Am Dienstagnachmittag lief bei uns eine Auswertung, die sonst gut vierzig Minuten braucht. Nach zwanzig Minuten blieb sie stehen, und auf dem Bildschirm lag ein Hinweis auf ein Zeitfenster, von dem ich bis dahin nichts wusste.

Fünf Stunden klingen nach viel, bis der Zähler mitten in einem Vorgang bei null steht. Foto: Suki Lee auf Pexels
Fünf Stunden, die mitwandern
Thibault Sottiaux, bei OpenAI zuständig für Codex und ChatGPT Work, hat die Änderung am Montag auf X angekündigt, wirksam seit Dienstag. Plus-Konten laufen damit wieder gegen zwei Decken gleichzeitig. Die eine ist das Wochenkontingent, das es vorher schon gab. Die andere ist ein Fenster von fünf Stunden, das mit jeder Nutzung mitwandert und danach wieder auffüllt.
Die Begründung war technisch und gut nachvollziehbar. Das kurze Fenster glättet die Last auf der Rechenkapazität und verhindert, dass einzelne Nutzer ihr Wochenkontingent in einer einzigen Sitzung verbrennen. Beides leuchtet mir ein. Bei OpenAI ist das eine Frage der Auslastung. In deinem Haus kommt es als Frage nach einem Termin an.
Für die Einordnung hilft ein Blick auf die Tarifleiter, so wie sie inzwischen dasteht. Plus kostet 20 Dollar im Monat. Pro für 100 Dollar liefert nach OpenAIs eigener Beschreibung das fünffache Kontingent von Plus, Pro für 200 Dollar das zwanzigfache. Die Modellauswahl ist auf allen drei Stufen praktisch identisch.
Was der Aufpreis inzwischen kauft
Zwei Jahre lang war die Tariffrage eine Modellfrage. Wer mehr zahlte, bekam das stärkere Modell, und wer sparte, arbeitete mit der kleineren Version. Diese Zeit ist vorbei. Heute stehen auf allen drei Stufen dieselben Namen, und der Unterschied zwischen 20 und 200 Dollar ist eine Zahl über dem Durchsatz. Der obere Tarif ist damit weniger ein Produktpaket als ein Liefervertrag.
Das klingt nach einer Feinheit für Einkäufer. In der Praxis entscheidet es, ob ein Ablauf hält. Bei einem Kunden aus der technischen Dokumentation haben wir im Juli genau diesen Fehler eingebaut. Der Ablauf war sauber gedacht: Ein Mensch wirft am Morgen einen Stapel Prüfberichte hinein, das Modell zieht die Kennwerte heraus, ein zweiter Mensch gibt frei. Vier bezahlte Sitze, alles dokumentiert, der Betriebsrat war eingebunden. Am ersten Tag mit dem vollen Stapel aus dem Sommergeschäft blieb der Ablauf um kurz nach elf stehen. Die Prompts waren in Ordnung, die Daten waren in Ordnung, das Kontingent eines Sitzes war aufgebraucht. Die Freigabe rutschte auf den Folgetag, und zwei Liefertermine rutschten mit. Die Rechnung war in diesem Monat um keinen Cent höher.
Ein Sitz kauft dir Zugang. Einen Liefertermin kauft er nicht.
Genau das macht die Meldung vom Montag größer, als sie aussieht. Ein Anbieter kann die Decke über einem laufenden Abo enger ziehen, ohne den Preis anzufassen und ohne dass in irgendeinem Vertrag etwas Falsches steht. Du merkst es an dem Tag, an dem du die Kapazität wirklich brauchst, also an deinem schwersten Tag im Monat.
Der Test, der zwanzig Minuten dauert
Nimm die zwei oder drei Abläufe im Haus, an denen ein Termin hängt, also die Stellen, an denen ein Kunde oder ein Kollege auf ein Ergebnis wartet. Schreib für jeden auf, über welchen Tarif er läuft und welche Decken auf diesem Tarif liegen. Bei den meisten Firmen, mit denen ich das durchgehe, ist die zweite Spalte leer, weil die Grenzen nie jemand nachgelesen hat.
Dann rechne den Verbrauch für den schwersten Tag im Monat durch, nicht für den Durchschnittstag. Ein Ablauf, der an vierzig Prüfberichten hält und an hundertzwanzig kippt, ist an vierzig Prüfberichten nicht getestet. Wenn du dabei merkst, dass der Puffer dünn ist, hast du zwei Wege. Der teure Weg ist die nächste Tarifstufe, die dir dieselben Modelle mit mehr Luft verkauft. Der ruhigere Weg ist eine Abrechnung nach Verbrauch über die Schnittstelle, wo keine Uhr dazwischengeht und du für jeden Vorgang zahlst, den du auch wirklich anstößt. Wie sich das im Alltag anfühlt, steht in unserem Überblick zu Usage Credits, die Tarifstufen im Vergleich haben wir in Business oder Enterprise aufgeschrieben.
Warum ich OpenAI hier trotzdem verstehe
Rechenkapazität ist endlich, und das Fenster ist eine der wenigen Stellschrauben, mit denen sich Last verteilen lässt, ohne an den Preis zu gehen. Zwanzig Dollar für Plus stehen seit drei Jahren unverändert da, während das Produkt erheblich gewachsen ist. Vor zwei Wochen habe ich hier darüber geschrieben, dass Anthropic sich für zwanzig Jahre an ein Kraftwerk bindet, während unsere Verträge zum Monatsende kündbar sind. Wer Kapazität über zwei Jahrzehnte einkauft, muss sie kurzfristig zuteilen. Die Schwankung wandert nach unten durch, und unten stehen wir.
Der Denkfehler in dem Projekt oben war meiner. Ich habe monatelang auf Modellqualität geschaut, auf Prompts, auf Freigabewege, und die verfügbare Kapazität für eine Konstante gehalten, weil sie sich in der täglichen Arbeit wie eine anfühlt. Am Sonntag habe ich hier geschrieben, dass fast niemand seine eigene Ausgabe pro Kopf kennt. Die zweite Zahl, die genauso wenige kennen, ist die Decke über dem Vorgang, an dem ihr Geld hängt. Meine kannte ich bis Dienstagnachmittag auch nicht.