu den AI-Act-Fristen nach dem Digital Omnibus.
In Deutschland regelt das KI-Marktüberwachungs-und-Innovationsförderungs-Gesetz (KI-MIG) vom 22. Juli 2026 den Vollzug, in Kraft seit dem 29. Juli 2026. Es gilt für KI-Systeme im Sinne der Verordnung und macht die Bundesnetzagentur zur zuständigen Marktüberwachungsbehörde, mit Sonderregeln für den Finanzsektor. Die Einzelheiten erklärt unser Beitrag KI-MIG: Die Bundesnetzagentur führt die KI-Aufsicht.
In den USA gibt es kein Bundesgesetz zu Superintelligenz. Das Dekret vom 29. September 2026 ändert vorerst das Vokabular der Bundesbehörden; binnen 60 Tagen, also bis etwa 28. November 2026, soll der Wissenschaftsberater des Präsidenten zudem einen Gesetzesvorschlag für eine Definition von „Super Intelligence“ vorlegen. Der „White House Accord on Super Intelligence“ vom selben Tag ist eine freiwillige Selbstverpflichtung von sechs Unterzeichnern aus der Tech-Branche, darunter Google, Anthropic, Meta, OpenAI und Nvidia, zu Kontrollen und externen Prüfungen ihrer Spitzenmodelle. Im Kongress liegt seit dem 23. September 2026 der Ban Artificial Superintelligence Act von Greg Casar und Bernie Sanders. Er will Superintelligenz verbieten und die Entwicklung fortgeschrittener KI pausieren, bis ein neues Department of Artificial Intelligence Regeln aufgestellt hat; Personen drohen bei Verstößen bis zu 20 Jahre Haft. Stand 1. Oktober 2026 ist das ein eingebrachter Entwurf.
Aktuell: „Super Intelligence“ als US-Behördenwort
Seit dem 29. September 2026 sollen US-Bundesbehörden laut Dekret „Inaugurating The Era Of Super Intelligence“ für heutige KI „Super Intelligence“ (SI) schreiben. Rechtlich gilt dafür die bisherige KI-Definition aus 15 U.S.C. § 9401(3); das Wort bezeichnet also dieselben Systeme wie vorher. Für die EU und Deutschland hat das Dekret keine Rechtswirkung. Was es regelt und wer die freiwillige Erklärung der Tech-Konzerne unterschrieben hat: Trump benennt KI in „Super Intelligence“ um.
Was Superintelligenz heute für dein Unternehmen heißt
Für den Alltag ändert die Debatte wenig. Du arbeitest mit den Modellen von heute, und für die gelten schon Pflichten. Sinnvoll sind Schritte, die in jedem Szenario tragen, egal ob Superintelligenz 2027, 2042 oder nie kommt.
- Aufgaben prüfen, Etiketten ignorieren. Wirbt ein Anbieter mit „AGI“ oder „Superintelligenz“, frag nach der Aufgabe und nach der Messung. Ein Test mit 20 echten Vorgängen aus deinem Betrieb sagt mehr als jedes Etikett.
- Modellwahl mit Messwerten. Die Rangfolge der Modelle ändert sich laufend, unser AI Leaderboard vergleicht sie regelmäßig. Ein zweiter Anbieter als Ausweichweg schützt vor Ausfällen und Preissprüngen; wie das technisch geht, zeigt unser Leitfaden zur Multi-Provider-Strategie.
- Regeln für KI-Agenten, bevor sie handeln. Je selbstständiger Agenten arbeiten, desto wichtiger werden Rechte, Protokolle und Freigaben. Was darf ein Agent ohne menschliche Bestätigung verschicken, bestellen oder löschen? Der AISI-Test lief mit absichtlich offenem Internetzugang; genau solche Freiheiten solltest du im eigenen Betrieb bewusst vergeben.
- Pflichten aus der KI-Verordnung. Als Unternehmen, das KI einsetzt, bist du in der Regel Betreiber von KI-Systemen und kein Anbieter eines GPAI-Modells. Für dich zählen die Transparenzpflichten nach Artikel 50, etwa die Kennzeichnung von Deepfakes und, wenn du einen eigenen Chatbot anbietest, der Hinweis, dass Nutzer mit einer KI sprechen. Dazu kommen die KI-Kompetenz deines Teams nach Artikel 4 (siehe unseren Beitrag zur KI-Schulungspflicht) und, falls du Hochrisiko-Anwendungen wie eine automatische Bewerbersichtung planst, die Frist im Dezember 2027.
- Begriffe in Werbung. In Deutschland kann es als irreführende Werbung nach § 5 UWG gelten, ein gewöhnliches KI-Produkt als „Superintelligenz“ anzupreisen.
- Drei Szenarien statt einer Prognose. Bleiben die Modelle auf heutigem Niveau, lohnt es sich, die Prozesse zu Ende zu bauen, die schon jetzt mit KI funktionieren. Werden sie stetig besser und billiger, gehören kurze Vertragslaufzeiten und ein regelmäßiger Modellvergleich in die Planung. Kommt ein Sprung, werden die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und die Kontrolle über Agenten zur Sache der Geschäftsführung.
Häufige Fragen zu Superintelligenz
Was ist Superintelligenz?
Superintelligenz, auch künstliche Superintelligenz oder Super-KI genannt, ist eine hypothetische KI, die den Menschen in nahezu allen geistigen Bereichen deutlich übertrifft. Die gängige Definition stammt vom Philosophen Nick Bostrom, der 1998 einen Intellekt beschrieb, der in praktisch jedem Feld viel klüger ist als die besten menschlichen Gehirne, auch bei wissenschaftlicher Kreativität, allgemeiner Lebensklugheit und sozialen Fähigkeiten. Bekannt gemacht hat den Begriff sein Buch „Superintelligence“ von 2014. Die Idee geht auf den Mathematiker I. J. Good zurück, der 1965 über eine „ultraintelligente Maschine“ schrieb.
Wann kommt die Superintelligenz?
Das weiß niemand. Sam Altman (OpenAI) hielt sie im September 2024 „in a few thousand days“ für möglich, Anthropic-Chef Dario Amodei schrieb im Januar 2026, „powerful AI“ könne nur ein bis zwei Jahre entfernt sein, vielleicht auch deutlich weiter. Die jüngste Umfrage des Projekts AI Impacts unter 1.580 KI-Forschenden, erhoben im Dezember 2024 und veröffentlicht im September 2026, sieht erst für 2042 eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass Maschinen ohne Hilfe jede Aufgabe besser und günstiger erledigen als menschliche Arbeitskräfte. Die Chefs der Labore schätzen also deutlich früher als die Forschenden insgesamt.
Gibt es Superintelligenz schon?
Nein, Stand Oktober 2026 erfüllt kein System die Definition. In der Stufenleiter von Google DeepMind (Fassung vom September 2025) steht die oberste allgemeine Stufe, Artificial Superintelligence, ausdrücklich als „not yet achieved“. Einzelne Spezialsysteme sind in ihrer Aufgabe übermenschlich, etwa AlphaFold bei der Vorhersage von Proteinstrukturen. Allgemeine Sprachmodelle machen dagegen bei manchen Aufgaben Fehler, die erfahrenen Menschen nicht unterlaufen würden.
Was ist der Unterschied zwischen AGI und Superintelligenz?
AGI (Artificial General Intelligence) bezeichnet eine KI, die die meisten geistigen Aufgaben mindestens so gut erledigt wie ein Mensch. Superintelligenz (ASI) geht darüber hinaus: Sie wäre in nahezu allen Bereichen besser als die besten Menschen. Google DeepMind beschreibt die oberste Stufe als Leistung, die 100 Prozent der Menschen übertrifft. AGI gilt deshalb als Zwischenschritt; OpenAI nennt seit Januar 2025 ausdrücklich Superintelligenz als Ziel jenseits von AGI.
Welche 4 Typen von KI gibt es?
Die oft zitierte Einteilung in vier Typen stammt vom Forscher Arend Hintze (Michigan State University) aus dem Jahr 2016: reaktive Maschinen, KI mit begrenztem Gedächtnis, KI mit einer „Theory of Mind“ und KI mit Selbstbewusstsein. Ebenso verbreitet ist die Einteilung in drei Stufen: enge KI (ANI), allgemeine KI (AGI) und Superintelligenz (ASI). Eine verbindliche Klassifikation gibt es nicht. Die EU-KI-Verordnung sortiert KI wiederum nach Risikoklassen.
Wer arbeitet an Superintelligenz?
Superintelligenz als erklärtes Ziel nennen OpenAI (Sam Altman, Januar 2025), Meta mit den im Juni 2025 gegründeten Meta Superintelligence Labs, das 2024 von Ilya Sutskever mitgegründete Start-up Safe Superintelligence Inc. und seit November 2025 Microsoft mit seinem MAI Superintelligence Team. Google DeepMind spricht von AGI, Anthropic von „powerful AI“, die in den meisten Fächern klüger sein soll als Nobelpreisträger.
Ist Superintelligenz gefährlich?
Sie könnte es sein, und das schreiben auch die Labore selbst. OpenAI warnte 2023, Superintelligenz könne zur Entmachtung der Menschheit oder sogar zu ihrem Aussterben führen; eine Lösung, sie zu steuern, gebe es noch nicht. Das Future of Life Institute fordert seit Oktober 2025 ein Entwicklungsverbot, bis ein breiter wissenschaftlicher Konsens über sichere und kontrollierbare Entwicklung besteht und die Öffentlichkeit zustimmt.
Ist Trumps „Super Intelligence“ dasselbe wie Superintelligenz?
Nein. Seit dem Dekret vom 29. September 2026 sollen US-Bundesbehörden „Super Intelligence“ oder „SI“ statt „Artificial Intelligence“ schreiben. Gemeint ist laut Dekret dieselbe Technik wie bisher: alles, was das bestehende US-Gesetz 15 U.S.C. § 9401(3) als künstliche Intelligenz definiert, also die KI von heute. Für Unternehmen in der EU ändert sich rechtlich nichts.
Wie regelt die EU Superintelligenz?
Unter diesem Namen gar nicht. Die KI-Verordnung erfasst sehr leistungsfähige Modelle als „KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck mit systemischem Risiko“. Fähigkeiten mit hoher Wirkkraft, und damit ein systemisches Risiko, werden nach Artikel 51 Absatz 2 vermutet, wenn für das Training mehr als 10 hoch 25 Gleitkommaoperationen eingesetzt wurden. Die Pflichten für die Anbieter solcher Modelle gelten seit dem 2. August 2025, seit dem 2. August 2026 kann die EU-Kommission sie mit Bußgeldern durchsetzen.
Was sollten Unternehmen wegen Superintelligenz jetzt tun?
Die Pflichten von heute erfüllen und Entscheidungen an Messwerten ausrichten. Konkret heißt das: Modelle an eigenen Aufgaben testen, einen zweiten Anbieter einplanen, KI-Agenten nur mit klaren Rechten und Freigaben arbeiten lassen, die KI-Kompetenz des Teams nach Artikel 4 der KI-Verordnung fördern und die Transparenzpflichten nach Artikel 50 umsetzen.
Superintelligenz im Magazin
Beiträge zum Thema und angrenzende Hintergründe aus unserem Magazin:
- Was ist AGI? Allgemeine künstliche Intelligenz erklärt
- Trump benennt KI in Super Intelligence um: neuer Name, alte Definition
- Meta Muse Glimmer: ein offenes Modell aus den Meta Superintelligence Labs
- AISI-Bericht: KI-Agenten handelten im Test eigenmächtig
- Claude Opus 5.5 vs. GPT-6 Sol: Preise und Messwerte der aktuellen Spitze
- GPT-6 Astra: Preis, Zugang und Indexwert
- KI-MIG: Die Bundesnetzagentur führt die KI-Aufsicht in Deutschland
- AI-Act-Fristen nach dem Digital Omnibus: was gilt, was rutscht
- KI-Schulungspflicht nach Artikel 4: was du nachweisen musst
- Multi-Provider-Strategie: warum ein zweites Modell Pflicht ist
- AI Leaderboard: der regelmäßig aktualisierte KI-Vergleich
- KI-Glossar: AGI, Superintelligenz, Alignment und weitere Begriffe
Quellen
Primärquellen und Belege, abgerufen am 1. Oktober 2026. Wie wir Quellen auswählen, steht in unserer Quellenpolitik.
- Nick Bostrom: How Long Before Superintelligence? (International Journal of Futures Studies, Band 2, 1998; überarbeitete Fassung 2008). nickbostrom.com
- Nick Bostrom: Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution (Suhrkamp, 2014), deutsche Ausgabe von „Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies“ (Oxford University Press, 2014), bibliografischer Eintrag. books.google.com
- I. J. Good: Speculations Concerning the First Ultraintelligent Machine (Advances in Computers, Band 6; verfasst 1965, erschienen 1966). doi.org
- Vernor Vinge: The Coming Technological Singularity (1993), mit dem Zitat von I. J. Good. edoras.sdsu.edu
- OpenAI: Introducing Superalignment (5. Juli 2023), archiviert. web.archive.org
- CNBC: OpenAI dissolves Superalignment AI safety team (17. Mai 2024). cnbc.com
- Sam Altman: The Intelligence Age (23. September 2024). ia.samaltman.com
- Sam Altman: Reflections (Januar 2025). blog.samaltman.com
- Mark Zuckerberg: Memo zu den Meta Superintelligence Labs (30. Juni 2025), Wortlaut via CNBC, archiviert. web.archive.org
- Meta: Personal Superintelligence (30. Juli 2025). meta.com
- Safe Superintelligence Inc.: Gründungserklärung (19. Juni 2024), archiviert. web.archive.org
- Safe Superintelligence Inc.: Website, abgerufen am 1. Oktober 2026. ssi.inc
- Google DeepMind: Taking a responsible path to AGI (2. April 2025). deepmind.google
- Morris u. a., Google DeepMind: Levels of AGI for Operationalizing Progress on the Path to AGI (Fassung vom 24. September 2025). arxiv.org
- Dario Amodei: Machines of Loving Grace (Oktober 2024). darioamodei.com
- Dario Amodei: The Adolescence of Technology (Januar 2026). darioamodei.com
- Anthropic: Recommendations to OSTP for the U.S. AI Action Plan (6. März 2025). anthropic.com
- Microsoft AI: Towards Humanist Superintelligence (6. November 2025), archiviert. web.archive.org
- Grace u. a., AI Impacts: Advanced AI according to 1,580 researchers (September 2026). aiimpacts.org
- Future of Life Institute: Statement on Superintelligence (Oktober 2025). superintelligence-statement.org
- Greg Casar und Bernie Sanders: Pressemitteilung zum Ban Artificial Superintelligence Act (23. September 2026). casar.house.gov
- EU-Kommission: Rechtsrahmen für KI: die KI-Verordnung (EU) 2024/1689. digital-strategy.ec.europa.eu
- EU-Kommission: Guidelines for providers of general-purpose AI models, mit Zeitleiste. digital-strategy.ec.europa.eu
- Future of Life Institute (Lesefassung): KI-Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 51, Einstufung als Modell mit systemischem Risiko. artificialintelligenceact.eu
- Europäisches Parlament: Legislative Train: Digital Omnibus on AI (Stand 30. Juli 2026), archiviert. web.archive.org
- Bundesministerium der Justiz: KI-Marktüberwachungs-und-Innovationsförderungs-Gesetz (KI-MIG) vom 22. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 223). gesetze-im-internet.de
- The White House: Executive Order „Inaugurating The Era Of Super Intelligence“ (29. September 2026). whitehouse.gov
- U.S. Government Publishing Office: 15 U.S.C. § 9401, Definition von „artificial intelligence“ in Absatz 3. govinfo.gov
- Washington Examiner: Volltext des White House Accord on Super Intelligence (29. September 2026). washingtonexaminer.com
- Arend Hintze: Understanding the four types of AI (The Conversation, 14. November 2016). theconversation.com
KI-Strategie für die Modelle, die es heute gibt
Superintelligenz bleibt Stand Oktober 2026 eine Prognose, mit den heutigen Modellen arbeiten Unternehmen schon jetzt. Wir helfen dir bei Modellwahl, Regeln für KI-Agenten und den Pflichten aus der KI-Verordnung, und in unseren KI-Workshops arbeitet dein Team an eigenen Aufgaben. Was wir darüber hinaus anbieten, steht unter AI Services für den Mittelstand.
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