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Claude Opus 5.5 vs. GPT-6 Sol: Preise, Messwerte und die Rechnung für Firmen

Anthropic hat am Dienstagabend Claude Opus 5.5 freigegeben, OpenAI legte wenige Stunden später GPT-6 Sol und GPT-6 Luna nach. Beide Anbieter senken die Preise, OpenAI deutlich stärker: Sol kostet jetzt die Hälfte von Opus 5.5. Für die Monatsrechnung zählt aber auch, wie viele Token ein Modell je Aufgabe schreibt, und da liegt Opus 5.5 auf der höchsten Rechenstufe deutlich über dem Vorgänger.

Balkenwaage auf grauem Grund, in einer Schale eine schwarze, in der anderen eine weiße Schachfigur

Zwei Anbieter, ein Tag, zwei Preissenkungen: Die Waage neigt sich je nach Aufgabe in eine andere Richtung. Foto: cottonbro studio auf Pexels

Claude Opus 5.5 und GPT-6 Sol in Kürze: Anthropic hat am 22. September 2026 Claude Opus 5.5 gestartet, zu 4 US-Dollar Eingabe und 20 US-Dollar Ausgabe je Million Token, 20 Prozent unter Opus 5. Im unabhängigen Intelligence Index von Artificial Analysis steht das Modell auf Platz eins, fünf Punkte vor GPT-6 Astra und Claude Fable 5.1. OpenAI hat am selben Tag GPT-6 Sol zu 2 und 10 US-Dollar sowie GPT-6 Luna zu 0,10 und 0,50 US-Dollar freigegeben. Sol bleibt im Index auf dem Niveau des Vorgängers, eine Index-Aufgabe kostet aber nur noch 1,06 statt 1,99 US-Dollar. Opus 5.5 verbraucht auf der höchsten Rechenstufe deutlich mehr Token als Opus 5, die Ersparnis hängt deshalb an der gewählten Stufe. Stand: 23. September 2026.

Was Claude Opus 5.5 und GPT-6 Sol im Monat kosten

Anthropic setzt Opus 5.5 auf genau den Preis, den OpenAI bisher als Aktionspreis für GPT-5.6 Sol verlangt hat: 4 US-Dollar je Million Eingabe-Token, 20 US-Dollar je Million Ausgabe-Token. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 0,20 US-Dollar statt 0,50 bei Opus 5. OpenAI hat diesen Gleichstand noch am selben Abend aufgelöst und die Preise für Sol halbiert. Rechnet man die 90 Prozent Cache-Rabatt von OpenAI auf den neuen Sol-Preis um, kosten wiederholt gelesene Eingaben bei beiden Anbietern 0,20 US-Dollar je Million Token.

Wir rechnen wie im Überblick zu GPT-6 Astra mit einem festen Vorgang: 100.000 Token Eingabe plus 20.000 Token Ausgabe, etwa ein Vertragsstapel mit anschließender Zusammenfassung, 200-mal im Monat.

ModellEingabe je 1 Mio. TokenAusgabe je 1 Mio. Token200 Vorgänge im Monat
Claude Fable 5.110,00 USD (8,57 €)50,00 USD (42,85 €)400 USD (343 €)
Claude Opus 55,00 USD (4,28 €)25,00 USD (21,42 €)200 USD (171 €)
Claude Opus 5.54,00 USD (3,43 €)20,00 USD (17,14 €)160 USD (137 €)
GPT-6 Sol2,00 USD (1,71 €)10,00 USD (8,57 €)80 USD (69 €)
GPT-6 Luna0,10 USD (0,09 €)0,50 USD (0,43 €)4 USD (3 €)

Eigene Rechnung zum Normaltarif ohne Zwischenspeicher. Umrechnung mit dem EZB-Referenzkurs von 1,1669 US-Dollar je Euro (Stand 26. August 2026).

Bei gleicher Token-Menge spart der Wechsel von Opus 5 auf Opus 5.5 rund 34 Euro im Monat, der Wechsel auf Sol rund 103 Euro. Die Tabelle unterstellt allerdings, dass jedes Modell für dieselbe Aufgabe gleich viele Token schreibt. Genau das stimmt nicht.

Token-Verbrauch: wo die Ersparnis von Opus 5.5 kippt

Anthropic wirbt damit, dass Opus 5.5 auf einer typischen Arbeitslast 40 Prozent weniger kostet als Opus 5. Die Preisliste gibt nur 20 Prozent her. Den Rest soll die Standardstufe liefern: Opus 5.5 kennt fünf Rechenstufen von niedrig bis maximal, und schon die mittlere schlägt laut Anthropic auf vielen Tests die höchste Stufe von Opus 5.

Auf der höchsten Stufe dreht sich das Bild. Artificial Analysis hat gezählt, wie viele Ausgabe-Token die Modelle je Aufgabe im eigenen Index schreiben: rund 119.000 bei Opus 5.5, rund 73.000 bei Opus 5, rund 78.000 bei Fable 5.1 und rund 27.000 bei GPT-6 Astra. Nach unserer Rechnung kostet allein die Ausgabe damit je Aufgabe rund 2,38 US-Dollar bei Opus 5.5 und rund 1,83 US-Dollar bei Opus 5. Wer Opus 5.5 pauschal auf maximal stellt, zahlt pro Aufgabe also etwa 30 Prozent mehr als vorher, trotz niedrigerer Preisliste. Dazu kommt: Das Mitdenken lässt sich bei Opus 5.5 nicht mehr abschalten, Denk-Token werden immer mitberechnet.

GPT-6 Sol schreibt im selben Index rund 31.000 Ausgabe-Token je Aufgabe, 2.000 mehr als der Vorgänger. Artificial Analysis beziffert die Kosten je Index-Aufgabe mit 1,06 US-Dollar statt 1,99.

Was das konkret bedeutet: Bevor ihr Opus 5.5 in bestehende Abläufe einsetzt, legt die Rechenstufe je Ablauf fest. Mittlere Stufe als Standard, hohe oder maximale Stufe nur dort, wo ein Testlauf mit zehn echten Fällen einen sichtbaren Qualitätsunterschied zeigt. Wie sich das technisch einrichten lässt, steht in unserer Anleitung zum Modell-Routing.

Was die Messwerte hergeben

Im unabhängigen Intelligence Index steht Opus 5.5 seit gestern auf Platz eins, fünf Punkte vor GPT-6 Astra und Claude Fable 5.1, die gleichauf stehen. Anthropic selbst meldet deutliche Sprünge bei Agenten-Aufgaben: 66,4 Prozent auf Terminal-Bench 4.0 gegenüber 52,3 Prozent bei Opus 5, 40,0 Prozent auf AutomationBench gegenüber 26,9 Prozent. Beim Arbeitsergebnis im Büroalltag, gemessen mit GDPval-AA, steigt der Wert von 1.708 auf 1.846 Elo-Punkte. Artificial Analysis bestätigt die 1.846 Punkte in der eigenen Messung.

Bei GPT-6 Sol ist die Leistungsseite dünner. Der Indexwert bewegt sich gegenüber GPT-5.6 Sol kaum. Klar verbessert hat sich die Zuverlässigkeit: In der Faktenprüfung AA-Omniscience sinkt der Anteil erfundener Antworten von 92 auf 60 Prozent. Für Abläufe, in denen das Modell Zahlen aus Dokumenten zieht, ist das der wichtigere Fortschritt.

Vorsicht bei Tabellen, die Anbieter gegeneinander stellen. Auf dem Computer-Nutzungstest OSWorld 2.0 gibt Anthropic für Opus 5 einen Wert von 74,0 Prozent an. OpenAI nennt für dasselbe Modell auf mittlerer Stufe 60,3 Prozent und stellt dem 60,5 Prozent von Sol gegenüber. Beide Zahlen stammen von den Herstellern, mit unterschiedlichem Testaufbau. Vergleichbar sind nur Werte aus derselben unabhängigen Messung.

Claude Sonnet 5.5 und Claude Haiku 5.5 folgen in den kommenden Wochen, mit vielen derselben Verbesserungen bei Leistung, Effizienz und Sicherheit.

Anthropic, Ankündigung von Claude Opus 5.5, 22. September 2026 (übersetzt)

Zugang, Abos und Datenschutz

Opus 5.5 steht in den Claude-Abos Pro, Max, Team und Enterprise bereit, in der Schnittstelle als claude-opus-5-5 und über AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry. Die Nutzungsgrenzen im Fünf-Stunden-Fenster hat Anthropic für diese Abos angehoben. Eine Betriebsart ohne Datenspeicherung bietet Anthropic an. Eine europäische Datenzone erwähnt die Ankündigung nicht, und für Microsoft Foundry fehlt sie bisher ebenfalls. Wie Claude grundsätzlich im Unternehmen einzuordnen ist, fasst unsere Claude-Übersicht zusammen.

GPT-6 Sol und Luna laufen in ChatGPT Work und Codex für Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu, in der Schnittstelle als gpt-6-sol und gpt-6-luna. Nutzer der Tarife Free und Go können Luna in der Desktop-App testen. Einen Termin für die Abschaltung der GPT-5.6-Modelle hat OpenAI nicht genannt, wer Abläufe auf gpt-5.6-sol betreibt, muss also nicht sofort umstellen. Die Umstellung spart aber ab dem ersten Aufruf die Hälfte, denn der Preis von GPT-5.6 Sol war ohnehin nur ein Aktionspreis. Was die Vorgängergeneration konnte, steht in unserem Überblick zu GPT-5.6 Sol, Terra und Luna.

Bleibt die Frage, was aus dem bisherigen Vergleich wird. Wer im Sommer zwischen Claude Opus 5 und Fable 5 abgewogen hat, hat jetzt eine einfachere Lage: Opus 5.5 erreicht im unabhängigen Index mehr als Fable 5.1 und kostet 40 Prozent davon. Für neue Projekte gibt es kaum noch einen Grund, Fable 5.1 zu buchen.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Opus 5.5 führt den unabhängigen Index an und kostet 20 Prozent weniger je Token, spart aber nur bei bewusst gewählter Rechenstufe, auf maximaler Stufe wird es je Aufgabe teurer als Opus 5. GPT-6 Sol halbiert den Preis bei gleicher Leistung wie der Vorgänger und ist für Routine in großer Menge die günstigere Wahl.

Der nächste Schritt für diese Woche: Nehmt euren teuersten KI-Ablauf, lasst zehn echte Fälle einmal mit Opus 5.5 auf mittlerer Stufe und einmal mit GPT-6 Sol laufen und vergleicht Ergebnis und Token-Verbrauch im Abrechnungsprotokoll. Mit unserem Claude-Kostenrechner lässt sich das Ergebnis auf den Monat hochrechnen.

Häufige Fragen

Was kostet Claude Opus 5.5?

In der Programmierschnittstelle 4 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 20 US-Dollar je Million Ausgabe-Token, 20 Prozent weniger als Opus 5 mit 5 und 25 US-Dollar. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 0,20 US-Dollar statt 0,50, das Schreiben in den Zwischenspeicher 5 US-Dollar. Der Schnellmodus kostet 8 und 40 US-Dollar. Zum EZB-Kurs von 1,1669 US-Dollar je Euro sind das rund 3,43 Euro Eingabe und 17,14 Euro Ausgabe. In den Abos Pro, Max, Team und Enterprise ist das Modell ohne Aufpreis enthalten.

Was kostet GPT-6 Sol und was GPT-6 Luna?

GPT-6 Sol kostet 2 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar je Million Ausgabe-Token, die Hälfte des bisherigen Aktionspreises von GPT-5.6 Sol. GPT-6 Luna kostet 0,10 und 0,50 US-Dollar. Zwischengespeicherte Eingaben rechnet OpenAI mit 90 Prozent Rabatt ab. In ChatGPT stehen beide Modelle seit dem 22. September in Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bereit, Free und Go bekommen Luna in der Desktop-App.

Ist Claude Opus 5.5 besser als GPT-6 Sol?

Im unabhängigen Intelligence Index von Artificial Analysis liegt Opus 5.5 auf Platz eins, fünf Punkte vor GPT-6 Astra und Claude Fable 5.1. GPT-6 Sol bleibt dort auf dem Niveau seines Vorgängers GPT-5.6 Sol. Dafür kostet eine Index-Aufgabe mit Sol nur noch 1,06 US-Dollar. Für schwere Analyse- und Programmieraufgaben spricht mehr für Opus 5.5, für Routine in großer Menge mehr für Sol oder Luna.

Wird Claude mit Opus 5.5 wirklich 40 Prozent günstiger?

Die Token-Preise sinken um 20 Prozent. Die 40 Prozent, die Anthropic nennt, beziehen sich auf eine typische Arbeitslast, bei der Opus 5.5 auf der Standardstufe weniger Token verbraucht als Opus 5 auf höchster Stufe. Auf der höchsten Stufe braucht Opus 5.5 laut Artificial Analysis rund 119.000 Ausgabe-Token je Index-Aufgabe gegenüber rund 73.000 bei Opus 5. Allein die Ausgabe kostet dann rund 2,38 statt 1,83 US-Dollar. Die Ersparnis hängt also an der gewählten Rechenstufe.

Quellen & Referenzen

  • Anthropic: Ankündigung von Claude Opus 5.5 mit Preisen, Rechenstufen, Benchmarks und Verfügbarkeit. anthropic.com
  • Artificial Analysis: Messung von Claude Opus 5.5 im Intelligence Index mit Token-Verbrauch je Aufgabe und Cache-Preisen. artificialanalysis.ai
  • Artificial Analysis: Messung von GPT-6 Sol und Luna mit Kosten je Aufgabe und Halluzinationsraten. artificialanalysis.ai
  • OpenAI Developer Community: Ankündigung von GPT-6 Sol und GPT-6 Luna in Schnittstelle, Codex und ChatGPT. community.openai.com
  • VentureBeat: Preise von GPT-6 Sol und Luna sowie die von OpenAI veröffentlichten Vergleichswerte gegen Claude. venturebeat.com
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.