Sieben von zehn Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten schulen ihr Personal inzwischen im Umgang mit KI. Trotzdem halten zwei Drittel die KI-Kompetenz ihrer Leute für gering, so die im September 2026 veröffentlichte Bitkom-Befragung. Dieser Leitfaden zeigt, wie du eine KI-Schulung für Mitarbeiter als Programm nach Rollen aufbaust: mit Stundenbudget, einer klaren Linie zwischen intern und extern und einem Plan für die Wochen, in denen sich zeigt, ob das Gelernte im Alltag ankommt.

Ob eine Schulung hängen bleibt, zeigt sich in den Wochen danach am Arbeitsplatz. Foto: LinkedIn Sales Navigator auf Pexels
Warum ein Schulungstag allein selten hängen bleibt
Die aktuellen Zahlen aus Deutschland zeigen das Muster. Bitkom Research hat zwischen den Kalenderwochen 28 und 33 telefonisch 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt, veröffentlicht am 14. September 2026. 57 Prozent setzen KI ein, vor einem Jahr waren es 36 Prozent. 70 Prozent schulen ihre Beschäftigten im Umgang damit: 11 Prozent alle, 22 Prozent einen Großteil, 37 Prozent ausgewählte Leute. 25 Prozent schulen gar nicht, im Vorjahr waren es noch 43 Prozent. Und trotzdem schätzen 66 Prozent der Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten als gering ein, nur 28 Prozent als hoch.
Zwischen „wir schulen“ und „unsere Leute können es“ liegt also eine Lücke. Einen Hinweis, woran das hängt, liefert die internationale Studie „AI at Work“ der Boston Consulting Group. In der Ausgabe vom Juni 2025 mit gut 10.600 Befragten schreibt BCG, die regelmäßige Nutzung liege bei Beschäftigten deutlich höher, die mindestens fünf Stunden Schulung bekommen und Zugang zu Präsenztraining und Coaching haben. Nur ein Drittel sagte damals, ausreichend geschult worden zu sein. In der Ausgabe vom Juni 2026 mit 11.749 Befragten in 14 Märkten, darunter Deutschland, steht derselbe Wert: 36 Prozent fühlen sich ausreichend weitergebildet. Gleichzeitig sagen 72 Prozent, die Anforderungen an ihre Fähigkeiten hätten sich verschoben.
Die EU-Kommission beschreibt das Problem von der anderen Seite. In ihren Antworten zur KI-Kompetenz schreibt sie, es könne in vielen Fällen wirkungslos sein, sich auf die Gebrauchsanweisung der KI-Systeme zu verlassen oder die Beschäftigten zu bitten, sie zu lesen. Für die Planung heißt das: Stunden, Übung am eigenen Fall und eine Begleitung danach. Ein Foliensatz mit Unterschriftenliste erledigt vielleicht eine Formalie, im Arbeitsalltag kommt davon wenig an.
Was die neue Fassung von Artikel 4 für die Planung bedeutet
Seit der Digital-Omnibus-Verordnung zur KI, Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27. Juli 2026, verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung von Anbietern und Betreibern, also von jedem Betrieb, der KI-Werkzeuge dienstlich nutzt, Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ihres Personals. Ein bestimmtes Kompetenzniveau müssen sie für niemanden garantieren. Was das für Pflicht, Bußgeld und Nachweis heißt, haben wir im Beitrag zur KI-Schulungspflicht nach Artikel 4 aufgeschlüsselt. Für die Frage, wie du ein Programm baust, zählt ein anderer Teil des Satzes.
… wobei ihre technischen Kenntnisse, ihre Erfahrung, ihre Aus- und Fortbildung und der Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden sollen, sowie die Personen oder Personengruppen, bei denen die KI-Systeme eingesetzt werden sollen, zu berücksichtigen sind.
Artikel 4 Absatz 1 KI-Verordnung in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744, Stand 07.10.2026
Der Gesetzgeber zählt damit die Merkmale auf, nach denen sich die Menschen in deinem Betrieb unterscheiden: technische Kenntnisse, Erfahrung, Aus- und Fortbildung und den Kontext, in dem sie ein Werkzeug einsetzen, dazu die Personen, bei denen es eingesetzt wird. Die EU-Kommission bestätigt in ihren Antworten, dass unterschiedliche Schulungsstufen angemessen sein können, und schreibt, es gebe bei der KI-Kompetenz kein Einheitsmodell und keine Pflichtschulungen. Als Minimum empfiehlt sie vier Schritte: ein allgemeines Verständnis von KI im Unternehmen, Klarheit über die eigene Rolle als Anbieter oder Betreiber, einen Blick auf das Risiko der eingesetzten Systeme und darauf aufbauend zugeschnittene Maßnahmen. Auch wer ChatGPT nur für Werbetexte oder Übersetzungen nutzen lässt, fällt laut Kommission darunter; die Beschäftigten sollen dann etwa über Halluzinationen Bescheid wissen.
Das Gesetz schreibt dir also kein Curriculum vor, es verlangt eine Unterscheidung. Eine Rollen-Matrix ist die einfachste Form, diese Unterscheidung sichtbar zu machen.
Neun Ratgeberseiten geprüft: was fehlt
Für diesen Artikel haben wir am 7. Oktober 2026 die neun bestplatzierten Google-Ergebnisse zu „KI-Schulung für Mitarbeiter“ im Volltext gelesen und auf feste Prüfpunkte durchsucht. Eine Seite, computerweekly.com, war am Prüftag gesperrt und wurde in der archivierten Fassung vom 8. Mai 2026 gelesen. Fünf der neun Seiten wurden nach dem 27. Juli 2026 veröffentlicht oder geändert.
| Prüfpunkt | Treffer |
|---|---|
| Nennt die seit 27.07.2026 geltende Fassung von Artikel 4 | 0 von 9 |
| Gibt den überholten Maßstab einer „ausreichenden“ KI-Kompetenz als geltendes Recht wieder | 3 von 9 |
| Liefert ein Programm nach Rollen oder Abteilungen | 2 von 9 |
| Nennt Stunden pro Rolle | 0 von 9 |
| Erwähnt den Betriebsrat oder das BetrVG | 0 von 9 |
| Sagt konkret, was in die Dokumentation gehört | 0 von 9 |
| Beantwortet, welche KI-Kurse kostenlos ein Zertifikat bieten | 0 von 9 |
| Ist erkennbar Verkaufstext für ein eigenes Kurs- oder Tool-Angebot | 8 von 9 |
Dass Anbieter über ihre eigenen Kurse schreiben, ist legitim, wir tun das mit unseren Workshops auch. Auffällig ist, wo die Seiten aufhören. Die meisten erklären, warum Schulung wichtig ist, und brechen dort ab, wo es für einen Geschäftsführer konkret wird: wer wie viel Zeit braucht und wer mitreden darf. Was nach dem Kurs passiert, beschreiben nur drei der neun ausführlich. Diese Lücken füllt der Rest dieses Leitfadens.
Die Programm-Blaupause: sechs Rollen, sechs Lernziele
Die folgende Matrix ist ein Startpunkt für einen Betrieb mit 20 bis 250 Beschäftigten. Die Stundenwerte sind unsere Planungsgrößen, keine gesetzliche Vorgabe. Sie sind so gesetzt, dass jede Person, die regelmäßig mit KI arbeiten soll, im ersten Quartal auf mindestens fünf Stunden kommt, die Schwelle aus der BCG-Studie 2025. Fachanwender landen mit Abteilungsmodul und Nachtermin bei sieben Stunden.
| Rolle | Lernziel | Format | Umfang im ersten Quartal |
|---|---|---|---|
| Basis: alle, die dienstlich mit KI arbeiten, auch Aushilfen und Freelancer | wissen, was das Werkzeug mit Eingaben macht und wo es danebenliegt; welche Daten hinein dürfen; die Regeln der KI-Richtlinie | Präsenz oder live online, mit einer Übung am eigenen Fall | 2 Stunden |
| Fachanwender je Abteilung: Vertrieb, Marketing, Assistenz, Einkauf, Buchhaltung | drei bis fünf wiederkehrende Aufgaben der Abteilung mit KI erledigen und das Ergebnis prüfen | Workshop an echten Aufgaben, Nachtermin nach zwei Wochen | 4 Stunden plus 1 Stunde Nachtermin |
| Führungskräfte und Geschäftsführung | Einsatzfälle bewerten, Prüfroutinen festlegen, Regeln vorleben, Budget entscheiden | eigene Gruppe, kompakt | 3 Stunden |
| Personalabteilung und alle, die über Menschen entscheiden | Grenzen von KI bei Personalentscheidungen, menschliche Aufsicht über Systeme, die als hochriskant gelten | Präsenz mit Fallbeispielen | 4 Stunden |
| KI-Champions, eine Person je Abteilung | Vorlagen pflegen, Kolleginnen und Kollegen beraten, neue Anwendungsfälle bauen | ein bis zwei Tage Vertiefung, danach feste Sprechstunde | 8 bis 16 Stunden |
| IT und Datenschutz | Konten und Rechte, Protokollierung, Auftragsverarbeitung, Freigabe neuer Werkzeuge | Fachschulung, oft beim Anbieter des Werkzeugs | je nach Werkzeug |
Das Basismodul ist das einzige, das wirklich alle betrifft. Es klärt, was mit einer Eingabe passiert, wie man eine falsche Antwort erkennt und welche Datenklassen in welches Werkzeug dürfen. Die Grundlage dafür ist eure interne KI-Richtlinie; ohne sie bleibt die Schulung bei Allgemeinplätzen. Wer noch nicht festgelegt hat, welche KI-Tools ihr datenschutzkonform einsetzen dürft, sollte das vor der ersten Runde tun, sonst schult ihr auf ein Werkzeug, das später wieder verschwindet. Freelancer und Agenturen gehören in diese Runde: Artikel 4 erfasst ausdrücklich auch andere Personen, die in deinem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind.
Die Abteilungsmodule sind der Teil, in dem der Nutzen entsteht. Jede Abteilung bringt drei bis fünf Aufgaben mit, die jede Woche anfallen, im Vertrieb etwa das Angebot nach dem Erstgespräch, in der Buchhaltung die Rückfrage zu einer Rechnung, im Einkauf der Vergleich mehrerer Lieferantenangebote. Im Workshop werden genau diese Aufgaben mit dem freigegebenen Werkzeug gelöst, und die besten Lösungen landen als Vorlage in einer gemeinsamen Sammlung. Der Nachtermin nach zwei Wochen klärt, was im Alltag funktioniert hat und wo es hakt.
Führungskräfte brauchen weniger Bedienwissen und mehr Urteilsvermögen. Welche Aufgaben eignen sich, wie prüft man ein KI-Ergebnis stichprobenartig, was passiert, wenn ein Fehler beim Kunden ankommt. Eine eigene Runde lohnt auch wegen der Vorbildwirkung. In der BCG-Studie 2025 nutzten mehr als drei Viertel der Führungskräfte und Manager generative KI mehrmals pro Woche, bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung stagnierte der Wert bei 51 Prozent. Wer als Chef zeigt, wie er selbst mit dem Werkzeug arbeitet und wo er ihm misstraut, macht den anderen den Einstieg leichter.
Die Personalabteilung bekommt ein eigenes Modul, weil die Kompetenzfrage hier härter wird. KI-Systeme, die bei der Einstellung oder Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern eingesetzt werden, zählen nach Anhang III der KI-Verordnung zu den Hochrisiko-Systemen. Für sie verlangt Artikel 26 Absatz 2, die menschliche Aufsicht Personen zu übertragen, „die über die erforderliche Kompetenz, Ausbildung und Befugnis verfügen“. Diese Pflicht gilt für Anhang-III-Systeme nach dem Omnibus ab dem 2. Dezember 2027 und steht, anders als Artikel 4, im Bußgeldkatalog. Wer heute ein Bewerbermanagement mit KI-Vorauswahl testet, schult die Verantwortlichen besser jetzt als 2027 unter Zeitdruck.
KI-Champions sind eine Person je Abteilung, die tiefer einsteigt, Vorlagen pflegt und den Kolleginnen und Kollegen eine feste Anlaufstelle bietet. Im 30-Tage-Rollout-Plan für Claude haben wir beschrieben, wie diese Ansprechpartner aus der Pilotgruppe in die einzelnen Abteilungen wandern. Die Rolle braucht Zeit im Kalender, sonst bleibt sie ein Titel.
Intern oder extern: wann sich ein Trainer lohnt
Die Bundesnetzagentur schreibt auf ihrer Seite zur KI-Kompetenz knapp, die Maßnahmen könnten „sowohl intern als auch extern durchgeführt werden“. Eine Zertifizierungspflicht gibt es nicht. Die Frage ist also eine wirtschaftliche, und sie lässt sich meist sauber trennen.
Intern funktioniert gut:
- die Einweisung in ein Werkzeug, das ihr schon ausgewählt und eingerichtet habt
- Abteilungsrunden, die ein Champion mit den eigenen Aufgaben des Teams leitet
- die Schulung zur eigenen KI-Richtlinie, weil niemand sie besser kennt als die Leute, die sie geschrieben haben
- Sprechstunde und Monatsrunde nach dem Start
Ein externer Trainer lohnt sich, wenn intern niemand den Überblick über mehrere Werkzeuge hat, wenn die Champions selbst erst ausgebildet werden müssen, wenn Führungskräfte ein Format ohne eigene Mitarbeiter im Raum brauchen oder wenn Personal- und Rechtsfragen dazukommen, die ihr nicht aus eigener Erfahrung beantworten könnt. Naheliegend ist eine Mischung: extern für den Start und die Champions, intern für alles, was danach kommt.
Zum Vergleich der Kosten: Unsere KI-Workshops mit Festpreis kosten netto 1.290 Euro für einen halben Tag, 2.490 Euro für einen Praxistag und 4.490 Euro für zwei Tage, jeweils pro Gruppe mit bis zu acht Teilnehmenden, beim Zweitagesformat bis zu sechs. Ein voll besetzter Praxistag liegt damit bei gut 311 Euro netto pro Person. Im Bitkom-Vergleich ist Schulung ohnehin selten der große Kostenblock: Nur 19 Prozent der KI-Anwender nennen sie als hohen Kostenpunkt, Infrastruktur nennen 51 Prozent und die Aufbereitung von Daten 50 Prozent.
Steuerlich ist die Sache für die Beschäftigten einfach. Paragraf 3 Nummer 19 EStG stellt Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers steuerfrei, die der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit dienen, solange sie keinen überwiegenden Belohnungscharakter haben. Öffentliche Förderung hilft bei kurzen Formaten dagegen selten: Die Weiterbildungsförderung für Beschäftigte nach Paragraf 82 SGB III setzt unter anderem eine Maßnahme von mehr als 120 Stunden bei einem zugelassenen Träger voraus.
Teure Lehrgänge und Rückzahlungsklauseln
Bezahlst du einer Mitarbeiterin einen mehrwöchigen Zertifikatslehrgang für mehrere tausend Euro, liegt eine Rückzahlungsklausel nahe. Das Bundesarbeitsgericht setzt dafür enge Grenzen. Eine Klausel darf die Rückzahlung nicht pauschal an jede Eigenkündigung innerhalb der Bindungsfrist knüpfen, sie muss nach dem Grund des Ausscheidens unterscheiden (Urteil vom 1. März 2022, 9 AZR 260/21). Ist sie unwirksam, fällt sie ersatzlos weg; eine Kürzung auf das gerade noch zulässige Maß gibt es nicht. Im Urteil vom 21. Oktober 2025 (9 AZR 266/24) scheiterte eine Klausel über 24 Monate an der mehrdeutigen Formulierung „aus von der Arbeitnehmerin zu vertretenden Gründen“. Lass solche Klauseln vor der Unterschrift prüfen. Für einen Workshoptag lohnt sich der Aufwand kaum.
Die 90 Tage nach der Schulung entscheiden
Viele Programme enden mit dem Workshop; von den neun geprüften Ratgeberseiten beschreiben nur drei ausführlich, wie das Gelernte im Alltag verankert wird. Die Bundesnetzagentur empfiehlt dagegen eine regelmäßige Evaluation der Maßnahmen und eine Auffrischung nach Bedarf. Praktisch heißt das, die Begleitung nach dem Workshop genauso zu planen wie den Workshop selbst. Diese Bausteine gehören in den Plan:
- Erste Woche: Jede Person übernimmt eine Aufgabe aus dem Workshop in den Alltag und notiert, was funktioniert hat.
- Eine gemeinsame Vorlagensammlung je Abteilung, gepflegt von den Champions. Als Startpunkt eignet sich unsere Prompt-Bibliothek; wie ihr Vorlagen im Team wiederverwendet, steht im Beitrag zur Prompt-Bibliothek auf Deutsch.
- Sprechstunde der Champions, 30 Minuten pro Woche zu einem festen Termin, damit Fragen nicht im Flur hängen bleiben.
- Eine Stunde im Monat, in der das Team zeigt, was es mit den Werkzeugen gebaut hat, auch die Versuche, die gescheitert sind. Warum dieses Format mehr bringt als ein weiterer Seminartag, hat Florian in einer Brainwave zur KI-Nutzung ohne Schulung beschrieben. Die Mitschrift ist gleichzeitig Teil eures Nachweises.
- Auffrischung bei jedem neuen Werkzeug und bei größeren Modellwechseln, statt stur einmal im Jahr.
- Messung auf Teamebene: Anzahl der Anwendungsfälle, die im Betrieb laufen, und die Zeit pro Aufgabe vor und nach der Einführung.
Der letzte Punkt hat eine rechtliche Seite. Technische Einrichtungen, die objektiv geeignet sind, Verhaltens- oder Leistungsdaten einzelner Beschäftigter zu erheben, fallen unter Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG; auf eine Überwachungsabsicht kommt es nach dem Bundesarbeitsgericht nicht an (Beschluss vom 13. Dezember 2016, 1 ABR 7/15). Zahlen auf Teamebene beantworten die Frage, ob das Programm wirkt, und senken dieses Risiko, solange sich die Werte nicht auf Einzelne zurückführen lassen. Erfasst das Werkzeug selbst Nutzungsdaten je Person, ist der Betriebsrat ohnehin zu beteiligen.
Betriebsrat: lieber am Anfang als in der Einigungsstelle
In Betrieben mit Betriebsrat ist die KI-Schulung kein reines Arbeitgeberprojekt. Das Betriebsverfassungsgesetz greift an mehreren Stellen, und keine der neun geprüften Ratgeberseiten erwähnt eine davon:
- Unterrichtung nach Paragraf 90 Absatz 1 Nummer 3: Planst du Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufe einschließlich des Einsatzes von KI, musst du den Betriebsrat rechtzeitig und mit den nötigen Unterlagen unterrichten.
- Bildungsbedarf, Paragraf 96 Absatz 1 und 1a: Auf Verlangen des Betriebsrats ermittelst du den Berufsbildungsbedarf und berätst mit ihm. Kommt keine Einigung über Maßnahmen zustande, kann jede Seite die Einigungsstelle um Vermittlung anrufen.
- Mitbestimmung bei veränderter Tätigkeit, Paragraf 97 Absatz 2: Ändert sich durch eine Maßnahme des Arbeitgebers die Tätigkeit so, dass die Kenntnisse der Beschäftigten nicht mehr ausreichen, bestimmt der Betriebsrat bei der Einführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen mit. Ohne Einigung entscheidet die Einigungsstelle. Die Einführung eines KI-Werkzeugs kann genau dieser Fall sein.
- Durchführung und Teilnehmende, Paragraf 98 Absatz 1 und 3: Der Betriebsrat bestimmt bei der Durchführung mit und darf vorschlagen, wer teilnimmt.
- Sachverständige, Paragraf 80 Absatz 3: Muss der Betriebsrat die Einführung oder Anwendung von KI beurteilen, gilt die Hinzuziehung eines Sachverständigen als erforderlich.
Paragraf 97 Absatz 2 ist der schärfste dieser Punkte. Er gibt dem Betriebsrat ein eigenes Mitbestimmungsrecht bei der Einführung von Qualifizierung, sobald eine Maßnahme des Arbeitgebers die Tätigkeit so verändert, dass die Kenntnisse der Beschäftigten für ihre Aufgaben nicht mehr ausreichen. Wer das Programm aus der Matrix oben früh vorlegt, beantwortet damit bereits die Fragen, über die der Betriebsrat nach den Paragrafen 96 bis 98 beraten und mitbestimmen kann.
KI-Schulung mit Zertifikat: was es gibt und wofür du es brauchst
Für Artikel 4 brauchst du kein Zertifikat. Die EU-Kommission schreibt wörtlich: „There is no need for a certificate. Organisations can keep an internal record of trainings and/or other guiding initiatives.“ Die Bundesnetzagentur sieht es genauso. Sinnvoll sind Zertifikate trotzdem, etwa für Champions, die sich tiefer einarbeiten, oder als Anerkennung für Beschäftigte, die sich weiterentwickeln wollen.
Die Antwort auf die häufige Frage nach kostenlosen Kursen mit Zertifikat steht in dieser Übersicht, Stand 7. Oktober 2026:
| Kurs | Kosten | Sprache | Nachweis |
|---|---|---|---|
| KI-Campus (Lernplattform, unter anderem mit dem Kurs „EU AI Act Essentials“) | kostenlos | Deutsch | Teilnahmebestätigung ab 50 Prozent abgerufener Inhalte, Leistungsnachweis ab 60 Prozent der Punkte |
| Elements of AI (Universität Helsinki und MinnaLearn) | kostenlos | Deutsch | Teilnahmebescheinigung, wenn mindestens 90 Prozent der Übungen abgeschlossen und mindestens 50 Prozent richtig sind |
| Anthropic „AI Fluency: Framework & Foundations“ | kostenlos | Englisch | Abschlusszertifikat nach einer Abschlussprüfung |
| Google AI Essentials (über Coursera) | in den USA und Kanada 49 US-Dollar im Monat nach 7 Tagen Testphase, in anderen Ländern abweichend | Englisch, die Kursseite zeigt eine deutsche KI-Synchronisation an | Zertifikat von Google nach fünf Kursen |
Für die Planung zählt die Dauer. Elements of AI hat sechs Kapitel, rechnet je Kapitel mit 5 bis 10 Stunden und empfiehlt, sich sechs Wochen als Ziel zu setzen. Das ist für interessierte Einzelne gut investierte Zeit, für ein ganzes Team aber zu viel Theorie und zu wenig eigene Aufgabe. Der KI-Campus passt eher als Ergänzung zum Basismodul. Technische Zertifizierungen wie Microsofts Azure-KI-Grundlagen richten sich an IT-Leute: Microsoft hat die Prüfung AI-900 am 30. Juni 2026 eingestellt, und für die Nachfolgeprüfung AI-901 erwartet Microsoft Learn Kenntnisse in Python. Mehrwöchige Zertifikatslehrgänge wie bei der IHK sind eine eigene Entscheidung für einzelne Beschäftigte mit Projektverantwortung, kein Ersatz für ein Programm im ganzen Betrieb.
Als nächsten Schritt nimm die Matrix oben und trag für jede Rolle die Namen ein, die bei euch dazugehören. Danach weißt du, wie viele Stunden das erste Quartal kostet und welche Module ihr selbst stemmen könnt. Für den Start und die Ausbildung eurer Champions sprich uns an, wir planen das Programm gern mit dir.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden KI-Schulung brauchen Mitarbeiter?
Eine gesetzliche Mindeststundenzahl gibt es nicht, weder in Artikel 4 der KI-Verordnung noch in den Antworten der EU-Kommission zur KI-Kompetenz. Als Planungsgröße empfehlen wir zwei Stunden Basismodul für alle, die dienstlich mit KI arbeiten, plus ein Abteilungsmodul von vier Stunden an echten Aufgaben und einen Nachtermin von einer Stunde. Damit kommen Fachanwender auf sieben Stunden und alle, die regelmäßig mit KI arbeiten sollen, auf mindestens fünf. Ab dieser Schwelle lag die regelmäßige Nutzung in der BCG-Studie „AI at Work“ 2025 deutlich höher, wenn Präsenztraining und Coaching dazukamen.
Was kostet eine KI-Schulung für Mitarbeiter?
Ein großer Posten ist die Arbeitszeit der Teilnehmenden, also die Stunden aus dem Programm mal euer interner Stundensatz. Externe Workshops kommen dazu. Bei Collective Brain kostet ein halber Tag 1.290 Euro, ein Praxistag 2.490 Euro und das zweitägige Intensivformat 4.490 Euro, jeweils als Festpreis pro Gruppe, netto zuzüglich Umsatzsteuer. Für die Beschäftigten bleibt eine vom Arbeitgeber bezahlte Weiterbildung, die ihrer Beschäftigungsfähigkeit dient und keinen überwiegenden Belohnungscharakter hat, nach Paragraf 3 Nummer 19 EStG steuerfrei.
Gibt es kostenlose KI-Kurse mit Zertifikat?
Ja. Der KI-Campus bietet alle seine Lernangebote kostenlos an, mit einer Teilnahmebestätigung ab 50 Prozent abgerufener Inhalte und einem Leistungsnachweis ab 60 Prozent der Punkte in den bewerteten Aufgaben. Elements of AI von der Universität Helsinki und MinnaLearn ist ebenfalls kostenlos und auf Deutsch verfügbar; die Teilnahmebescheinigung gibt es, wenn mindestens 90 Prozent der Übungen abgeschlossen und mindestens 50 Prozent richtig sind. Anthropic bietet den englischsprachigen Kurs „AI Fluency: Framework & Foundations“ kostenlos mit Abschlusszertifikat an. Für Artikel 4 der KI-Verordnung braucht ihr allerdings gar kein Zertifikat.
Reicht ein Online-Kurs als KI-Schulung für das ganze Team?
Als Einstieg kann er reichen, als Programm selten. Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt, Vorwissen, Erfahrung, Ausbildung und Einsatzkontext zu berücksichtigen, und die EU-Kommission schreibt, es könne in vielen Fällen wirkungslos sein, sich nur auf Gebrauchsanweisungen zu verlassen. Ein allgemeiner Kurs erklärt KI, kennt aber eure Werkzeuge, eure Datenregeln und eure Aufgaben nicht. Kombiniere ihn mit einem kurzen internen Modul zu eurer KI-Richtlinie und mit Übungen an echten Fällen aus der Abteilung.
Kann der Betriebsrat eine KI-Schulung verlangen?
In bestimmten Fällen ja. Nach Paragraf 97 Absatz 2 BetrVG bestimmt der Betriebsrat bei der Einführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen mit, wenn der Arbeitgeber Maßnahmen plant oder durchführt, durch die sich die Tätigkeit der Beschäftigten so ändert, dass ihre Kenntnisse für die Aufgaben nicht mehr ausreichen. Einigen sich beide Seiten nicht, entscheidet die Einigungsstelle. Die Einführung eines KI-Werkzeugs kann so ein Fall sein. Außerdem muss der Arbeitgeber nach Paragraf 96 auf Verlangen des Betriebsrats den Berufsbildungsbedarf ermitteln und mit ihm beraten.
Darf ich Schulungskosten zurückfordern, wenn jemand kündigt?
Nur mit einer wirksamen Rückzahlungsklausel, und die Hürden sind hoch. Das Bundesarbeitsgericht lässt nicht zu, die Rückzahlung pauschal an jede Eigenkündigung innerhalb der Bindungsfrist zu knüpfen; die Klausel muss nach dem Grund des Ausscheidens unterscheiden (Urteil vom 1. März 2022, 9 AZR 260/21). Eine unwirksame Klausel fällt ersatzlos weg. Mehrdeutige Formulierungen gehen zulasten des Arbeitgebers, so das Urteil vom 21. Oktober 2025 (9 AZR 266/24). Bei teuren Zertifikatslehrgängen lohnt eine anwaltliche Prüfung vor der Unterschrift, bei einem Workshoptag kaum.
Quellen & Referenzen
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI), Amtsblatt vom 24.07.2026: Neufassung von Artikel 4 und geänderte Geltungstermine. eur-lex.europa.eu
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung): Artikel 3 Nummer 56, Artikel 26 Absatz 2, Artikel 99, Anhang III. eur-lex.europa.eu
- EU-Kommission: AI Literacy, Questions & Answers, letzte Aktualisierung 27.07.2026. digital-strategy.ec.europa.eu
- Bundesnetzagentur: KI-Kompetenz nach Artikel 4, Hinweise zu Bedarf, Maßnahmen und Dokumentation. bundesnetzagentur.de
- Bitkom: Presseinformation vom 14.09.2026, Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten zu KI-Einsatz und Schulung. bitkom.org
- Boston Consulting Group: AI at Work 2025, Momentum Builds, but Gaps Remain (Juni 2025). bcg.com
- Boston Consulting Group: AI at Work, Why Strategy Matters More Than Tools (Juni 2026). bcg.com
- Betriebsverfassungsgesetz, Paragraf 97 (Einrichtungen und Maßnahmen der Berufsbildung). gesetze-im-internet.de
- Betriebsverfassungsgesetz, Paragraf 96 (Förderung der Berufsbildung). gesetze-im-internet.de
- Betriebsverfassungsgesetz, Paragraf 98 (Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen). gesetze-im-internet.de
- Betriebsverfassungsgesetz, Paragraf 90 (Unterrichtungs- und Beratungsrechte, Einsatz von KI). gesetze-im-internet.de
- Betriebsverfassungsgesetz, Paragraf 80 Absatz 3 (Sachverständige bei KI). gesetze-im-internet.de
- Betriebsverfassungsgesetz, Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 (technische Einrichtungen zur Überwachung). gesetze-im-internet.de
- Einkommensteuergesetz, Paragraf 3 Nummer 19 (Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers). gesetze-im-internet.de
- Sozialgesetzbuch III, Paragraf 82 (Förderung beschäftigter Arbeitnehmer). gesetze-im-internet.de
- Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 01.03.2022, 9 AZR 260/21, Rückzahlung von Fortbildungskosten. bundesarbeitsgericht.de
- Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 21.10.2025, 9 AZR 266/24, mehrdeutige Rückzahlungsklausel. bundesarbeitsgericht.de
- Bundesarbeitsgericht: Beschluss vom 13.12.2016, 1 ABR 7/15, technische Einrichtungen nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG. bundesarbeitsgericht.de
- KI-Campus: Häufige Fragen zu Kosten, Teilnahmebestätigung und Leistungsnachweis. ki-campus.org
- Elements of AI: Bewertung und Bedingungen für die Teilnahmebescheinigung. elementsofai.de
- Elements of AI: empfohlene Dauer und Aufwand je Kapitel. elementsofai.de
- Anthropic Academy: AI Fluency, Framework & Foundations. anthropic.skilljar.com
- Coursera: Google AI Essentials, Kursseite mit Preis und Zertifikat. coursera.org
- Microsoft Learn: Prüfung AI-900, Einstellung zum 30.06.2026 und Nachfolger AI-901. learn.microsoft.com
- Microsoft Learn: Zertifizierung Azure-KI-Grundlagen, Voraussetzungen für AI-901. learn.microsoft.com