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KI-Agent erstellen: welche Werkzeuge es gibt und wie du deinen ersten Agenten baust

Einen KI-Agenten erstellen können Fachabteilungen inzwischen ohne Programmierer: Claude, Microsoft Copilot Studio und n8n bringen Baukästen mit, für eigene Software gibt es Entwickler-Bibliotheken wie das Claude Agent SDK. Welches Werkzeug passt, hängt an deiner Ausgangslage. Hier findest du die Werkzeuge mit Preisstand vom 18. Oktober 2026, ein durchgehendes Beispiel aus dem Vertrieb und die Regeln, ohne die kein Agent etwas nach draußen schicken sollte.

Hand zeichnet mit violettem Marker einen Ablaufplan mit Pfeilen auf weißes Papier

Eine Hand skizziert mit einem Marker einen Ablaufplan auf Papier. Foto: ThisIsEngineering auf Pexels

KI-Agent erstellen in Kürze: Ein KI-Agent ist ein Sprachmodell mit Werkzeugen, das die Schritte zu einem Ziel selbst plant und ausführt. Für den ersten Agenten reichen Baukästen: Claude mit Projekten, Skills und geplanten Aufgaben ab 20 US-Dollar je Platz und Monat im Team-Plan bei Jahreszahlung, Copilot Studio für interne Agenten ohne Aufpreis, wenn deine Leute Microsoft-365-Copilot-Lizenzen haben, n8n selbst gehostet kostenlos oder in der Cloud ab 20 Euro im Monat. Wer programmiert, nimmt das Claude Agent SDK oder das OpenAI Agents SDK; den OpenAI Agent Builder schaltet OpenAI am 30. November 2026 ab. Wichtiger als das Werkzeug sind drei Regeln: eine eng geschnittene Aufgabe, eine menschliche Freigabe vor allem, was dein Haus verlässt, und ein Protokoll jedes Laufs. Stand: 18. Oktober 2026.

KI-Agent erstellen: was ein Agent ist und wann du keinen brauchst

Ein KI-Agent ist ein KI-System, das Aufgaben selbst ausführt: Es plant Schritte, nutzt Werkzeuge wie Postfach, Dateien oder Schnittstellen und arbeitet, bis das Ergebnis steht. Anthropic, der Hersteller von Claude, zieht in seinem Leitfaden „Building effective agents“ vom Dezember 2024 eine Linie, die bei der Planung hilft. Workflows sind Systeme, in denen Sprachmodell und Werkzeuge über fest vorgegebene Pfade laufen. Agenten steuern ihr Vorgehen und ihre Werkzeugnutzung dagegen selbst.

Für die Praxis heißt das: Vor dem Agenten stehen zwei einfachere Stufen, und oft reicht eine davon.

StufeWas passiertBeispielTypisches Werkzeug
Assistent mit FirmenwissenMitarbeiter fragt, KI antwortet aus hinterlegten DokumentenFragen zur ReisekostenrichtlinieClaude-Projekt, Copilot-Agent in Teams
Fester Ablauf mit KI-SchrittFeste Reihenfolge, KI erledigt einen Teil, etwa Zusammenfassen oder EinordnenEingangsrechnung auslesen und ins Buchhaltungspostfach sortierenn8n, Power Automate, Make
Agent mit WerkzeugzugriffKI entscheidet selbst, welche Werkzeuge sie in welcher Reihenfolge nutztAnfrage lesen, fehlende Angaben erkennen, passende Produkte suchen, Antwort entwerfenn8n mit AI-Agent-Node, Copilot Studio, Claude Agent SDK

Wer gleich die dritte Stufe baut, zahlt dafür: Agenten tauschen laut Anthropic häufig längere Antwortzeiten und höhere Kosten gegen bessere Ergebnisse. Das Marktforschungshaus Gartner erwartete im Juni 2025, dass bis Ende 2027 mehr als 40 Prozent der Projekte mit agentischer KI eingestellt werden, wegen steigender Kosten, unklarem Nutzen oder unzureichender Risikokontrollen. Wie viel Agenten heute tatsächlich leisten und wo sie scheitern, haben wir im Realitätscheck zu KI-Agenten im Mittelstand zusammengetragen.

„Wir empfehlen, die einfachste mögliche Lösung zu finden und die Komplexität nur dann zu erhöhen, wenn es nötig ist. Das kann bedeuten, gar keine agentischen Systeme zu bauen.“

— Anthropic, „Building effective agents“, 19. Dezember 2024 (übersetzt)

Die Werkzeuge im Überblick: Preise und Stand im Oktober 2026

Vier Wege decken die meisten Fälle im Mittelstand ab. Alle Preise sind Listenpreise ohne Steuer, Stand 18. Oktober 2026.

WerkzeugPasst zuPreisFreigabe vor AktionenDatenstandort
Claude mit Projekten, Skills und geplanten AufgabenWissensarbeit im Team, ohne IT-AbteilungTeam Standard 20 US-Dollar je Platz und Monat bei Jahreszahlung, 25 bei monatlicher; Pro 17 bzw. 20 US-DollarClaude fragt standardmäßig vor jeder Aktion nachSpeicherung in den USA
Microsoft Copilot StudioUnternehmen in Microsoft 365Interne Agenten ohne Aufpreis für Inhaber einer Microsoft-365-Copilot-Lizenz; sonst Paket mit 25.000 Credits für 173,30 Euro im Monat oder 0,01 US-Dollar je CreditRückfrage per Outlook in Agent Flows, mehrstufige Freigaben als VorschauRegion Deutschland wählbar (Berlin, Frankfurt)
n8n mit AI-Agent-NodeAgenten, die mehrere Systeme verbindenCommunity Edition selbst gehostet kostenlos; Cloud Starter 20 Euro im Monat (2.500 Ausführungen), Pro 50 Euro (10.000), jeweils bei Jahreszahlung; Modellkosten extraFreigabe je Werkzeug über Chat, Slack, Teams, Outlook und weitere KanäleCloud in Frankfurt, selbst gehostet nach eigener Wahl
Claude Agent SDKEigene Software, EntwicklerteamsBibliothek kostenlos, Abrechnung nach API-Tokens, etwa 2 bzw. 10 US-Dollar je Million Ein- und Ausgabe-Token mit Claude Sonnet 5.5Rechte je Werkzeug, Freigabe zur Laufzeit programmierbarAPI nur „global“ oder „us“, EU-Weg über Amazon Bedrock oder Google Cloud mit 10 Prozent Aufschlag

Claude: Projekte, Skills und geplante Aufgaben

Ein Claude-Projekt bündelt Anweisungen und Dateien zu einer Wissensbasis; in bezahlten Plänen schaltet Claude automatisch in einen Suchmodus, wenn das Projektwissen an die Grenze des Kontextfensters kommt, und erweitert die Kapazität so bis auf das Zehnfache. Ein Skill ist ein Ordner mit Anleitungen, Skripten und Ressourcen, den Claude bei Bedarf lädt, damit eine Aufgabe jedes Mal gleich erledigt wird. Skills gibt es in allen Plänen bis hinunter zu Free, sie setzen die eingeschaltete Code-Ausführung voraus. Hochgeladen wird ein Skill als ZIP-Datei unter „Customize > Skills“; wie man einen baut, steht in unserer Anleitung für eigene Claude Skills. Für die ganze Firma bereitstellen und Projekte im Team teilen geht nur in Team und Enterprise.

Zum Agenten wird das Ganze mit geplanten Aufgaben: Sie stehen in allen bezahlten Plänen bereit und laufen in Anthropics Cloud, also auch, wenn der Rechner schläft. Seit dem 16. September 2026 führt Anthropic den Chat und das bisherige Cowork zu einer Claude-App zusammen, zuerst für Pro und Max. Ein Haken für sensible Daten: Anthropic speichert in den USA. In Team und Enterprise trainiert Anthropic standardmäßig nicht mit deinen Daten, der Auftragsverarbeitungsvertrag mit EU-Standardvertragsklauseln ist Teil der kommerziellen Bedingungen. Mehr zum Einstieg auf unserer Seite Claude im Unternehmen.

Microsoft Copilot Studio

Für Häuser mit Microsoft 365 liegt Copilot Studio nahe, weil es an SharePoint, Teams und Outlook andockt. Wichtig ist die Lizenzfrage: Wer Microsoft 365 Copilot hat, baut und nutzt interne Agenten im Standard-Harness ohne Aufpreis. Für externe Kanäle wie die Website und für Nutzer ohne Copilot-Lizenz braucht es die eigene Copilot-Studio-Lizenz, abgerechnet in Credits: 2 je generativer Antwort, 5 je Agent-Aktion, 10 je Suche über den Microsoft Graph deines Tenants. Eine Besonderheit für Datenschutzbeauftragte: Modelle von Anthropic, die Microsoft in Microsoft 365 Copilot als Unterauftragsverarbeiter einbindet, sind laut Microsoft derzeit von der EU-Datengrenze ausgenommen. Klickpfade, Harnesses und Rechenbeispiele stehen in unserer Anleitung zu Copilot Studio.

n8n

n8n ist ein Werkzeug zur Prozessautomatisierung mit eigenem AI-Agent-Node: Er verbindet ein Sprachmodell mit Werkzeugen und entscheidet selbst, welches er aufruft; mindestens ein Werkzeug muss angeschlossen sein. Die Modellkosten kommen dazu: Mit eigenem API-Schlüssel zahlst du sie direkt beim KI-Anbieter deiner Wahl, in n8n Cloud Starter und Pro geht es auch über Gateway-Credits aus einem Guthaben, das du bei n8n vorab auflädst. Selbst gehostet ist die Community Edition kostenlos, solange nur dein Unternehmen Workflows baut und ändert; n8n als Dienst anzubieten, in dem Kunden eigene Workflows bauen, erlaubt die Lizenz nicht. In der kostenlosen Edition fehlen unter anderem Single Sign-on und das Teilen von Workflows und Zugangsdaten. Zwei Eigenheiten fürs Budget: Jede Nachricht an einen Chat-Agenten startet den Workflow neu und zählt als eigene Ausführung, und das Gedächtnis des Agenten endet ohne externen Speicher mit der Sitzung. Wie n8n gegen Make und Zapier abschneidet, steht in unserem Vergleich der No-Code-Automatisierung.

Claude Agent SDK und Managed Agents

Das Claude Agent SDK stellt die Werkzeuge, die Arbeitsschleife und das Kontextmanagement von Claude Code als Bibliothek für Python und TypeScript bereit. Das ist der Weg, wenn der Agent in eure eigene Software oder ein Kundenportal soll. Abgerechnet wird über einen API-Schlüssel nach Tokens. Wer einen Agenten an Kunden ausliefert, darf ihnen ohne Genehmigung von Anthropic keinen Login mit einem claude.ai-Abo anbieten. Wer Server und Sandbox nicht selbst betreiben will, kann Claude Managed Agents nutzen: Anthropic hostet dort Arbeitsschleife und Sandbox, berechnet werden Tokens plus 0,08 US-Dollar je Stunde aktiver Sitzung. Das Angebot ist eine Beta und läuft nicht über Partner-Clouds wie Bedrock; die Verarbeitung lässt sich damit nicht auf die EU festlegen.

Weitere Wege: OpenAI und Google

Vorsicht bei Anleitungen zum Agent Builder von OpenAI: OpenAI hat dessen Einstellung am 3. Juni 2026 angekündigt, am 30. November 2026 wird er abgeschaltet. Als Nachfolger nennt OpenAI das Agents SDK für Entwickler und die Workspace Agents in ChatGPT Business, Enterprise und Edu. Die Workspace Agents rechnet OpenAI seit dem 6. Mai 2026 in Credits ab; ein typischer Lauf mit GPT-5.6 verbrauchte laut OpenAI-Hilfe im September 2026 zwischen 5 und 25 Credits. Wie schnell OpenAI Funktionen wieder einsammelt, zeigt auch der abgeschaltete ChatGPT Agent. Google bietet in Gemini Enterprise den Workflow Builder für Agenten ohne Code, mit menschlichen Freigaben und zeitgesteuerten Läufen. Das Bauen eigener Agenten ist dort noch als Vorschau gekennzeichnet, ein Admin muss es freischalten, und als Speicherort lässt sich die EU wählen.

Welches Werkzeug zu deiner Ausgangslage passt

Die Lizenz, die du schon bezahlst, entscheidet oft mehr als jeder Funktionsvergleich.

Deine AusgangslageErster Agent mitWorauf du achtest
Microsoft 365, Copilot-Lizenzen vorhandenCopilot StudioOhne Aufpreis nur intern und nur für lizenzierte Nutzer
Google WorkspaceWorkflow Builder in Gemini EnterpriseVorschau-Status, Admin schaltet frei
Kein IT-Team, Aufgabe ist Wissensarbeit wie Berichte, Angebote nach Vorlage, RecherchenClaude Team mit Projekten und SkillsSpeicherung in den USA, keine personenbezogenen Kundendaten ohne Prüfung
Ablauf über mehrere Systeme: Postfach, Produktdaten, CRMn8nSelbsthosting braucht Server und Pflege, Cloud-Daten liegen in Frankfurt
Agent soll in eigene Software oder ein KundenportalClaude Agent SDK oder OpenAI Agents SDKProgrammierung, Betrieb und Rechte liegen bei euch

Die Werkzeuge greifen zunehmend über dieselbe Schnittstelle auf Firmensysteme zu, das Model Context Protocol. Was dabei sicher ist und was nicht, erklären wir im Beitrag MCP für Firmensysteme.

Was das konkret bedeutet: Prüfe vor jeder Werkzeugwahl, was in euren Lizenzen schon steckt. Mit Microsoft-365-Copilot-Lizenzen kostet ein interner Agent in Copilot Studio nichts extra, im Platzpreis von Claude Team sind Projekte, Skills und geplante Aufgaben enthalten. Ein neues Werkzeug lohnt sich erst, wenn der Agent Systeme verbinden muss, die eure Lizenzen nicht erreichen.

Beispiel: ein Anfrage-Agent für den Vertriebsinnendienst, Schritt für Schritt

Ein angenommener Fall: Die Muster Fördertechnik GmbH baut Förderbänder, im Vertriebsinnendienst gehen rund 40 Anfragen pro Woche an anfrage@ ein. Jede braucht Zeit, bis klar ist, ob Angaben fehlen und welche Baureihe passt. Der Agent soll das vorbereiten, die Antwort schickt weiter ein Mensch. Gebaut wird in n8n, weil Postfach, Produkttabelle und Freigabe zusammenkommen; als Modell dient Claude Sonnet 5.5 über die API.

1. Aufgabe eng schneiden. Der Agent liest jede neue Anfrage, prüft vier Pflichtangaben (Bandbreite, Förderlänge, Last pro Meter, Einsatzumgebung), gleicht vollständige Anfragen mit der Produkttabelle ab und legt einen Antwortentwurf an. Preise, Rabatte und Liefertermine sind tabu. Schreib das Ziel als Zahl auf, etwa: Vier von fünf Entwürfen gehen ohne Änderung raus.

2. Anweisungen schreiben. Die Anweisung ist die Stellenbeschreibung des Agenten. Sie muss so konkret sein, dass ein neuer Kollege damit arbeiten könnte:

Rolle: Assistenz im Vertriebsinnendienst der Muster Fördertechnik GmbH.
Aufgabe: Lies jede neue Anfrage. Prüfe, ob Bandbreite, Förderlänge,
Last pro Meter und Einsatzumgebung genannt sind.
Fehlt etwas: Entwurf einer Rückfrage mit genau den fehlenden Punkten.
Ist alles da: Suche in der Produkttabelle höchstens drei passende
Baureihen und entwirf eine Antwort.
Verboten: Preise, Rabatte, Liefertermine, Zusagen außerhalb der Tabelle.
Ton: Sie-Form, sachlich, höchstens 150 Wörter.

3. Werkzeuge mit knappen Rechten anschließen. Ein Auslöser reagiert auf neue Mails im Postfach, als Werkzeuge bekommt der Agent einen Lesezugriff auf die Produkttabelle und das Recht, Entwürfe anzulegen. Senden darf er zunächst gar nicht. Jedes Recht, das du weglässt, ist ein Fehler, der nicht passieren kann.

4. Freigabe einbauen. n8n kann vor einem bestimmten Werkzeug eine menschliche Freigabe verlangen: Der Workflow pausiert, bis jemand freigibt oder ablehnt. Kommt später ein Werkzeug „Antwort senden“ dazu, hängt es an dieser Freigabe, zum Beispiel per Nachricht in Microsoft Teams an die zuständige Innendienst-Kraft.

5. Mit echten Fällen testen. Nimm 30 abgeschlossene Anfragen aus dem Archiv, entferne Namen und Kontaktdaten und lass den Agenten darüber laufen. Vergleiche jeden Entwurf mit der tatsächlich verschickten Antwort. Erst wenn das Ziel aus Schritt 1 erreicht ist, kommt der Agent an das echte Postfach.

6. Betrieb festlegen. Eine Person ist fachlich verantwortlich und schaut einmal im Monat die Protokolle durch. Anweisungen und Testfälle liegen als Dateien bei euch, damit ein Modell- oder Werkzeugwechsel möglich bleibt. Nach jedem Modellwechsel laufen die 30 Testfälle erneut.

Dasselbe Muster funktioniert mit anderen Werkzeugen: In Copilot Studio übernimmt ein Agent Flow den Ablauf, mit Claude ein Projekt plus Skill, wenn der Mitarbeiter die Anfrage selbst hineinkopiert. Weitere Einsatzideen sammelt unser Beitrag Claude-Agenten im Alltag.

Was ein KI-Agent im Monat kostet

Für den Anfrage-Agenten lässt sich das durchrechnen. Annahme: rund 175 Anfragen im Monat, je Lauf 15.000 Token Eingabe (Anweisung, Mail, Tabellenauszug, Zwischenschritte) und 1.500 Token Ausgabe.

PostenRechnungPro Monat
Modell Claude Sonnet 5.5175 × (15.000 × 2 + 1.500 × 10 US-Dollar je Million Token)knapp 8 US-Dollar, rund 7 Euro
Alternative Claude Haiku 5.5175 × (15.000 × 0,10 + 1.500 × 0,50 US-Dollar je Million Token)unter 0,40 US-Dollar
n8n Cloud Starter175 Ausführungen bei 2.500 inklusive20 Euro bei Jahreszahlung
n8n selbst gehostetCommunity Edition0 Euro Lizenz, dazu Server und Wartung

Die laufenden Kosten bleiben also unter 30 Euro im Monat. Haiku reicht für einfache Sortieraufgaben, für Entwürfe mit Produktabgleich ist Sonnet die sichere Wahl: Im KI-Kompass vom 18. Oktober 2026 erreicht Claude Sonnet 5.5 den Index 56 zu 3,55 Euro je Million Token im Mischpreis, Opus 5.5 den Index 58 zu 7,11 Euro. Der größte Posten ist deine Arbeitszeit für Aufbau, Tests und Pflege.

In Copilot Studio sieht die Rechnung anders aus, wo keine lizenzierte Person den Agenten mit eigener Anmeldung nutzt: Ein Lauf mit einer generativen Antwort und drei Agent-Aktionen kostet 17 Credits, 175 Läufe also 2.975 Credits. Bei nutzungsbasierter Abrechnung zu 0,01 US-Dollar je Credit sind das knapp 30 US-Dollar; das Paket mit 25.000 Credits wäre für diesen Fall zu groß. Mit Claude Team zahlst du je Platz, bei fünf Nutzern und monatlicher Zahlung 125 US-Dollar, dafür ist der Assistent für alle anderen Aufgaben inklusive.

Freigabe, Protokoll, Verantwortung: die Regeln für den Betrieb

Die Sicherheitsorganisation OWASP führt „Excessive Agency“, übermäßige Handlungsmacht, als eigenes Risiko in ihren Top 10 für Anwendungen mit Sprachmodellen 2025. Gemeint ist, dass ein System schädliche Aktionen ausführt, ausgelöst durch unerwartete, mehrdeutige oder manipulierte Ausgaben des Modells. Die Ursachen sind laut OWASP meist zu viele Funktionen, zu weite Berechtigungen oder zu viel Autonomie; folgenreiche Aktionen sollen erst nach menschlicher Freigabe laufen. Dass das keine Theorie ist, zeigt der AISI-Test, in dem KI-Agenten in 10 von 122 Läufen eigenmächtig handelten. Eine einfache Freigabematrix hilft:

AktionAgent alleinMit FreigabeNie
Anfragen lesen, Daten nachschlagenja
Entwurf anlegen, intern zusammenfassenja
Mail an Kunden senden, Termin eintragenja
Preise, Rabatte, Liefertermine zusagennur durch den Vertrieb
Daten löschen, Zahlungen auslösenja

Protokoll. Halte je Lauf fest, was hereinkam, welche Werkzeuge der Agent aufgerufen hat, wer freigegeben hat und was hinausging. Wie lange du das aufbewahrst, richtet sich nach deinem Löschkonzept. Die sechs Monate Mindestaufbewahrung, die manche Ratgeber nennen, stehen in Artikel 26 der KI-Verordnung und gelten für Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen; ein Anfrage-Agent gehört nicht dazu.

Verantwortung. Für das, was dein Agent verschickt, haftet dein Unternehmen. Air Canada musste 2024 einem Kunden 812,02 kanadische Dollar zahlen, weil der Chatbot der Fluggesellschaft eine falsche Tarifauskunft gegeben hatte; das Tribunal in British Columbia wies das Argument zurück, der Chatbot sei selbst verantwortlich. Mehr Fälle stehen in unserem Beitrag Ist KI gefährlich?. Halte deshalb in eurer KI-Richtlinie fest, wer welchen Agenten verantwortet und wer freigibt.

KI-Verordnung. Spricht der Agent direkt mit Kunden, etwa als Chat auf der Website, gilt seit dem 2. August 2026 Artikel 50 Absatz 1: Menschen müssen erfahren, dass sie mit einem KI-System interagieren, laut Absatz 5 spätestens bei der ersten Interaktion. Die Pflicht trifft den Anbieter, und Anbieter ist nach Artikel 3 auch, wer ein KI-System entwickeln lässt und unter eigenem Namen in Betrieb nimmt. Verstöße gegen die Transparenzpflichten können bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes kosten. Im Beispiel oben schickt ein Mensch die Antwort, der Kunde spricht also mit einem Menschen. Dazu kommt Artikel 4: Seit dem 27. Juli 2026 musst du die KI-Kompetenz der Leute unterstützen, die mit dem Agenten arbeiten, wie unser Beitrag zur Schulungspflicht nach Artikel 4 zeigt.

Datenschutz. Verarbeitet der Agent personenbezogene Daten, brauchst du mit jedem Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO. Nach Artikel 22 DSGVO haben Betroffene das Recht, keiner ausschließlich automatisierten Entscheidung unterworfen zu werden, die ihnen gegenüber rechtliche Wirkung entfaltet; bei Bewerbungen oder Kreditlimits gehört deshalb ein Mensch in die Entscheidung.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Für den ersten KI-Agenten reicht oft ein Baukasten, den du schon bezahlst, ob Claude Team, Copilot Studio mit Microsoft-365-Copilot-Lizenzen oder n8n mit einem Modell nach Wahl. Wichtiger als die Werkzeugwahl sind eine eng geschnittene Aufgabe, eine Freigabe vor allem, was dein Haus verlässt, und ein Protokoll jedes Laufs.

Such dir diese Woche eine Aufgabe, die jede Woche in einem Postfach wiederkommt, und sammle 30 abgeschlossene Fälle dazu. Damit hast du Ziel, Testdaten und Abnahmekriterium für deinen ersten Agenten. Wenn du ihn mit Begleitung bauen willst: Bei der KI-Automatisierung setzen wir Agenten mit dir um, in unseren KI-Workshops baut dein Team den ersten Agenten an euren echten Aufgaben, und als Claude-Agentur richten wir Projekte und Skills für euch ein.

Häufige Fragen

Was ist ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein Sprachmodell, das Werkzeuge bedienen darf und die Schritte zu einem Ziel selbst plant: Es liest etwa eine Mail, sucht in einer Tabelle, schreibt einen Entwurf und entscheidet unterwegs, welches Werkzeug es als Nächstes braucht. Anthropic grenzt Agenten von Workflows ab, bei denen Modell und Werkzeuge über fest vorgegebene Pfade laufen. Für viele Aufgaben im Unternehmen reicht ein solcher fester Ablauf mit einem KI-Schritt.

Was kostet ein KI-Agent?

Für einen einfachen Agenten im Mittelstand liegen die laufenden Kosten oft unter 30 Euro im Monat: n8n Cloud Starter kostet 20 Euro im Monat bei Jahreszahlung für 2.500 Ausführungen, die Modellkosten für rund 175 Anfragen mit Claude Sonnet 5.5 liegen bei knapp 8 US-Dollar (Stand 18. Oktober 2026). Teurer wird es über Lizenzen, etwa 25 US-Dollar je Platz und Monat für Claude Team bei monatlicher Zahlung, und über die eigene Arbeitszeit für Aufbau, Tests und Pflege.

Welches Tool eignet sich für KI-Agenten?

Das hängt an deiner Ausgangslage. Wer Microsoft 365 mit Copilot-Lizenzen nutzt, baut interne Agenten in Copilot Studio ohne Aufpreis. Für Wissensarbeit ohne IT-Team passen Claude-Projekte mit Skills und geplanten Aufgaben. Verbindet der Agent mehrere Systeme wie Postfach, Tabellen und CRM, ist n8n stark. Für eigene Software gibt es das Claude Agent SDK oder das OpenAI Agents SDK. Den OpenAI Agent Builder schaltet OpenAI am 30. November 2026 ab.

Welcher KI-Agent ist kostenlos?

Kostenlos sind vor allem die Baukästen: Die n8n Community Edition darfst du selbst gehostet für eigene interne Geschäftszwecke gratis nutzen, im kostenlosen Claude-Plan gibt es bis zu fünf Projekte und Skills. Die Modellkosten fallen trotzdem an; bei der selbst gehosteten Edition zahlst du sie mit eigenem API-Schlüssel direkt beim KI-Anbieter. Für Firmendaten taugen Gratis- und Einzelplätze nur bedingt: Bei Claude Free, Pro und Max ist das Training mit deinen Daten nur abwählbar, in Team und Enterprise ist es standardmäßig aus.

Kann ich einen KI-Agenten ohne Programmierkenntnisse erstellen?

Ja. Claude, Copilot Studio, n8n und der Workflow Builder in Gemini Enterprise sind auf Fachleute ohne Programmierkenntnisse ausgelegt: Anweisungen schreibst du in normaler Sprache, Werkzeuge klickst du zusammen. Grenzen setzt eher der Zugriff auf eure Systeme. Für Zugangsdaten, Schnittstellen und Rechte brauchst du jemanden aus der IT oder einen Dienstleister, ebenso für das Selbsthosting von n8n.

Muss ich Kunden sagen, dass sie mit einem KI-Agenten sprechen?

Wenn der Agent direkt mit Kunden kommuniziert, etwa als Chat auf deiner Website, ja. Artikel 50 der KI-Verordnung verlangt seit dem 2. August 2026, dass Menschen erfahren, dass sie mit einem KI-System interagieren, außer es ist aus den Umständen offensichtlich (Absatz 1), und zwar spätestens bei der ersten Interaktion (Absatz 5). Die Pflicht trifft den Anbieter, und das kann dein Unternehmen sein, wenn es den Agenten unter eigenem Namen in Betrieb nimmt. Schreibt der Agent nur Entwürfe, die ein Mitarbeiter prüft und abschickt, sprechen deine Kunden mit einem Menschen.

Quellen & Referenzen

Arno Hoffrichter, Chief Technology Officer, Collective Brain
Chief Technology Officer, Collective Brain GmbH · Hamburg

CTO bei Collective Brain. Verantwortlich für die technische Umsetzung von Web-Projekten und SEO-Architektur.