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97 Prozent der Firmen nutzen KI, 37 Prozent schulen dafür. Am Donnerstag habe ich in unsere eigene Richtlinie geschaut.

Am Donnerstagabend habe ich unsere KI-Richtlinie aufgemacht, die seit dem Frühjahr in unserem Repository liegt. Vier Seiten, sauber sortiert, jede Entscheidung begründet. Wer sie zuletzt gelesen hat, konnte ich nicht sagen.

Leerer Schulungsraum mit Stuhlreihen, Wasserflaschen auf den Tischen und einem Bildschirm mit Diagrammen

Der Raum ist gebucht, die Flaschen stehen. Für KI hat ihn in zwei Dritteln der Firmen noch niemand aufgeschlossen. Foto: RDNE Stock project auf Pexels

Mein Take: Der AI Leaders Council hat für seine Talent-Studie 2026 über neun Monate hinweg Organisationen in Nordamerika befragt. 97 Prozent setzen KI in irgendeiner Form ein, im Januar waren es 87. Vollständig im Unternehmen verankert ist sie bei 3 Prozent. Schulungen bieten 37 Prozent an, eine definierte Personalstrategie für das Thema fehlt bei 33 Prozent, und 4 Prozent wollen dafür jemanden von außen holen. Der Rollout ist gelaufen. Die Qualifikation dazu hat in den meisten Firmen nie stattgefunden, und seit dem 2. August sitzt in Deutschland eine Behörde, die nachfragen darf.

Zwischen 97 und 3 liegt die eigentliche Arbeit

Die Zahlen stammen aus der 2026 Corporate AI Talent Study, die diese Woche veröffentlicht wurde. Sie läuft als Reihe: Januar bis September, dieselbe Frage, dieselbe Grundgesamtheit. Die Nutzungslinie ist in neun Monaten um zehn Punkte gestiegen, von 87 auf 97 Prozent.

Die zweite Linie ist die interessante. Firmen, in denen KI durchgehend im Betrieb verankert ist, liegen bei 3 Prozent. Pilotprojekte gibt es reichlich, produktive Anwendungsfälle auch, und dann hört es auf. Diese Kurve kennst du aus jeder Digitalisierungswelle der letzten fünfzehn Jahre, nur läuft sie diesmal schneller, weil die Werkzeuge nichts kosten und niemanden fragen.

Dazwischen steht die Zeile, die mich am Donnerstag zu unserer eigenen Richtlinie geführt hat: 37 Prozent der befragten Organisationen bieten überhaupt eine KI-Schulung an. Ein Drittel hat keine definierte Strategie dafür, wer im Haus dieses Thema eigentlich können soll. Für Deutschland zeigt Bitkom Research mit 604 befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten ein ähnliches Bild: 43 Prozent bieten keine KI-Weiterbildung an, 8 Prozent schulen alle Beschäftigten, 25 Prozent nur ausgewählte.

Warum mich die 4 Prozent mehr beschäftigen als die 3

In derselben Studie sagen 37 Prozent, dass sie bestehende Rollen umbauen wollen. 51 Prozent erwarten keine nennenswerten Stellenstreichungen, 6 Prozent rechnen mit Abbau. Und 4 Prozent planen, dafür externe KI-Fachleute einzustellen.

Rechne das zusammen, und du hast die Antwort auf die Frage, wer das im Betrieb macht: die Leute, die schon da sind. Zusätzlich zu ihrem Job, ohne Titel, in zwei Dritteln der Fälle ohne eine einzige Stunde Anleitung.

Bei einem Kunden aus dem Anlagenbau habe ich im Juli genau diese Person kennengelernt. Eine Kollegin aus dem Vertriebsinnendienst, die sich vor über einem Jahr aus Neugier einen Zugang geholt und daraus einen Ablauf gebaut hat, mit dem heute drei Leute ihre Angebotstexte schreiben. Das Ding funktioniert. In ihrer Stellenbeschreibung steht davon nichts, geschult hat sie niemand, eine Vertretung gibt es nicht. Als ich fragte, was passiert, wenn sie im Oktober vier Wochen weg ist, wurde es im Raum kurz still.

Die Werkzeuge hat der Einkauf verteilt. Die Verantwortung dafür trägt jemand, den nie jemand gefragt hat.

Die Stunde, die bei uns ab Montag im Kalender steht

Aus dem Donnerstagabend sind drei Dinge geworden, die ab dieser Woche bei uns laufen und die dich zusammen wenig kosten.

Erstens eine Stunde im Monat, fester Termin, in der die Leute zeigen, was sie mit den Werkzeugen gebaut haben, inklusive der zwei Sachen, die danebengingen. Ein Tagesseminar bringt dir weniger, weil dort niemand über die eigenen Fehler spricht. Wichtig ist die Mitschrift: Datum, Thema, Teilnehmerliste. Sie kostet fünf Minuten und ist später dein Nachweis.

Zweitens ein Name im Organigramm. Wer im Haus faktisch für die KI-Werkzeuge zuständig ist, bekommt das schriftlich, plus eine Vertretung. Das kostet keine Gehaltsrunde und beendet die Situation, in der die halbe Abteilung von einem Zugang abhängt, den niemand verantwortet.

Drittens die Richtlinie selbst. Bei uns lag sie ein halbes Jahr ungelesen im Repository, was sie zu einem Dokument für den Prüfer machte statt zu einer Arbeitsgrundlage. Welche Entscheidungen darin überhaupt getroffen sein müssen, haben wir in unserer KI-Richtlinie für Unternehmen aufgeschrieben. Wer den Schritt davor noch vor sich hat, findet den zeitlichen Rahmen im 30-Tage-Rollout-Plan, in dem die Schulung eine eigene Woche bekommt.

Praktischer Hebel: Setz eine Stunde im Monat an, in der deine Leute zeigen, was sie mit den KI-Werkzeugen gemacht haben, und schreib Datum und Teilnehmerliste mit. Das ist die günstigste Weiterbildung, die du bekommst, und gleichzeitig dein Nachweis.

Der Nachweis, den seit August jemand sehen will

Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt seit dem 2. Februar 2025, dass Unternehmen für ausreichende KI-Kompetenz der Menschen sorgen, die diese Systeme in ihrem Auftrag bedienen. Die Vorschrift ist bewusst offen gehalten, sie schreibt weder Stundenzahl noch Lehrplan vor. Ein eigenes Bußgeld für eine versäumte Schulung steht auch nicht im Sanktionskatalog des Artikels 99.

Deshalb hat die Regel zwei Jahre lang kaum jemanden interessiert, mich eingeschlossen. Seit dem 2. August 2026 ist in Deutschland die Bundesnetzagentur die Marktüberwachungsbehörde für KI, und seither zählt Artikel 4 als das, was er immer war: die Frage, die dir gestellt wird, wenn etwas anderes schiefgegangen ist. Eine fehlende Kennzeichnung nach Artikel 50, ein Datensatz im falschen Werkzeug, ein Text mit einer erfundenen Zahl, der beim Kunden ankommt. In dem Gespräch entscheidet die Teilnehmerliste darüber, ob du organisiert warst oder Glück hattest.

Unsere Richtlinie ist gut, und sie hat trotzdem ein halbes Jahr nichts bewirkt, weil wir nie den Termin gemacht haben, an dem jemand sie erklärt. Das ist der Teil, den ich mir selbst ankreide. Der erste Termin steht jetzt, er dauert eine Stunde, und die Liste dazu führe ich.

In zwei Sätzen: 97 Prozent der Firmen nutzen KI, 37 Prozent schulen dafür, 3 Prozent haben sie im Betrieb verankert, und Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt die Kompetenz bereits seit Februar 2025. Trag eine Stunde im Monat ein, schreib mit, wer da war, und setz den Namen der zuständigen Person ins Organigramm.
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.