Am Dienstagmorgen lag in meinem Feed eine Meldung über einen Bitcoin-Miner aus Texas, und ich war schon am Weiterscrollen. Hängengeblieben bin ich an einer Zahl, die mit Bitcoin nichts zu tun hat: zwanzig Jahre.

Wer sich hier anschließen lässt, denkt nicht in Quartalen. Foto: Kris Møklebust auf Pexels
Zwei Meldungen, ein Zeitraum
Kurz die Fakten. Riot Platforms, bis vor Kurzem vor allem als Bitcoin-Miner bekannt, vermietet 191 Megawatt IT-Leistung in Rockdale. Die Kapazität kommt in zwei Tranchen: 96 Megawatt im Dezember 2027, weitere 95 im Juni 2028. Über die volle Laufzeit sind das 9,1 Milliarden Dollar, mit zwei Verlängerungsoptionen von je fünf Jahren rund 16,1 Milliarden. Die Riot-Aktie sprang am Meldungstag um über 20 Prozent. Den Mieter hat das Unternehmen selbst nicht genannt, Bloomberg nennt Anthropic.
Am 10. August hat Nvidia Absichtserklärungen mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR veröffentlicht. Über eigenständige Finanzierungsplattformen sollen mehr als 500 Milliarden Dollar Drittkapital in KI-Rechenzentren fließen. Zur Einordnung gehört dazu: Das Geld ist noch nicht geflossen, die endgültigen Verträge stehen aus. Trotzdem sagt die Konstruktion etwas. Wer Kreditlinien in dieser Größenordnung aufsetzt, rechnet nicht mit zwei guten Quartalen.
Das Datum, auf das keiner geschaut hat
An dem Riot-Vertrag ist mir etwas anderes hängengeblieben als die Milliardensumme: Dezember 2027. So lange dauert es, bis die erste Hälfte dieser Kapazität überhaupt am Netz ist. Die zweite kommt ein halbes Jahr später. Im Umkehrschluss heißt das, die Rechenleistung, die den Preis stützt, den ich heute für Tokens bezahle, existiert noch gar nicht. Ich finanziere sie mit.
An sich ist das nichts Ungewöhnliches, so funktioniert Infrastruktur. Bei Strom und Glasfaser akzeptieren wir das seit Jahrzehnten. Nur unterschreiben wir dort auch Verträge mit Laufzeit. In der KI zahlen wir Infrastrukturpreise und bekommen dafür Software-Kündigungsfristen. Diese Asymmetrie fühlt sich als Kunde gut an, und ich glaube inzwischen, dass sie in die falsche Richtung wirkt.
Ich zahle für ein Rechenzentrum, das im Dezember 2027 ans Netz geht, und darf jeden Monat kündigen. Nur eine der beiden Seiten plant hier.
Was ich vergangene Woche in unseren eigenen Verträgen gefunden habe
Vergangene Woche habe ich für die Halbjahresplanung aufgeschrieben, welche KI-Dienste bei uns unter Vertrag stehen. Es sind sieben. Alle sieben monatlich kündbar, keiner mit Preisbindung, sechs davon auf Kreditkarte. Auf dem Papier bin ich damit maximal beweglich. Praktisch hängen an zwei dieser Dienste vierzehn Monate Arbeit: Prompts, die wir für unsere Textsorten kalibriert haben, ein Freigabeprozess, den unsere Leute im Schlaf können, zwei Kundenprojekte mit Abnahmekriterien, die auf das Verhalten eines bestimmten Modells zugeschnitten sind. Die Kündigungsfrist beträgt dreißig Tage. Der tatsächliche Wechsel würde uns ein Quartal kosten.
Bei einem Kunden im Frühjahr habe ich dieselbe Rechnung in größer gesehen. Maschinenbauer, gut 300 Leute, KI-gestützte Angebotserstellung, monatlicher Vertrag über ein paar tausend Euro. Auf die Frage, was bei einer Preiserhöhung von vierzig Prozent passiert, kam eine ruhige Antwort: dann kündigen wir. Auf die Nachfrage, wer dann die Angebote schreibt, kam keine.
Zwei Sachen habe ich seitdem geändert. Für unsere beiden kritischen Dienste habe ich den Ernstfall einmal geprobt und Prompts, Trainingsbeispiele und Freigabekriterien exportiert und in ein anderes Modell gekippt, um zu sehen, was übrig bleibt. Brauchbar war das Ergebnis, der Aufwand lag bei zwei Tagen. Und bei jeder Verlängerung frage ich jetzt nach einer Preisbindung über zwölf Monate, auch wenn sie ein paar hundert Euro extra kostet. Bei einem Anbieter ging das, bei zwei anderen nicht, und die Begründungen für das Nein waren aufschlussreicher als jeder Preis.
Wo ich mich selbst bremse
Man kann die zwei Meldungen als Blasenbeleg lesen. Absurde Summen, ein Bitcoin-Miner, der sich über Nacht zum Rechenzentrumsbetreiber erklärt, Investmentbanken, die Kreditpakete schnüren. Der Gedanke liegt nahe, ich halte ihn trotzdem für schwach. Wer eine Blase reitet, mietet kurz. Zwanzig Jahre Netzanschluss in Texas unterschreibt man, wenn man mit sehr langer Nachfrage rechnet und fürchtet, sonst gar keinen Strom mehr zu bekommen. Knapp ist in dieser Branche gerade der Netzanschluss, nicht der Chip.
Und aus dem Vertrag lässt sich nicht ablesen, wohin mein Preis läuft. Was Riot einnimmt, ist etwas anderes als das, was Anthropic pro Token kalkuliert. Fixe Stromkosten über zwanzig Jahre können einen Preis auch stabilisieren, das wäre die gute Variante. Sagen lässt sich nur: Der Anbieter hat seine Kostenseite für zwei Jahrzehnte festgezurrt, meine Einnahmenseite ist für dreißig Tage festgezurrt. Wer in dieser Aufstellung mehr Planungssicherheit hat, muss ich niemandem vorrechnen.
Ich habe Kunden jahrelang geraten, sich bei Software auf keinen Fall länger als ein Jahr zu binden. Für Software war das richtig. Was wir hier einkaufen, ist längst Infrastruktur, und den Unterschied habe ich zu spät gesehen. Wie sich diese Kostenseite bei einem Börsengang weiterdreht, habe ich im Juni am Anthropic-IPO durchgespielt.