Am Donnerstagabend lagen unsere KI-Rechnungen für Juli vor mir, daneben eine amerikanische Auswertung mit drei Zahlen. Zwei davon standen so weit auseinander, dass ich sie zweimal nachgerechnet habe.

Zwanzig Minuten mit den Belegen sagen mehr über deine KI-Nutzung als jede Adoptionsquote. Foto: Kaboompics.com auf Pexels
Die Zahl, auf die diese Woche keiner geschaut hat
Ramp wertet die Firmenkarten und Rechnungsläufe amerikanischer Unternehmen aus und veröffentlicht daraus monatlich einen KI-Index. Die Juli-Ausgabe kam am 12. August und lief unter dem Titel Cracks in the AI thesis. Durch die Fachpresse ging in dieser Woche vor allem der Anbieterteil: Anthropic erreicht 43,5 Prozent der amerikanischen Firmen und legt 1,1 Punkte zu, OpenAI kommt auf 39,7 Prozent und legt 0,23 Punkte zu.
Die interessanten Zeilen standen weiter unten. Im Juli gab der Median aller Firmen 11,95 Dollar pro Mitarbeiter und Monat für KI aus. Die oberen zehn Prozent gaben 650 Dollar aus. Das oberste Prozent gab 7.400 Dollar aus. Pro Mitarbeiter, pro Monat.
Ich habe an dieser Stelle aufgehört zu lesen und angefangen zu rechnen. 7.400 Dollar sind ungefähr zweiunddreißig ChatGPT-Pro-Abos. Für einen einzigen Mitarbeiter. Auch wenn du jedem Menschen im Haus den teuersten Plan kaufst, den es am Markt gibt, landest du bei 229 Dollar und damit im unteren Drittel der oberen zehn Prozent. Der Sprung an die Spitze lässt sich mit Lizenzen nicht kaufen.
Was 11,95 Dollar tatsächlich beschreibt
Umgekehrt gilt dasselbe. 11,95 Dollar pro Kopf sind gut die Hälfte eines ChatGPT-Plus-Sitzes. Übersetzt heißt das: In der Firma, die genau in der Mitte dieses Marktes liegt, hat ungefähr jeder Zweite einen bezahlten Chat-Zugang, und darüber hinaus passiert nichts. Kein Modell in einem Prozess, keine Schnittstelle, keine Verarbeitung im Hintergrund, kein Cent nach Verbrauch.
Diese Firma taucht in jeder Statistik als KI-nutzendes Unternehmen auf. Sie zählt bei Ramp zu den 43,5 Prozent, sie zählt beim ifo Institut zu den 54,5 Prozent, und beim Bitkom gehört sie zu den 41 Prozent. Dass zwei deutsche Erhebungen aus demselben Jahr dreizehn Punkte auseinanderliegen, zeigt schon, wie weich der gemessene Begriff ist. Sie messen, ob im Haus jemand ein Werkzeug angefasst hat. Über die Intensität sagen sie nichts, und Intensität ist die Größe, an der sich entscheidet, ob KI in deiner Firma eine Ausgabe oder ein Verfahren ist.
Bei einem Kunden aus dem Maschinenbau haben wir das im Juli aufgeschlüsselt. Rund 90 Beschäftigte, 34 gekaufte Lizenzen, sauber dokumentiert, Betriebsrat eingebunden, alles richtig gemacht. In der zweiten Zeile, also bei allem, was nach Verbrauch abgerechnet wird, stand eine Null. Das Unternehmen führte seit acht Monaten ein KI-Projekt, das nicht vorankam, und die Geschäftsführung suchte den Fehler bei den Mitarbeitern und deren Nutzungsdisziplin. Der Fehler stand in der Rechnung. Wer ausschließlich Sitze kauft, kauft Menschen, die schneller tippen. Er kauft keinen einzigen Vorgang, der ohne einen Menschen läuft.
Lizenzen machen deine Leute schneller. Den Prozess selbst rühren sie nicht an.
Deine eigene Zahl, heute Abend, zwanzig Minuten
Nimm einen abgeschlossenen Monat, zieh alle Rechnungen zusammen, die mit KI zu tun haben, und teil durch die Zahl der Beschäftigten. Bei uns waren das für Juli 1.180 Euro auf 21 Leute, also gut 56 Euro pro Kopf. Umgerechnet rund das Fünffache des Medians und etwa ein Zehntel dessen, was die oberen zehn Prozent ausgeben. Ich hätte uns vorher weiter vorne verortet.
Danach zerleg die Summe in zwei Zeilen. Zeile eins sind Sitze und Abos. Zeile zwei ist alles, was nach Verbrauch geht, also Schnittstellen, Automatisierungen, Verarbeitung im Hintergrund. Steht in Zeile zwei eine Null, hast du die Obergrenze dessen erreicht, was Lizenzen leisten können, und jeder weitere Sitz verschiebt daran nichts. Wie sich Verbrauchsabrechnung im Alltag anfühlt und wo sie unangenehm wird, haben wir im Überblick zu Usage Credits aufgeschrieben.
Warum die Spitze trotzdem kein Vorbild ist
Ramp hat seinen eigenen Bericht nicht ohne Grund über Risse in der KI-These geschrieben. Im selben Datensatz steht ein Befund, der die Spitzengruppe relativiert. Fable 5, aktuell das stärkste Modell am Markt, kam einen Monat nach dem Start auf 6 Prozent der Anthropic-Token und 11,4 Prozent der Anthropic-Ausgaben. Bei rund 10 Dollar je Million Token kostet es doppelt so viel wie GPT-5.6 Sol, und selbst die Firmen mit den größten Budgets kaufen dann lieber das Modell, das gerade eben ausreicht. Ein Markt, in dem Spitzenleistung sich nicht in Umsatz übersetzt, ist kein Markt, dessen Ausgabenführer man blind kopiert.
Dazu kommt der deutsche Befund, der mir im Kopf geblieben ist: Ein Drittel der Bitkom-Befragten mit KI im Einsatz meldet höhere Kosten als erwartet. Unsere 56 Euro pro Kopf kann ich nicht als richtige Zahl verteidigen, weil ich nicht weiß, wie die richtige Zahl aussieht. Vor drei Monaten habe ich hier über 95 Prozent ohne messbaren ROI geschrieben, und daran hat sich wenig geändert. Verteidigen lässt sich nur, dass die Zahl bei uns überhaupt existiert und dass ich sie in zwei Zeilen lesen kann. Bis Donnerstag konnte ich das nicht.