GPT-4.5 ist seit dem 26. Juni aus ChatGPT verschwunden. Am selben Tag kündigte OpenAI die GPT-5.6-Modellreihe an: drei Varianten für unterschiedliche Ansprüche und Budgets. Was ihr jetzt wissen müsst und welches Modell für welchen Zweck taugt.

OpenAI-Chatbot-Oberfläche auf dem Smartphone: Die GPT-5.6-Modellreihe bringt drei Leistungsstufen für unterschiedliche Budgets und Anwendungsfälle. Foto: Sanket Mishra auf Pexels
GPT-4.5 ist seit dem 26. Juni weg
OpenAI hatte die Abkündigung bereits am 28. Mai angekündigt und eine 30-tägige Übergangszeit eingeräumt. Wer diese Frist ignoriert hat, wurde am 26. Juni überrascht: ChatGPT öffnet ab sofort keine GPT-4.5-Konversationen mehr. Bestehende Gespräche laufen automatisch mit GPT-5.5 weiter.
Für API-Kunden gilt: Die API ist davon (noch) nicht betroffen. Wer GPT-4.5 über die OpenAI-API nutzt, kann vorerst weitermachen. Aber die Richtung ist klar. Wer heute noch auf ein abgekündigtes Modell setzt, baut auf einem Fundament mit Ablaufdatum.
Intern wechseln viele Unternehmen längst auf GPT-5.5, das seit Frühjahr die Hauptlast in ChatGPT trägt. GPT-5.6 ist die Fortsetzung dieses Wegs, jetzt mit drei verschiedenen Leistungsstufen.
Sol, Terra, Luna: Drei Modelle für drei Anwendungsprofile
OpenAI hat die GPT-5.6-Familie bewusst in drei Varianten aufgeteilt. Der Grund ist ökonomisch: Nicht jede Aufgabe braucht das teuerste Modell.
Sol ist das Flaggschiff. OpenAI positioniert es als stärkste Variante für anspruchsvolle Aufgaben in Bereichen wie Programmierung, Biowissenschaften und Cybersecurity. Der Preis: fünf Dollar pro Million Input-Token, dreißig Dollar pro Million Output-Token. Für die meisten KMU-Anwendungen wäre das überdimensioniert.
Terra ist die Allrounder-Variante. OpenAI vergleicht die Leistung mit GPT-5.5, nennt aber die Hälfte des Preises: 2,50 Dollar für Input, 15 Dollar für Output (je Million Token). Das ist der Slot, den viele mittelständische Teams für Texterstellung, Kundenservice-Drafts oder interne Recherche interessant finden dürfte.
Luna ist für hohe Volumina gebaut: schnell, billig, gut genug für repetitive Aufgaben. 1 Dollar für Input, 6 Dollar für Output. Wer viele kurze Anfragen automatisiert, etwa in Dokumenten-Workflows oder bei der Verarbeitung von Kundenanfragen, findet hier seinen Slot.
”Sol ist das leistungsstärkste Modell, das wir je gebaut haben. Terra und Luna machen GPT-5.6-Qualität für Anwendungsfälle zugänglich, bei denen Kosten und Geschwindigkeit zählen.”
— OpenAI, Ankündigung GPT-5.6, 26. Juni 2026
Noch nicht für alle: Wer bekommt GPT-5.6 zuerst?
Der Launch vom 26. Juni war technisch ein limitierter Preview. Rund 20 Partnerorganisationen haben als erste Zugang erhalten. OpenAI nennt das Programm “vertrauenswürdige API-Partner”. Wann genau der allgemeine Zugang folgt, steht nicht fest. OpenAI spricht von “den kommenden Wochen”.
Das bedeutet: Direkt buchbar ist GPT-5.6 heute noch nicht. Wer jetzt plant, kann sich schon mal informieren, welches der drei Modelle zu seinen Workflows passen würde. Den richtigen Moment abzupassen ist dabei keine Kunst: OpenAI schickt Ankündigungen per E-Mail und in der ChatGPT-App.
Warum drei Modelle und nicht eins?
Das Dreier-Muster ist eine direkte Antwort auf den Markt. Anthropic hat eine ähnliche Struktur mit Haiku, Sonnet und Opus; Google baut Gemini in Flash- und Pro-Varianten aus. OpenAI zieht nach.
Der Vorteil für Unternehmen: Ihr könnt künftig feingranularer steuern, was ihr ausgebt. Luna für den E-Mail-Assistent, Terra für den Sales-Brief-Generator, Sol nur dann, wenn es wirklich auf Tiefe ankommt. In der Praxis wird das für viele Teams bedeuten, dass sie ihre Kostenbasis senken können, wenn sie bisher pauschal das teuerste Modell genutzt haben.
Ein Punkt, den wir bei solchen Launches immer mitdenken: Die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter ist real. Multi-Provider-Strategien für den Mittelstand werden bei drei neuen Modellen nicht unwichtiger. Wer heute auf Sol setzt und morgen eine Preisanpassung bekommt, will eine Alternative parat haben.
Vergleiche lohnen sich jetzt mehr denn je. Anthropics aktueller Stand nach der US-Sperre und das GPT-5.5-Launch-Protokoll zeigen, wie schnell sich das Feld dreht. Wer Prompt Engineering ordentlich beherrscht, kann im Übrigen mit Terra oder Luna ähnliche Ergebnisse wie mit teureren Modellen erzielen.
Häufige Fragen
Was passiert mit meinen bestehenden ChatGPT-Gesprächen in GPT-4.5?
Bestehende Konversationen werden von OpenAI automatisch auf GPT-5.5 migriert. Ihr verliert keine Daten oder Gesprächshistorie. Neue Gespräche starten ab sofort standardmäßig mit GPT-5.5, bis GPT-5.6 allgemein verfügbar ist.
Welches GPT-5.6-Modell passt für typische Mittelstands-Anwendungsfälle?
Terra ist der empfohlene Startpunkt. Es bietet laut OpenAI vergleichbare Leistung zu GPT-5.5, aber zum halben Preis. Für einfache, wiederkehrende Aufgaben wie E-Mail-Drafts oder Formulierungshilfen reicht Luna meist aus und ist nochmals günstiger. Sol braucht ihr nur für hochspezialisierte Aufgaben, etwa komplexe Code-Analyse oder wissenschaftliche Auswertungen.
Wann kann ich GPT-5.6 tatsächlich buchen?
Derzeit läuft ein limitierter Preview mit rund 20 Partner-Organisationen. OpenAI hat für “die kommenden Wochen” einen allgemeinen Rollout angekündigt, ohne konkretes Datum. Den aktuellen Stand findet ihr unter platform.openai.com im Changelog-Bereich oder über den OpenAI-Newsletter.
Quellen & Referenzen
- OpenAI: Ankündigung GPT-5.6 Sol/Terra/Luna als limitierter Preview, 26. Juni 2026. openai.com
- OpenAI Help Center: Retirement of GPT-4.5 aus ChatGPT und Custom GPTs, Stand 26. Juni 2026. help.openai.com
- VentureBeat: OpenAI unveils GPT-5.6 Sol, Terra and Luna — but only accessible to limited preview partners for now, 26. Juni 2026. venturebeat.com
- Axios: OpenAI GPT Sol, Terra, Luna — pricing and access details, 26. Juni 2026. axios.com