Seit dem 16. Juni 2026 ist Microsoft Copilot Cowork für alle M365-Nutzer buchbar. Der Unterschied zum bisherigen Copilot-Chat klingt nach Marketing, ist aber real: Cowork erledigt Aufgaben selbstständig, statt Vorschläge zu liefern. Was das für KMU bedeutet und was es kostet.

Copilot Cowork übernimmt mehrstufige Büroaufgaben eigenständig, während der Nutzer weiterarbeitet. Foto: Daniil Komov auf Pexels
Von Chat zu Agent: Was Copilot Cowork wirklich anders macht
Bisheriger Copilot-Chat funktioniert reaktiv. Man stellt eine Frage, bekommt eine Antwort, und erledigt selbst die nächsten Schritte. Copilot Cowork dreht dieses Prinzip um.
Das System führt komplexe Aufgaben eigenständig und schrittweise aus, während der Nutzer weiterarbeitet oder gar nicht am Rechner sitzt. Microsoft nennt das “Task Chains”: Der Agent plant selbst, welche Teilschritte nötig sind, ruft dafür Daten aus Outlook, Teams, SharePoint, Word und Excel ab, und liefert ein fertiges Ergebnis.
Drei Beispiele, die Microsoft in der GA-Ankündigung nennt:
- Ein Engineering-Team ließ 4.000 Dateien in einer Stunde vergleichen, statt tagelang manuell zu prüfen.
- Vertriebsteams erhalten automatisch eine Liste gefährdeter Verkaufschancen aus CRM-Daten und E-Mail-Verlauf.
- Projektmanager bekommen Agenda, Statusbericht und relevante Dokumente zur Meeting-Vorbereitung gebündelt, ohne selbst zu suchen.
Für KMU ohne Fortune-500-Budget sind vor allem einfachere Szenarien interessant: wöchentliche Pipeline-Reports aus mehreren Quellen zusammenstellen, Angebote und Spezifikationen gegeneinander prüfen, oder administrative Batch-Auswertungen aus Excel-Tabellen erzeugen.
Was Copilot Cowork kostet: Zwei Schichten, keine Flatrate
Das Preismodell enthält zwei getrennte Kostenblöcke, die beide anfallen müssen:
Schicht 1, die Lizenz: Jeder Nutzer benötigt die Microsoft 365 Copilot User Subscription License (USL). Sie kostet rund 30 USD je Nutzer und Monat und setzt eine M365-Basislizenz voraus (Business Premium, E3 oder E5). Wer M365 Basic oder Standard einsetzt, muss erst upgraden.
Schicht 2, die Credits: Jede ausgeführte Aufgabe kostet zusätzlich Credits. Ein Credit kostet im Pay-as-you-go-Modell 0,01 USD. Einfache Aufgaben mit wenigen Quellen liegen bei 100 bis 300 Credits (1 bis 3 USD), komplexere Aufgaben mit breiter Datenaggregation bei 700 Credits und mehr. Wer regelmäßig Cowork nutzt, sollte den Prepaid-Plan P3 prüfen: 25.000 Credits für 200 USD pro Monat, etwa 20 Prozent günstiger.
Microsoft stellt im Admin Center Ausgabenlimits auf Tenant-, Gruppen- und Nutzerebene bereit. Cowork ist standardmäßig deaktiviert, der Admin muss es explizit einschalten und ein Credit-Budget hinterlegen.
Für Unternehmen, die M365-Copilot bereits im Einsatz haben und kürzlich von der Preiserhöhung im Juli erfahren haben, lohnt ein direkter Kosten-Nutzen-Abgleich. Mehr dazu in unserem Artikel zur M365-Preiserhöhung ab Juli 2026.
DSGVO: Was vor der Aktivierung im deutschen Markt zu klären ist
Hier wird es für deutsche Unternehmen ernst. Copilot Cowork ist grundsätzlich DSGVO-konform nutzbar, aber nicht ohne Vorarbeit.
Das Kernproblem ist das sogenannte Flex Routing: Microsoft kann KI-Berechnungen bei hoher Last in Rechenzentren außerhalb der EU auslagern, darunter USA, Kanada oder Australien. Das gilt als Drittlandübermittlung nach Art. 44 DSGVO und ist ohne entsprechende Rechtsgrundlage problematisch. Lösung: Flex Routing im M365-Admin Center vor der Aktivierung deaktivieren.
Ein weiterer kritischer Punkt: Copilot Cowork nutzt unter anderem Claude-Modelle von Anthropic als Unterbau. Anthropic ist nicht in Microsofts EU Data Boundary eingeschlossen. Wer explizit Anthropic-Modelle aktiviert, muss ein Transfer Impact Assessment durchführen.
Die Mindest-Checkliste für DACH-Unternehmen vor der Aktivierung:
- Flex Routing im Admin Center deaktivieren
- SharePoint-Berechtigungen und Data Access Governance prüfen (Cowork greift auf alles zu, worauf der Nutzer Zugriff hat)
- Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO durchführen
- Betriebsvereinbarung abschließen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG, Mitarbeiterdaten und -überwachung)
- Microsoft Purview mit Sensitivity Labels konfigurieren, um sensible Dokumente abzugrenzen
- AVV/DPA mit Microsoft auf Aktualität prüfen
Wer sich mit dem regulatorischen Umfeld rund um KI im Unternehmen noch nicht auseinandergesetzt hat, findet in unserem Überblick zu EU AI Act und Digital Omnibus den nötigen Kontext.
”Copilot Cowork ist standardmäßig deaktiviert, und das ist richtig so. Wer im deutschen Markt DSGVO-konform agieren will, braucht vor der ersten Aktivierung mindestens eine Woche Vorbereitung.”
— Microsoft 365 Partner Advisory, Juni 2026
Was KMU jetzt konkret tun können
Abwarten ist keine Strategie, blindes Aktivieren aber auch nicht. Drei sinnvolle Schritte für den Mittelstand:
Erstens, den aktuellen Lizenzstand prüfen. Wer M365 Business Premium bereits einsetzt, hat die Basis. Wer noch auf Basic oder Standard ist, wird das Upgrade für Copilot-Funktionen ohnehin früher oder später angehen.
Zweitens, einen Piloten mit drei bis fünf Aufgaben definieren. Welche wiederkehrenden, mehrstufigen Aufgaben kosten im Team die meiste Zeit? Pipeline-Reports, Angebotsprüfungen, Dokumenten-Synopsen? Genau dort entscheidet sich, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Wer weniger als fünf Heavy-Tasks pro Monat erwartet, zahlt mehr für die Pflichtlizenz als die Aufgaben einsparen.
Drittens, die DSGVO-Checkliste oben Punkt für Punkt abhaken bevor der Admin-Schalter umgelegt wird. Gerade Unternehmen mit Betriebsrat oder internem Datenschutzbeauftragten sollten diese Abstimmung einplanen. Das kostet zwei bis drei Wochen, vermeidet aber Bußgelder und Konflikte.
Zum Vergleich mit anderen KI-Assistenten für den Mittelstand lohnt sich ein Blick in unseren Vergleichsartikel zu Copilot, Gemini und ChatGPT. Und wer die Kostenfrage grundsätzlich durchdenken will, findet in unserem Artikel zu KI-Token-Kosten einen nützlichen Rahmen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Copilot Chat und Copilot Cowork?
Copilot Chat ist ein reaktiver KI-Assistent: Man stellt eine Frage und bekommt eine Antwort oder einen Entwurf. Copilot Cowork ist ein autonomer KI-Agent, der mehrstufige Aufgaben selbstständig plant und ausführt, zum Beispiel Reports aus mehreren M365-Quellen zusammenstellen oder Dokumente gegeneinander prüfen. Die Nutzerin sieht das fertige Ergebnis, muss aber nicht jeden Zwischenschritt selbst steuern.
Welche M365-Lizenz brauche ich für Copilot Cowork?
Benötigt wird die Microsoft 365 Copilot User Subscription License (USL) für rund 30 USD je Nutzer und Monat, zusätzlich zur bestehenden M365-Basislizenz. Die Basislizenz muss mindestens M365 Business Premium, E3 oder E5 sein. M365 Basic und Standard reichen nicht aus. Zusätzlich fallen nutzungsbasierte Credits an: 0,01 USD pro Credit, je nach Aufgabenkomplexität zwischen 1 und 7 USD pro Task.
Ist Copilot Cowork in Deutschland DSGVO-konform nutzbar?
Grundsätzlich ja, aber nicht ohne Vorbereitung. Kritisch ist das Flex Routing, das KI-Berechnungen bei Last in Rechenzentren außerhalb der EU auslagern kann. Dieses Feature muss vor der Aktivierung im Admin Center deaktiviert werden. Außerdem sind eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO, eine Betriebsvereinbarung und eine Überprüfung der SharePoint-Berechtigungen Pflicht. Wer Anthropic-Modelle (Claude) explizit aktiviert, muss zusätzlich ein Transfer Impact Assessment durchführen, da Anthropic nicht in Microsofts EU Data Boundary eingeschlossen ist.
Quellen & Referenzen
- Microsoft: Copilot Cowork allgemein verfügbar, Ankündigung und Funktionsübersicht vom 16. Juni 2026. microsoft.com
- Redmond Magazine: Microsoft Makes Copilot Cowork Generally Available Worldwide, 16. Juni 2026. redmondmag.com
- Cloud Factory Blog: Preismodell, Credits und IT-Governance für Copilot Cowork, Juni 2026. cloudfactorygroup.com
- Copilotenschule: Abrechnung und Credits für Copilot Cowork ab Juli 2026. copilotenschule.de
- Pexon Consulting: Microsoft DSGVO-Compliance für Copilot und Azure OpenAI 2026. pexon-consulting.de