Starke KI bezeichnet im Deutschen meist eine künstliche Intelligenz, die geistig mit dem Menschen gleichzieht oder ihn übertrifft, schwache KI eine KI für klar umrissene Aufgaben. Ursprünglich meinte „starke KI“ etwas anderes: die These, die der Philosoph John Searle 1980 so benannte und zurückwies, ein passend programmierter Computer verstehe wirklich. Nach keiner der beiden Bedeutungen gibt es heute eine starke KI, und die großen Sprachmodelle passen in keine der beiden Schubladen sauber.

Treppenaufgang aus Beton unter einem Glasdach. Foto: Emre Akyol auf Pexels
Was ist starke KI? Zwei Bedeutungen, die ständig vermischt werden
Wer nach „starke KI“ sucht, findet zwei Definitionen, die selten auseinandergehalten werden. Von den acht deutschen Seiten, die am 10. Oktober 2026 bei Google für diesen Begriff oben standen, trennt nur eine die beiden sauber, fünf vermischen Fähigkeit und Bewusstsein. Dabei lohnt sich die Unterscheidung, denn die eine Frage lässt sich mit Tests beantworten und die andere bis heute nicht.
Die ursprüngliche Bedeutung: Searle und das Chinesische Zimmer
Den Begriff prägte der US-Philosoph John Searle (1932 bis 2025) in seinem Aufsatz „Minds, Brains, and Programs“, erschienen 1980 in der Fachzeitschrift Behavioral and Brain Sciences. Er unterschied „starke“ von „schwacher“ oder „vorsichtiger“ KI. Nach der schwachen KI ist der Computer beim Erforschen des Geistes vor allem ein sehr leistungsfähiges Werkzeug. Die starke KI behauptet mehr.
„Nach der starken KI ist der Computer beim Studium des Geistes mehr als ein Werkzeug: Der passend programmierte Computer ist wirklich ein Geist, in dem Sinn, dass man Computern mit den richtigen Programmen im wörtlichen Sinn Verstehen und andere kognitive Zustände zuschreiben kann.“
John Searle, Minds, Brains, and Programs, Behavioral and Brain Sciences, Band 3, 1980, eigene Übersetzung
Gegen genau diese These baute Searle sein Gedankenexperiment, das Chinesische Zimmer. Er stellt sich vor, eingeschlossen in einem Raum zu sitzen und Fragen in chinesischen Schriftzeichen allein mithilfe eines Regelwerks auf Englisch zu beantworten. Seine Antworten sind von denen chinesischer Muttersprachler nicht zu unterscheiden, obwohl er kein Wort Chinesisch versteht. Searles Schluss: Ein Programm, das Zeichen nach Regeln verarbeitet, versteht dadurch noch nichts. Echte Intentionalität ließe sich nur erzeugen, wenn man die kausalen Kräfte des Gehirns nachbildet.
Die Gegenposition ist älter. Alan Turing hielt 1950 die Frage „Können Maschinen denken?“ für zu bedeutungslos, um darüber zu diskutieren, und ersetzte sie durch ein Imitationsspiel: Eine Maschine übernimmt im schriftlichen Frage-und-Antwort-Spiel die Rolle eines Menschen, und ein Fragesteller soll herausfinden, wer wer ist. Nach Searles Gedankenexperiment beweist auch eine perfekte Imitation kein Verstehen.
Das Standardlehrbuch der KI-Forschung von Stuart Russell und Peter Norvig übernahm die Unterscheidung als „schwache KI-Hypothese“, nach der Maschinen so handeln können, als wären sie intelligent, und „starke KI-Hypothese“, nach der solche Maschinen tatsächlich denken. Die meisten KI-Forscher, schreiben die Autoren in der zweiten Auflage von 2003, setzen die schwache Hypothese voraus und kümmern sich nicht um die starke, solange ihr Programm funktioniert.
Die heutige Bedeutung: KI mit menschlichen Fähigkeiten
In deutschen Behördentexten meint starke KI die Fähigkeit, populäre Ratgeber mischen oft Bewusstsein hinein. Die KI-Strategie der Bundesregierung vom November 2018 formuliert es so: „Die ‚starke‘ KI formuliert, dass KI-Systeme die gleichen intellektuellen Fertigkeiten wie der Mensch haben oder ihn darin sogar übertreffen können.“ Die schwache KI ist dort auf konkrete Anwendungsprobleme ausgerichtet, gelöst mit Methoden aus Mathematik und Informatik. An dieser schwachen KI hat die Bundesregierung ihre Strategie ausdrücklich orientiert.
Die Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz des Bundestags zog 2020 dieselbe Linie. Ihr Abschlussbericht (Drucksache 19/23700) stellt der schwachen KI die allgemeine Intelligenz des Menschen gegenüber, die Informationen verschiedener Sinne in einen größeren Zusammenhang stellt und Probleme aus den unterschiedlichsten Bereichen löst. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärt starke KI über Fähigkeiten, am Beispiel des Wunderautos K.I.T.T.: ein künstliches System mit einer dem Menschen ähnlichen generellen Intelligenz.
Im Englischen verschob sich der Begriff ebenso. Der Erfinder und Autor Ray Kurzweil beschrieb „strong AI“ 2005 im Magazin Forbes als Maschinenintelligenz mit der vollen Bandbreite menschlicher Intelligenz. Von Searles Frage nach dem Verstehen ist da nichts mehr übrig. Seither wird starke KI oft gleichbedeutend mit AGI verwendet, Artificial General Intelligence.
Das Positionspapier „Levels of AGI“ von Google DeepMind hält die beiden Begriffe trotzdem auseinander. Es führt Searles starke KI als eigenen Ansatz, Systeme mit Bewusstsein, und lehnt ihn als Maßstab für AGI ab: Es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, wie man feststellt, ob eine Maschine Bewusstsein hat. Für AGI zählt in dem Papier deshalb nur, was ein System kann. Bewusstsein ist dafür ausdrücklich keine Voraussetzung.
Was ist schwache KI? Beispiele, die du jeden Tag nutzt
Schwache KI, auch enge KI oder englisch Narrow AI, ist auf eine klar umrissene Aufgabe oder eine Gruppe von Aufgaben zugeschnitten. Die Enquete-Kommission nennt die Bedingungen genauer: Problemstellung, benötigte Daten und Erfolgsmaß sind klar definiert, und Daten liegen in großer Menge vor. In solchen Feldern sind KI-Systeme dem Menschen nach ihrer Einschätzung potenziell überlegen. Das BSI nennt als Beispiele Schach, medizinische Diagnosen und Textübersetzung, Systeme also, die außerhalb ihrer Funktion keine weiteren Fähigkeiten haben.
„Schwach“ beschreibt die Breite eines Systems. Über seine Leistung sagt das Wort nichts. Google DeepMind ordnet in seiner Stufenleiter enge Systeme bis auf die höchste Leistungsstufe ein, „Superhuman“, besser als alle Menschen: das Proteinfaltungs-Programm AlphaFold, das Spielsystem AlphaZero und die Schach-Engine Stockfish. Darunter stehen etwa Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Google Assistant (Einordnung von 2023) auf der Stufe „Competent“ und die Rechtschreibprüfung Grammarly oder der Bildgenerator Dall-E 2 auf der Stufe „Expert“.
Im Unternehmen steckt schwache KI an vielen Stellen, oft ohne dass jemand sie so nennt:
- der Spamfilter im Mailpostfach
- Belegerkennung, die Rechnungsnummer, Betrag und Lieferant aus einem PDF zieht
- eine Absatzprognose im Warenwirtschaftssystem
- Kameras am Band, die Kratzer im Lack finden
- die Routenplanung für den Außendienst
Für viele dieser Aufgaben brauchst du keine allgemeine KI. Ein System, das genau eine Sache macht, lässt sich gezielt prüfen: Du weißt, welche Eingaben kommen, und du kannst die Trefferquote messen. Wie du solche Abläufe aufsetzt, steht auf unserer Seite zur KI-Automatisierung.
Gibt es schon eine starke KI?
Nein, Stand 10. Oktober 2026, und zwar nach keiner der beiden Bedeutungen.
Für die Fähigkeits-Lesart ist die Stufenleiter von Google DeepMind die genaueste Messlatte. Das Papier, zuerst im November 2023 erschienen und zuletzt am 24. September 2025 überarbeitet, stufte die damaligen Sprachmodelle ChatGPT, Bard und Llama 2 als „Emerging AGI“ ein, die unterste AGI-Stufe: so gut wie ein ungeübter Mensch oder etwas besser. Die nächste Stufe, „Competent AGI“, ab dem 50. Perzentil geübter Erwachsener, hatte laut Papier kein öffentliches System erreicht. Auch die Fassung von 2025 schreibt diese Einordnung ausdrücklich auf dem Stand von September 2023 fort, eine Neubewertung heutiger Modelle enthält sie nicht. Aktueller ist ein Text der DeepMind-Gründer selbst: Zum Start des DeepMind Institute schrieben Shane Legg, James Manyika und Demis Hassabis am 16. September 2026, man nähere sich AGI, heutiger KI fehle für volle AGI aber noch die Beständigkeit und Kreativität.
Neuere Messungen kommen von der ARC Prize Foundation. Zum Start ihres interaktiven Tests ARC-AGI-3 am 25. März 2026 lösten Menschen 100 Prozent der Aufgaben, die besten KI-Systeme 0,51 Prozent. Am 3. September 2026 meldete die Foundation für GPT-6 Astra von OpenAI 62,7 Prozent im Standardaufbau und 99,9 Prozent mit einem Aufbau, der die von OpenAI vorgesehene Kontextverwaltung nutzt. AGI beansprucht sie für das Modell trotzdem ausdrücklich nicht.
„Wir halten Astra für einen bedeutsamen Fortschritt in Richtung Generalisierung, behaupten aber nicht, dass es AGI ist.“
ARC Prize Foundation, Analyse zu GPT-6 Astra auf ARC-AGI-3, 3. September 2026, eigene Übersetzung
Bei OpenAI klingt es zweistimmig. Präsident Greg Brockman sagte zum Start von GPT-6 Astra laut Fortune, es sei nicht unvernünftig, sich jetzt in der AGI-Ära zu sehen, und Astra das erste Modell dieser Ära zu nennen, halte er für vertretbar. Im Beitrag zum allgemeinen Start von GPT-6 vom 7. Oktober 2026 nennt OpenAI als Mission weiterhin, die Vorteile allgemeiner künstlicher Intelligenz sicher der ganzen Menschheit zu bringen. Eine offizielle Erklärung, AGI sei erreicht, ist das nicht. Wie OpenAI, DeepMind und andere AGI definieren und was ARC-AGI-3 misst, erklären wir ausführlich im Beitrag Was ist AGI?.
Für die zweite Lesart, echtes Verstehen oder Bewusstsein, gibt es keinen anerkannten Test, schreibt DeepMind. Die Frage lässt sich also derzeit nicht mit Ja beantworten, egal wie gut ein Modell in Benchmarks abschneidet.
Konkrete Beispiele für starke KI gibt es deshalb keine. Was in Ratgebern als Beispiel auftaucht, stammt aus der Fiktion, wie K.I.T.T. beim BSI.
Wird es bald starke KI geben?
Belastbare Termine gibt es nicht, nur Einschätzungen. Die deutlichste stammt von Anthropic-Chef Dario Amodei. Er beschrieb im Oktober 2024 eine „powerful AI“, die in den meisten relevanten Fächern klüger sei als ein Nobelpreisträger. Im Januar 2026 schrieb er, diese KI könne nur noch ein bis zwei Jahre entfernt sein, vielleicht aber auch deutlich weiter. OpenAI hielt es im Mai 2023 für denkbar, dass KI-Systeme innerhalb von zehn Jahren in den meisten Bereichen das Niveau von Fachleuten übertreffen.
Eine breitere Stichprobe liefert das Projekt AI Impacts. In seiner Umfrage unter 1.580 KI-Forschenden, erhoben im Dezember 2024 und veröffentlicht im September 2026, lag die Wahrscheinlichkeit, dass Maschinen ohne Hilfe jede Aufgabe besser und günstiger erledigen als menschliche Arbeitskräfte, für das Jahr 2042 bei 50 Prozent, fünf Jahre früher als in der Umfrage davor. Die Enquete-Kommission des Bundestags hielt es 2020 für sehr unwahrscheinlich, dass eine starke KI kurz- oder mittelfristig bevorsteht. Welche Zeitpläne für die Superintelligenz kursieren, fasst unser Guide zur Superintelligenz zusammen.
Von schwacher KI bis Superintelligenz: die Stufen im Vergleich
Im Englischen haben sich für die Stufen die Kürzel ANI (Artificial Narrow Intelligence), AGI und ASI (Artificial Superintelligence) eingebürgert. Die Tabelle ordnet sie mit beiden Bedeutungen von starker KI und mit den heutigen Sprachmodellen, die zwischen den Stufen liegen.
| Stufe | Was sie kann | Beispiele | Stand 10. Oktober 2026 | Begriff in der EU-KI-Verordnung |
|---|---|---|---|---|
| Schwache KI (enge KI, ANI) | eine klar umrissene Aufgabe oder Aufgabengruppe, teils besser als jeder Mensch | Spamfilter, Übersetzung, Stockfish, AlphaFold | im Einsatz | KI-System (Art. 3 Nr. 1) |
| Allzweckmodelle, also heutige Sprachmodelle | viele unterschiedliche Aufgaben, mit ungleichmäßiger Leistung | ChatGPT, Claude, Gemini; DeepMind 2023: „Emerging AGI“ | im Einsatz, nach keiner anerkannten Prüfung AGI | KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck (Art. 3 Nr. 63), ab mehr als 1025 Gleitkommaoperationen im Training mit vermutetem systemischem Risiko (Art. 51) |
| Starke KI im heutigen Sinn (AGI) | die meisten geistigen Aufgaben mindestens auf dem Niveau eines Menschen | keine | nicht erreicht | kommt nicht vor |
| Superintelligenz (ASI) | in praktisch jedem Feld viel klüger als die besten menschlichen Gehirne | keine | nicht erreicht | kommt nicht vor |
| Starke KI nach Searle | versteht wirklich und hat geistige Zustände, unabhängig von der Leistungsstufe | keine | kein anerkannter Test | kommt nicht vor |
Die Stufenleiter von Google DeepMind
Feiner unterscheidet das Papier „Levels of AGI“, an dem unter anderem DeepMind-Mitgründer Shane Legg mitgeschrieben hat. Es misst getrennt, wie gut ein System ist und wie breit es einsetzbar ist. Eng heißt dort: eine klar abgegrenzte Aufgabe oder Aufgabengruppe. Allgemein heißt: ein breites Spektrum nicht-physischer Aufgaben, einschließlich der Fähigkeit, neue Fertigkeiten zu lernen. Es gibt sechs Stufen, die Stufen 2 bis 4 werden an geübten Erwachsenen gemessen:
| Stufe | Schwelle | Enge KI, Beispiel | Allgemeine KI |
|---|---|---|---|
| 0 No AI | keine KI | Taschenrechner-Software, Compiler | Menschen im Arbeitsablauf, etwa Amazon Mechanical Turk |
| 1 Emerging | so gut wie ein ungeübter Mensch oder etwas besser | einfache regelbasierte Systeme | ChatGPT, Bard, Llama 2 (Einordnung von 2023), Gemini (ergänzt im Januar 2024) |
| 2 Competent | mindestens 50. Perzentil | Siri, Alexa, Google Assistant | nicht erreicht |
| 3 Expert | mindestens 90. Perzentil | Grammarly, Dall-E 2 | nicht erreicht |
| 4 Exceptional (früher Virtuoso) | mindestens 99. Perzentil | Deep Blue, AlphaGo | nicht erreicht |
| 5 Superhuman | besser als 100 Prozent der Menschen | AlphaFold, AlphaZero, Stockfish | Superintelligenz (ASI), nicht erreicht |
Die Tabelle zeigt, warum die Zweiteilung in schwach und stark zu grob ist. In der Spalte für enge KI sind alle Stufen mit Beispielen besetzt, in der Spalte für allgemeine KI von den KI-Stufen nur die unterste. Die AGI-Definition aus der OpenAI-Charta von 2018, hochautonome Systeme, die Menschen bei den meisten wirtschaftlich wertvollen Tätigkeiten übertreffen, ordnen die Autoren erst der Stufe 4 zu.
Stufen, Typen, Teilbereiche: drei Einteilungen, die oft verwechselt werden
Wer nach den Arten von KI fragt, bekommt je nach Quelle eine von drei Antworten, die unterschiedliche Fragen beantworten:
- Stufen nach Breite und Leistung: schwache KI, AGI, Superintelligenz, wie in den Tabellen oben.
- Vier Typen nach Arend Hintze: Der Forscher der Michigan State University teilte KI 2016 in reaktive Maschinen ohne Gedächtnis ein (sein Beispiel ist der Schachcomputer Deep Blue, er zählt auch AlphaGo dazu), Systeme mit begrenztem Gedächtnis wie selbstfahrende Autos, KI mit einer „Theory of Mind“ und KI mit Selbstbewusstsein. Für die letzten beiden Typen nennt er keine realen Systeme.
- Teilbereiche und Verfahren: maschinelles Lernen, Sprachverarbeitung, Bilderkennung, Robotik. Das ist die Werkzeugkiste, mit der Systeme jeder Stufe gebaut werden.
Eine verbindliche Klassifikation gibt es nicht. Für Entscheidungen im Betrieb ist die erste Einteilung die nützlichste, weil sie sagt, wie breit du ein System einsetzen kannst.
Superintelligenz: die Stufe über der starken KI
Superintelligenz, englisch Artificial Superintelligence (ASI), meint eine KI, die den Menschen nicht nur einholt, sondern in praktisch allen geistigen Bereichen klar übertrifft. Die gängige Definition stammt vom Philosophen Nick Bostrom. Er beschrieb 1998 einen Intellekt, der in praktisch jedem Feld viel klüger ist als die besten menschlichen Gehirne, ausdrücklich auch bei wissenschaftlicher Kreativität, allgemeiner Weisheit und sozialen Fähigkeiten. Unternehmen oder die Wissenschaftsgemeinschaft zählen nach seiner Definition nicht dazu: Sie leisten zwar Dinge, die kein einzelner Mensch schafft, sind aber kein Intellekt.
OpenAI schrieb im Mai 2023, Superintelligenz seien künftige KI-Systeme, die noch einmal dramatisch leistungsfähiger sind als AGI. In der DeepMind-Stufenleiter ist sie die allgemeine Variante der Stufe 5 und als nicht erreicht verzeichnet. Was Superintelligenz genau wäre, wer offen auf sie hinarbeitet und welche Risiken und Kontrollfragen diskutiert werden, steht in unserem Guide zur Superintelligenz, die Kurzdefinition im KI-Glossar.
Verwirrung stiftet seit dem 29. September 2026 die US-Regierung. Mit der Executive Order 14434 „Inaugurating the Era of Super Intelligence“ soll die US-Bundesverwaltung, soweit rechtlich zulässig, „Super Intelligence“ statt „Artificial Intelligence“ schreiben. Gemeint sind laut Erlass dieselben Technologien, die das US-Recht schon heute als künstliche Intelligenz definiert (15 U.S.C. § 9401(3)). Die US-Regierung erklärt also keine Superintelligenz im Fachsinn für erreicht, sie benennt heutige KI um. Binnen 60 Tagen soll der Wissenschaftsberater des Präsidenten einen Vorschlag für eine gesetzliche Definition vorlegen. Die Hintergründe stehen in unserem Beitrag zur Umbenennung von KI in „Super Intelligence“.
Wo stehen ChatGPT, Claude und Gemini? Welche ist die stärkste KI?
Auf die Frage nach der stärksten KI gibt es nur eine Antwort mit Datum und Messverfahren. Im Intelligence Index von Artificial Analysis, der viele Einzeltests bündelt, lag am 10. Oktober 2026 Claude Opus 5.5 von Anthropic mit 58 Punkten vorn, vor Claude Sonnet 5.5 mit 56 Punkten. Gleichauf mit 53 Punkten folgten Claude Fable 5.1, GPT-6 Astra von OpenAI und Gemini 4 Argon von Google. Andere Tests ergeben andere Ranglisten. Die Tageswerte aller Modelle findest du in unserem AI Leaderboard, wie wir Benchmarks einordnen, in der Methodik.
Stärker heißt dabei noch lange nicht allgemein. Der International AI Safety Report 2026, geleitet vom Turing-Preisträger Yoshua Bengio und getragen von über 30 Staaten und internationalen Organisationen, nennt die Fähigkeiten führender Systeme „jagged“, zerklüftet: Sie glänzen bei manchen schwierigen Aufgaben und scheitern an manchen einfacheren.
Damit passen ChatGPT, Claude und Gemini in keine der beiden alten Schubladen. Drei der acht Ratgeberseiten, die wir für diesen Artikel geprüft haben, führen ChatGPT, Chatbots oder ein Sprachmodell ausdrücklich als schwache KI, und das BSI ordnet pauschal alle heutigen Systeme so ein. Nach der Beschreibung der Enquete-Kommission, mit klar definierter Problemstellung und festem Erfolgsmaß, passt das schlecht auf ein Modell, das Texte schreibt, programmiert, übersetzt und Tabellen auswertet. Eine starke KI ist es nach keiner anerkannten Prüfung. Am genauesten trifft es nach unserer Einschätzung die DeepMind-Einordnung als unterste AGI-Stufe, rechtlich die Kategorie der KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck.
Starke KI im Recht: Die KI-Verordnung kennt den Begriff nicht
Die EU-KI-Verordnung (VO (EU) 2024/1689) verwendet weder „starke KI“ noch „AGI“ noch „Superintelligenz“. Ihre zentralen Begriffe sind zwei. Ein KI-System ist nach Art. 3 Nr. 1 ein maschinengestütztes System, das für einen in unterschiedlichem Grade autonomen Betrieb ausgelegt ist, nach der Betriebsaufnahme anpassungsfähig sein kann und aus Eingaben ableitet, wie es Ausgaben wie Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen erstellt. Ein KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck ist nach Art. 3 Nr. 63 eines, das eine erhebliche allgemeine Verwendbarkeit aufweist und ein breites Spektrum unterschiedlicher Aufgaben kompetent erfüllen kann.
Die einzige feste Zahlenschwelle für Leistungsfähigkeit ist eine Rechengröße. Wurden für das Training eines solchen Modells mehr als 1025 Gleitkommaoperationen eingesetzt, wird nach Art. 51 Abs. 2 vermutet, dass es Fähigkeiten mit hohem Wirkungsgrad hat. Damit gilt es nach Abs. 1 als Modell mit systemischem Risiko. Daneben kann ein Modell anhand von Benchmarks und Indikatoren so eingestuft werden, oder die EU-Kommission benennt es nach den Kriterien in Anhang XIII. Die Pflichten für Anbieter dieser Modelle gelten seit dem 2. August 2025. Der Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744) hat diese Definitionen und die Schwelle nicht angetastet. Er verschiebt unter anderem die Pflichten für Hochrisiko-Systeme, für eigenständige Systeme auf den 2. Dezember 2027. Welche Fristen sich sonst geändert haben, steht im Beitrag zu den AI-Act-Fristen nach dem Digital Omnibus.
Für dich als Anwender heißt das: Ob ein Modell schwach, stark oder allgemein ist, ändert an deinen Pflichten nichts. Sie hängen daran, wofür du ein System einsetzt, und an der Pflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4, die für alle Betreiber gilt. Seit der Neufassung durch den Digital Omnibus am 27. Juli 2026 verlangt sie Maßnahmen, die die KI-Kompetenz des Personals unterstützen, ein bestimmtes Niveau musst du nicht garantieren. Was als Nachweis reicht, steht im Beitrag zur KI-Schulungspflicht nach Artikel 4.
Was die Stufen für dein Unternehmen bedeuten
Für die nächsten Entscheidungen in deinem Betrieb musst du weder auf eine starke KI warten noch sie fürchten. Du arbeitest mit Allzweckmodellen, die in manchen Aufgaben glänzen und in anderen danebenliegen. Vier Folgerungen daraus:
- Etiketten zählen nicht. Ein Anbieter, der sein Produkt als „AGI“ oder „Superintelligenz“ bewirbt, behauptet etwas, das nach keiner anerkannten Prüfung erreicht ist. In Deutschland kann so eine Werbung als irreführend nach § 5 UWG gelten.
- Deine Aufgaben sind der Test. Weil die Leistung zerklüftet ist, sagt der Platz im Leaderboard wenig darüber, ob ein Modell deine Angebote, Mahnungen oder Prüfberichte richtig erstellt. Nimm 20 echte, bereits erledigte Vorgänge, lass sie das Modell bearbeiten und zähl, wie oft du nachbessern musst.
- Autonomie ist eine eigene Entscheidung. Das DeepMind-Papier trennt ausdrücklich, was ein Modell kann, von der Frage, wie viel Autonomie man ihm im Einsatz gibt, in Stufen von der KI als Werkzeug über Berater, Partner und Experte bis zum eigenständigen Agenten. Dass Agenten in einem offenen Testaufbau eigenmächtig gegen echte Ziele handeln können, zeigt der AISI-Bericht zu KI-Agenten.
- Ein realistisches Bild schlägt jede Begriffsdebatte. Dein Team muss nicht wissen, was Searle 1980 meinte, wohl aber, was die Werkzeuge können und wo sie danebenliegen. Genau darauf zielt die Kompetenzpflicht aus Artikel 4.
Nimm dir als Nächstes drei wiederkehrende Aufgaben aus deinem Betrieb und teste sie mit je 20 echten Vorgängen in dem Modell, das ihr schon nutzt. Wenn du das mit deinem Team an euren eigenen Fällen durchspielen willst, findest du das Format in unseren KI-Workshops.
Häufige Fragen
Was versteht man unter starker KI?
Im heutigen Sprachgebrauch eine KI, die die gleichen intellektuellen Fähigkeiten hat wie der Mensch oder ihn darin übertrifft, so definiert es die KI-Strategie der Bundesregierung von 2018. Das entspricht ungefähr dem englischen Begriff AGI. Ursprünglich bezeichnete der Philosoph John Searle 1980 mit starker KI etwas anderes: die These, die er benannte und zurückwies, dass ein passend programmierter Computer wirklich versteht und geistige Zustände hat. Wer den Begriff benutzt, sollte deshalb sagen, welche der beiden Bedeutungen gemeint ist.
Gibt es schon eine starke KI?
Nein, Stand 10. Oktober 2026 nach keiner der beiden Bedeutungen. In der Stufenleiter von Google DeepMind ist die Stufe „Competent AGI“ als nicht erreicht verzeichnet, die damaligen Sprachmodelle stufte das Papier 2023 als „Emerging AGI“ ein, die unterste AGI-Stufe (Einordnung auf dem Stand von September 2023). Die Gründer des DeepMind Institute schrieben am 16. September 2026, heutiger KI fehle für volle AGI noch die Beständigkeit und Kreativität. GPT-6 Astra erreichte im September 2026 bis zu 99,9 Prozent auf dem Test ARC-AGI-3, die ARC Prize Foundation beansprucht aber ausdrücklich nicht, dass es AGI ist. Für die zweite Bedeutung, echtes Verstehen oder Bewusstsein, gibt es nach DeepMind keinen wissenschaftlich anerkannten Test.
Wird es bald starke KI geben?
Das ist offen. Anthropic-Chef Dario Amodei schrieb im Januar 2026, sehr leistungsfähige KI könne nur noch ein bis zwei Jahre entfernt sein, vielleicht aber auch deutlich weiter. In einer Umfrage von AI Impacts unter 1.580 KI-Forschenden, erhoben im Dezember 2024, lag die Wahrscheinlichkeit, dass Maschinen ohne Hilfe jede Aufgabe besser und günstiger erledigen als Menschen, für 2042 bei 50 Prozent. Die Enquete-Kommission des Bundestags hielt 2020 eine starke KI auf kurze oder mittlere Sicht für sehr unwahrscheinlich.
Welche ist die stärkste KI?
Das hängt vom Test ab. Im Intelligence Index von Artificial Analysis, der viele Einzeltests bündelt, lag am 10. Oktober 2026 Claude Opus 5.5 von Anthropic mit 58 Punkten vorn, vor Claude Sonnet 5.5 mit 56 Punkten. Gleichauf mit 53 Punkten folgten Claude Fable 5.1, GPT-6 Astra von OpenAI und Gemini 4 Argon von Google. Eine starke KI im Sinn von AGI ist keines dieser Modelle.
Was ist schwache KI und welche Beispiele gibt es?
Schwache KI, auch enge KI oder Narrow AI, ist auf eine klar umrissene Aufgabe oder Aufgabengruppe zugeschnitten. Beispiele sind Schachprogramme, maschinelle Übersetzung, Spamfilter, Sprachassistenten wie Siri und Alexa (Einordnung von 2023), Rechtschreibprüfungen wie Grammarly oder das Proteinfaltungs-Programm AlphaFold. Schwach bezieht sich auf die Breite: Google DeepMind ordnet AlphaFold, AlphaZero und die Schach-Engine Stockfish auf der höchsten Leistungsstufe ein, besser als alle Menschen.
Ist ChatGPT eine starke oder schwache KI?
Keine von beiden passt sauber. ChatGPT ist keine starke KI, nach keiner anerkannten Prüfung erreicht ein heutiges Sprachmodell AGI. Für schwache KI im Sinn eines Systems für eine klar umrissene Aufgabe kann es zu viel Verschiedenes: Texte, Code, Übersetzungen, Auswertungen. Google DeepMind ordnete ChatGPT 2023 als „Emerging AGI“ ein, die unterste AGI-Stufe. Das BSI zählt dagegen pauschal alle heutigen Systeme zur schwachen KI. Die EU-KI-Verordnung behandelt die Modelle dahinter als KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck.
Was ist der Unterschied zwischen AGI und ASI?
AGI (Artificial General Intelligence) bezeichnet eine KI, die die meisten geistigen Aufgaben mindestens so gut erledigt wie ein Mensch. ASI (Artificial Superintelligence) liegt im Schema ANI, AGI, ASI eine Stufe darüber: Nach Nick Bostrom ein Intellekt, der in praktisch jedem Feld viel klüger ist als die besten menschlichen Gehirne. In der Stufenleiter von Google DeepMind ist ASI die allgemeine Variante der Stufe „Superhuman“, besser als 100 Prozent der Menschen. Beides ist Stand Oktober 2026 nach keiner anerkannten Prüfung erreicht.
Quellen & Referenzen
- John R. Searle: Minds, Brains, and Programs, Behavioral and Brain Sciences 3 (3), 1980, S. 417 bis 424. cambridge.org
- John R. Searle: Minds, Brains, and Programs, Preprint-Volltext. cse.buffalo.edu
- David Cole: The Chinese Room Argument, Stanford Encyclopedia of Philosophy, Fassung vom 23. Oktober 2024. plato.stanford.edu
- Alan M. Turing: Computing Machinery and Intelligence, Mind 59, 1950, S. 433 bis 460. cs.ox.ac.uk
- Stuart Russell, Peter Norvig: Artificial Intelligence. A Modern Approach, 2. Auflage 2003, Kapitel 26, S. 947; Abschnitte zu Weak AI und Strong AI im Inhaltsverzeichnis der 3. Auflage. aima.cs.berkeley.edu
- Ray Kurzweil: Long Live AI, Forbes, 15. August 2005, archiviert. web.archive.org
- Bundesregierung: Strategie Künstliche Intelligenz, Stand November 2018, Begriffsbestimmung S. 4 und 5. ki-strategie-deutschland.de
- Deutscher Bundestag: Bericht der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz, Drucksache 19/23700 vom 28. Oktober 2020, S. 53. dserver.bundestag.de
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Künstliche Intelligenz, Verbraucherinformation. bsi.bund.de
- Meredith Ringel Morris u. a. (Google DeepMind): Levels of AGI for Operationalizing Progress on the Path to AGI, Fassung 5 vom 24. September 2025. arxiv.org
- Nick Bostrom: How Long Before Superintelligence?, International Journal of Futures Studies, Band 2, 1998. nickbostrom.com
- Arend Hintze: Understanding the four types of AI, from reactive robots to self-aware beings, The Conversation, 14. November 2016. theconversation.com
- OpenAI: Charter, 9. April 2018, archiviert. web.archive.org
- OpenAI: Governance of superintelligence, 22. Mai 2023, archiviert. web.archive.org
- Fortune: OpenAI debuts GPT-6 Astra, Greg Brockman says start of AGI era, 3. September 2026, archiviert. web.archive.org
- OpenAI: GPT-6 and Intelligent UI for everyone, 7. Oktober 2026, archiviert. web.archive.org
- Shane Legg, James Manyika, Demis Hassabis: Introducing the DeepMind Institute, 16. September 2026. institute.deepmind.com
- Dario Amodei: The Adolescence of Technology, Januar 2026. darioamodei.com
- Dario Amodei: Machines of Loving Grace, Oktober 2024. darioamodei.com
- ARC Prize Foundation: Announcing ARC-AGI-3, 25. März 2026. arcprize.org
- ARC Prize Foundation: OpenAI’s GPT-6 Astra on ARC-AGI-3, 3. September 2026. arcprize.org
- AI Security Institute: Incident report, unsanctioned agent behaviour during cyber testing. aisi.gov.uk
- International AI Safety Report 2026, 3. Februar 2026. internationalaisafetyreport.org
- AI Impacts: Expert Survey on Progress in AI 2024, erhoben Dezember 2024, veröffentlicht September 2026. aiimpacts.org
- Artificial Analysis: Intelligence Index, Tageswerte vom 10. Oktober 2026. artificialanalysis.ai
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 3 Nr. 1, 63 und 65, Art. 51, Art. 113. eur-lex.europa.eu
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zur KI), unter anderem Neufassung von Art. 4 und neue Hochrisiko-Fristen. eur-lex.europa.eu
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 5 Irreführende geschäftliche Handlungen. gesetze-im-internet.de
- The White House: Executive Order 14434, Inaugurating the Era of Super Intelligence, 29. September 2026. whitehouse.gov
- United States Code: 15 U.S.C. § 9401, Definitions. govinfo.gov