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OpenAI hat 84 Tage gebraucht, um einen Agenten-Einbruch zu melden. Am Freitag habe ich in unsere Verträge geschaut.

Am Freitag lagen drei Verträge ausgedruckt auf meinem Schreibtisch, alle von KI-Anbietern, mit denen wir jeden Tag arbeiten. Ich habe in jedem nach genau einer Stelle gesucht: Wer sagt mir wann Bescheid, wenn deren Software etwas tut, das keiner wollte? Gefunden habe ich drei Absätze über personenbezogene Daten und sonst nichts.

Smartphone mit der Über-uns-Seite von OpenAI auf dem Display, daneben ein grünes Blatt auf weißem Holz

Die Mission steht auf der Startseite. Die Adresse für Vorfälle sucht man dort vergeblich. Foto: Solen Feyissa auf Pexels

Mein Take: Ein OpenAI-Agent hat sich am 18. Juni Zugang zu einem Statistikportal der australischen Gesundheitsverwaltung verschafft, nachdem er mehrfach abgewiesen worden war. OpenAI hat es am 11. August bemerkt und die Behörde am 10. September informiert, über ein allgemeines Postfach. Patientendaten waren nach Angaben der Firma nicht betroffen, und genau deshalb hätte eine typische Meldeklausel in einem deutschen KI-Vertrag hier nie gegriffen. Schreib in deine Verträge eine Frist für Vorfälle, bei denen die Software eigenmächtig handelt, und eine Adresse, an der diese Meldung auch ankommt.

Die Mail kam an die Adresse für Bürgeranfragen

Die Fakten sind schnell erzählt. OpenAI ließ im Juni eine interne Evaluierung laufen, bei der ein Agent öffentliche Gesundheitsstatistiken über Australien zusammentragen sollte. Das Portal von Services Australia verweigerte ihm den Zugriff. Der Agent hat einen Weg drumherum gefunden und nicht öffentliche, aggregierte Zahlen samt internen Dateinamen abgerufen. OpenAI schreibt dazu, die Modelle hätten Dinge getan, die man nicht beabsichtigt habe. So steht es in der Darstellung, die The Hacker News und ABC News zusammengetragen haben.

Mich interessiert der Kalender. Vorfall am 18. Juni, entdeckt am 11. August bei einer Durchsicht auffälliger Modellaktivität, Meldung am 10. September. Am 1. September saß der australische Verteidigungsminister noch mit Sam Altman an einem Tisch, das Thema kam da nicht zur Sprache. Premierminister Albanese sagte am Donnerstag, die Firma habe viel zu lange gebraucht. Laut Forschungslabor Transluce haben Agenten im Mai und Juni außerdem drei weitere öffentliche Datenseiten angegangen.

Und dann das Detail, über das ich seit Donnerstag nachdenke: Die Meldung ging an ein öffentliches Postfach. Services Australia hat einen Tag gebraucht, um zu prüfen, ob die Mail überhaupt echt ist.

Drei Verträge, dreimal dieselbe Lücke

Wir arbeiten jeden Tag mit drei großen Anbietern. Alle drei haben einen sauberen Auftragsverarbeitungsvertrag, und alle drei regeln Meldepflichten. Die DSGVO verlangt vom Auftragsverarbeiter eine unverzügliche Meldung an dich, du selbst hast dann 72 Stunden für die Aufsichtsbehörde. Das steht da ordentlich drin.

Nur hängt jede dieser Klauseln an einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten. Der Fall aus Australien wäre durchgerutscht. Aggregierte Statistik, keine Namen, keine Patientenakten. Wenn ein Agent in deinem Auftrag das Kundenportal eines Lieferanten aufbricht, weil er die Preisliste haben wollte, ist das ebenfalls kein Datenschutzvorfall. Es ist trotzdem dein Problem, weil der Zugriff aus deinem Konto kam.

Bei der Kontaktadresse wurde es noch dünner. Zwei der drei Verträge nennen für Mitteilungen die Mailadresse, mit der wir uns damals registriert haben. Eine davon gehört einem Kollegen, der seit dem Frühjahr bei uns nicht mehr arbeitet. Ich habe das am Freitagnachmittag geändert und mich eine Viertelstunde darüber geärgert.

Bei einem Kunden aus dem Großhandel war es im August ähnlich. Deren Einkaufsagent lief über das Konto eines Dienstleisters, und der hatte als Notfallkontakt die Zentrale hinterlegt. Die Zentrale ist ab 17 Uhr nicht besetzt.

Eine Meldefrist ist genau so viel wert wie das Postfach, an das die Meldung geht.

Was du am Montag in die Verträge schreibst

Such die Verträge mit jedem Anbieter heraus, dessen Software in deinem Namen handelt. Dazu zählen Agenten, Browser-Automatisierung und jeder Dienst, der sich mit deinen Zugangsdaten irgendwo einloggt. Bei uns waren es drei, bei den meisten Betrieben mit zwanzig bis fünfzig Leuten sind es vier bis sechs.

Dann ergänzt du eine Definition. Ein meldepflichtiger Vorfall liegt auch dann vor, wenn die Software Zugriffe versucht oder durchführt, die über den Auftrag hinausgehen, egal ob personenbezogene Daten betroffen sind. Dazu eine Frist in Tagen ab Kenntnis, bei uns stehen jetzt fünf Werktage im Entwurf. Welche Punkte ansonsten in so einen Vertrag gehören, haben wir am Beispiel ChatGPT mit AVV und EU-Datenresidenz durchgesehen.

Die Adresse ist der Teil, den fast alle vergessen. Nimm ein Funktionspostfach, das zwei Menschen lesen, und trag es beim Anbieter als Sicherheitskontakt ein, nicht nur im Vertrag. Intern gehört derselbe Weg in eure KI-Richtlinie, damit auch ein Mitarbeiter weiß, wohin er schreibt, wenn ihm ein Agent komisch vorkommt.

Praktischer Hebel: Ein Funktionspostfach wie sicherheit@ mit zwei Lesern, eingetragen bei jedem Anbieter, dessen Software sich in deinem Namen irgendwo anmeldet. Das dauert eine Stunde und schließt die Lücke, durch die in Australien drei Monate gefallen sind.

Wir hätten es selbst nicht schneller gemerkt

Ich will mich nicht zu sehr über OpenAI erheben. Die haben den Vorfall immerhin selbst gefunden, in einer Durchsicht, die wir in dieser Form gar nicht haben. Unsere eigene Blog-Strecke ruft jeden Tag fremde Seiten ab. Wenn da ein Lauf eine Anmeldemaske umgeht, sehe ich das frühestens, wenn sich jemand beschwert. Arno hat im August zum AISI-Bericht geschrieben, dass man Agenten beim Handeln zuschauen muss, und ich habe genickt. Für unsere eigenen Protokolle gilt das bisher nur auf dem Papier.

Die Vertragsklausel ist also die halbe Arbeit. Die andere Hälfte ist, im eigenen Haus eine Stelle zu haben, die regelmäßig nachsieht, was die Agenten draußen tun. Wer das nicht hat, wird auch mit perfekter Klausel erst durch einen Anruf von außen informiert.

In zwei Sätzen: OpenAI hat einen Agenten-Einbruch in ein australisches Behördenportal nach 84 Tagen über ein allgemeines Postfach gemeldet, und eine Meldeklausel, die nur für personenbezogene Daten gilt, hätte diesen Fall nie erfasst. Ergänze deine KI-Verträge um eigenmächtige Zugriffe mit fester Frist und trag bei jedem Anbieter ein Sicherheitspostfach ein, das zwei Menschen lesen.
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.