Zwei Zulieferer, beide in Baden-Württemberg, beide rund 120 Mitarbeiter, beide mit einer ordentlichen Website. Fragt ein Einkäufer Perplexity nach passenden Anbietern, steht der eine in der Antwort und der andere in keiner. Für den KI-Sichtbarkeits-Report haben wir 986 KI-Antworten ausgewertet. Der stärkste Trennfaktor war die Branche.

Das Teil ist präzise, der Betrieb dahinter für die KI meist namenlos. Foto: Alex Domínguez auf Pexels
Die 10 Branchen, sortiert nach Unsichtbarkeit
Für den KI-Sichtbarkeits-Report Mittelstand 2026 haben wir 193 unabhängige, familien- oder eigentümergeführte Unternehmen aus 10 Branchen ins Panel geholt, je Branche 10 Fragen formuliert, wie Einkäufer sie stellen, und jede Frage dreimal an Perplexity und dreimal an Google Gemini geschickt. Ein Unternehmen gilt als unsichtbar, wenn es in allen 60 Antworten seiner Branche weder im Text genannt noch als Quelle zitiert wird. Messzeitraum war der 17. Juli 2026.
| Branche | unsichtbar |
|---|---|
| Metall- und Kunststoffverarbeitung | 70 % |
| Logistik und Spedition | 63,2 % |
| Maschinen- und Anlagenbau | 50 % |
| IT-Dienstleister und Systemhäuser | 50 % |
| Bauunternehmen | 40 % |
| Personaldienstleistung | 40 % |
| Energietechnik | 36,8 % |
| Verpackungsindustrie | 22,2 % |
| Lebensmittel- und Getränkehersteller | 15,8 % |
| Medizintechnik | 10 % |
| Durchschnitt | 39,9 % |
Zwischen dem obersten und dem untersten Wert liegt der Faktor sieben. Das ist mehr Unterschied, als sich mit unterschiedlich guten Websites erklären ließe. Die Quoten stehen so im Report, die Deutung im Folgenden ist unsere Lesart der Rohdaten und der Quellenlisten, die zu jeder Antwort mitgeschrieben wurden.
Am Markup liegt es nicht
Der erste Reflex im Mittelstand ist die Technik. Fehlt uns ein spezielles Format, eine KI-Datei, ein Schema? Google hat diese Frage in der eigenen Hilfe für Website-Betreiber beantwortet, zuletzt aktualisiert im Dezember 2025.
„There are no additional requirements to appear in AI Overviews or AI Mode, nor other special optimizations necessary. You don’t need to create new machine readable files, AI text files, or markup to appear in these features. There’s also no special schema.org structured data that you need to add.”
— Google Search Central, AI Features and Your Website, Stand 10. Dezember 2025
Bedingung ist laut derselben Seite lediglich, dass eine Seite indexiert und für ein Snippet zugelassen ist. Damit fällt die bequemste Erklärung für die 70 Prozent weg. Wer technisch in der Google-Suche auffindbar ist, ist technisch auch für KI-Antworten qualifiziert. Was dann noch übrig bleibt, ist die Frage, warum das Modell einen Namen abruft, wenn es fünf davon nennen soll.
Was die sichtbaren Branchen gemeinsam haben
Bei der Auswertung der Quellenlisten fiel ein Muster auf, das quer zu den Branchen liegt. Sichtbare Unternehmen haben Fremdtext. Damit meine ich jeden Satz über das Unternehmen, den das Unternehmen nicht selbst geschrieben hat: einen Fachartikel, eine Produktbesprechung, einen Wikipedia-Absatz, eine Behördenmeldung, einen Eintrag in einer Kliniklisten-Datenbank.
Fremdtext wirkt in KI-Antworten stärker als der eigene Webauftritt, weil er zwei Dinge liefert, die eine Firmenseite nicht liefern kann. Er bestätigt die Existenz eines Unternehmens von außen, und er formuliert seine Leistung in den Worten Dritter, also in den Worten, die auch ein Einkäufer benutzt. Eine Selbstbeschreibung wie „innovativer Systempartner für anspruchsvolle Fertigungsaufgaben” passt auf 4.000 Betriebe. Ein Satz aus einer Fachzeitschrift wie „Zulieferer X fertigt Kleinserien von Aluminiumgehäusen für Medizingeräte” passt auf einen.
Aus dieser Perspektive wird das Branchen-Gefälle lesbar. Die Frage lautet nicht, wie gut eine Branche digitalisiert ist. Sie lautet, wie viel Fremdtext ihre Struktur produziert.
Medizintechnik: 10 Prozent, mit Rückenwind aus Brüssel
Die Medizintechnik ist die sichtbarste Branche im Panel, und sie hat sich diesen Vorteil zum Teil nicht ausgesucht. Sie ist die am dichtesten regulierte Branche unter unseren zehn, und Regulierung erzeugt öffentlichen Text.
Seit dem 28. Mai 2026 ist die Nutzung der ersten vier EUDAMED-Module verpflichtend, also der Module für Akteursregistrierung, UDI und Produkte, Benannte Stellen und Zertifikate sowie Marktüberwachung. Das BfArM beschreibt EUDAMED als zentrale, öffentlich zugängliche Datenbank für Medizinprodukte im Europäischen Wirtschaftsraum. Registrieren müssen sich Hersteller, EU-Bevollmächtigte, Importeure und Händler. Dazu kommt der Kurzbericht über Sicherheit und klinische Leistung nach Artikel 32 der Medizinprodukteverordnung: für implantierbare Produkte und Produkte der Klasse III verpflichtend, von der Benannten Stelle validiert und anschließend über EUDAMED der Öffentlichkeit zugänglich.
Der Effekt läuft dabei nicht nur über die Register selbst. Regulierung erzeugt Fachpresse, Zertifizierungsmeldungen, Studienerwähnungen und Produktnamen, die in Kliniken und Beschaffungslisten auftauchen. Genau dieses Material lesen die Systeme, die einem Einkäufer fünf Anbieter nennen.
Lebensmittel und Getränke: 15,8 Prozent, weil das Produkt im Regal steht
Der zweitbeste Wert im Panel hat eine einfachere Ursache. Lebensmittel- und Getränkehersteller haben Marken, die Endkunden kennen. Eine Marke im Supermarktregal wird getestet, verglichen, in Rezepten genannt, in Regionalzeitungen porträtiert und in Foren diskutiert. Jeder dieser Vorgänge legt Fremdtext ins Netz, der den Firmennamen mit einer Produktkategorie verknüpft.
Dazu kommt ein Verzeichnis-Effekt, der hier zugunsten der Unternehmen wirkt. Wer im Handel gelistet ist, steht in Sortimentslisten, Herkunftsangaben und Zutatendeklarationen. Die Verbindung von Firmenname und Produkt ist damit an vielen Stellen im Netz redundant abgelegt. Ein Modell, das eine Anbieterliste bauen soll, findet diese Verbindung leicht.
Verpackungsindustrie und Energietechnik liegen mit 22,2 und 36,8 Prozent dazwischen. Beide Branchen liefern an Industriekunden, haben aber häufiger benennbare Produkte und Systeme im Portfolio als reine Auftragsfertiger. Das passt in dasselbe Bild.
Metall und Kunststoff: 70 Prozent, weil der Name nirgends steht
Jetzt zur Branche, die im Report am schlechtesten dasteht. Das Bundeswirtschaftsministerium zählt in der Stahl- und Metallverarbeitung rund 5.600 Unternehmen mit etwa 460.000 Beschäftigten und schreibt dazu, dass die Unternehmen im Durchschnitt 100 Mitarbeiter beschäftigen. Das ist ein großes, stark mittelständisch geprägtes Feld mit sehr ähnlichen Leistungsversprechen und in vielen Fällen ohne ein Produkt, das einen eigenen Namen trägt.
Für die Fremdtext-Bilanz hat das drei Folgen, und die härteste davon ist Wikipedia. Die deutschsprachige Wikipedia ist eine der am häufigsten von Sprachmodellen abgerufenen Quellen, und ihre Relevanzkriterien für Wirtschaftsunternehmen sind quantitativ formuliert. Relevant ist ein Unternehmen unter anderem mit mindestens 1.000 Vollzeitmitarbeitern, mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz, mit Notierung im regulierten Markt oder mit mindestens 20 Betriebsstätten. Bleibt das Alternativkriterium der marktbeherrschenden Stellung oder innovativen Vorreiterrolle bei einer relevanten Produktgruppe, das eine unabhängige Quelle belegen muss.
Ein Zerspanungsbetrieb mit 100 Mitarbeitern und 18 Millionen Euro Umsatz reißt keine dieser Schwellen. Er ist für die größte enzyklopädische Quelle des Netzes strukturell nicht vorgesehen, unabhängig davon, wie gut er fertigt.
Die zweite Folge ist die Verzeichnis-Abhängigkeit. In 61 Prozent aller 986 Antworten stand mindestens eine B2B-Plattform als Beleg, während nur 54 der 193 Unternehmen im Panel jemals über die eigene Domain zitiert wurden. Für Zulieferer heißt das, dass ein Dritter die Erzählung über sie führt. Wir haben diesen Befund separat aufgeschrieben, weil er eigene Konsequenzen hat: warum Verzeichnisse deine Website verdrängen.
Die dritte Folge betrifft die Sprache auf den eigenen Seiten. Zulieferer-Websites beschreiben in der Regel Maschinenpark, Toleranzen und Zertifikate. Ein Einkäufer fragt eine KI aber nach einem Problem, etwa nach Kleinserien in Aluminium mit kurzer Lieferzeit in Süddeutschland. Zwischen der Frage und der Selbstdarstellung fehlt die sprachliche Brücke, und niemand Drittes hat sie gebaut.
Logistik bei 63 Prozent, IT-Dienstleister bei 50
Die Logistik teilt das Grundproblem der Zulieferer und verschärft es. Eine Spedition verkauft eine Leistung, die sich schwer unterscheidbar beschreiben lässt, und sie hat noch weniger benennbare Produkte als ein Fertigungsbetrieb. Fremdtext entsteht hier fast nur über Standorte, Kundenlogos und Verbandsmitgliedschaften.
Interessanter ist der Wert der IT-Dienstleister und Systemhäuser. 50 Prozent unsichtbar, in einer Branche, die das Netz beruflich kennt. Beim Lesen der Antworten zu dieser Branche fiel auf, dass die genannten Anbieter fast immer über eine spezifische Nische belegt waren, etwa über einen dokumentierten Migrationsfall oder eine Fachbeitragsserie zu einem engen Thema. Die unsichtbaren Systemhäuser haben oft umfangreiche Websites, die vor allem Partnerlogos und Technologienamen tragen. Für ein Modell, das einen Anbieter für eine konkrete Aufgabe sucht, ist ein Microsoft-Partner-Logo kein Unterscheidungsmerkmal, weil es Tausende davon gibt.
Bau und Personaldienstleistung liegen bei je 40 Prozent, also nah am Durchschnitt. Beide profitieren von Regionalität: Ausschreibungsmeldungen, Lokalpresse und regionale Verzeichnisse liefern hier zuverlässig Fremdtext, sobald jemand nach einer Stadt oder Region fragt.
Was du daraus für deine Branche ableitest
Das Gefälle liefert vor allem eine Standortbestimmung. Drei Fälle:
- Zulieferer ohne Produktmarke. Dein Hebel liegt in der Benennbarkeit. Gib dem, was du besonders gut kannst, einen Namen und eine eigene Seite, die die Einkäuferfrage im Wortlaut beantwortet, inklusive Material, Losgröße, Toleranz und Lieferregion. Danach sorge dafür, dass mindestens eine unabhängige Stelle darüber schreibt, etwa eine Fachzeitschrift deiner Abnehmerbranche oder ein Kunde, der einen Anwendungsfall freigibt.
- Regulierte Branchen wie Medizintechnik oder Energietechnik. Die Pflichtdaten liegen bereits öffentlich vor. Prüfe, ob Firmenname, Adresse und Produktbezeichnungen dort exakt so stehen wie auf deiner Website, denn abweichende Schreibweisen zerlegen deine Sichtbarkeit in zwei halbe Entitäten. Diese Konsistenz kostet einen halben Tag und wirkt sofort.
- Hersteller mit Endkundenmarke. Hier fehlt meist die Verbindung von Marke und Firma. Viele Lebensmittelhersteller sind über ihr Produkt sichtbar und als Anbieter unsichtbar, weil Produktseite und Unternehmensseite nirgends miteinander verknüpft sind.
In allen drei Fällen gilt ein Zwischenschritt, den unsere Messung nahelegt. Nur 60 der 193 Unternehmen waren in beiden geprüften Systemen sichtbar, 56 weitere jeweils nur in einem. Wer seine KI-Präsenz in einem System testet und dort auftaucht, hält sich für sichtbar, obwohl er im zweiten System nicht existiert. Prüfe deshalb immer mindestens zwei.
Der nächste konkrete Schritt für dich: Stelle Perplexity und Gemini heute die eine Frage, mit der ein Kunde deine Leistung suchen würde, ohne deinen Firmennamen zu nennen, und notiere die genannten Anbieter samt Quellen. Der volle Branchenvergleich mit Methodik und den 7 Mustern sichtbarer Unternehmen steht im KI-Sichtbarkeits-Report, die Zusammenfassung der Messung im Launch-Artikel zur Studie. Wenn du den Befund für deine eigene Branche systematisch prüfen willst, beschreibt unsere Leistungsseite zur KI-Sichtbarkeit, wie wir das aufsetzen.
Häufige Fragen
Welche Branchen sind in KI-Antworten am unsichtbarsten?
In unserer Messung vom 17. Juli 2026 führen Metall- und Kunststoffverarbeiter das Feld an: 70 Prozent der geprüften Unternehmen tauchen in keiner einzigen der 60 KI-Antworten zu ihrer Branche auf. Danach folgen Logistik und Spedition mit 63,2 Prozent sowie Maschinen- und Anlagenbau und IT-Dienstleister mit je 50 Prozent. Am besten stehen Medizintechnik mit 10 Prozent und Lebensmittel- und Getränkehersteller mit 15,8 Prozent da. Der Durchschnitt über alle 10 Branchen liegt bei 39,9 Prozent.
Warum werden Medizintechnik-Hersteller häufiger genannt als Zerspaner?
Über Medizintechnik-Hersteller steht mehr Text im Netz, den sie nicht selbst geschrieben haben. Produktnamen erscheinen in Fachpublikationen und Kliniklisten, die MDR verpflichtet Hersteller zur Registrierung in der öffentlich zugänglichen EU-Datenbank EUDAMED, und für implantierbare Produkte sowie Klasse III wird ein Kurzbericht über Sicherheit und klinische Leistung veröffentlicht. Ein Auftragsfertiger für Drehteile hat keine dieser Textquellen. Sein Name steht auf der eigenen Website und in Branchenverzeichnissen.
Ist mein Unternehmen für KI unsichtbar, weil die Website technisch schlecht ist?
Meist nicht. Google dokumentiert in der eigenen Search-Central-Hilfe, dass für AI Overviews und AI Mode dieselben Index- und Ranking-Systeme gelten wie für die normale Suche, und dass es dafür keine besonderen Anforderungen, keine KI-Textdateien und kein eigenes Schema.org-Markup gibt. Voraussetzung ist, dass die Seite indexiert und für ein Snippet zugelassen ist. Alles darüber hinaus ist eine Frage der Inhalte und der Belege, die andere über dich liefern.
Was bringt ein Branchenverzeichnis für die KI-Sichtbarkeit?
Es bringt dich in die Kandidatenliste, aus der die KI schöpft. In 61 Prozent unserer 986 Antworten stand mindestens eine B2B-Plattform als Beleg, während nur 54 der 193 Unternehmen jemals über ihre eigene Domain zitiert wurden. Ein Verzeichnisprofil ist deshalb sinnvoll und billig. Über die Reihenfolge innerhalb der Liste und über die Formulierung, mit der du beschrieben wirst, entscheidet weiterhin, was auf deinen eigenen Seiten und in Fachmedien über dich steht.
Quellen & Referenzen
- Collective Brain: KI-Sichtbarkeits-Report Mittelstand 2026, Branchenvergleich der Unsichtbar-Quoten, Methodik und Rohdaten, Messzeitraum 17. Juli 2026. collectivebrain.de
- Google Search Central: AI Features and Your Website, offizielle Dokumentation zu Anforderungen für AI Overviews und AI Mode, Stand 10. Dezember 2025. developers.google.com
- BfArM: Am 28. Mai wird EUDAMED Pflicht, zur Verpflichtung der ersten vier Module und zur öffentlich zugänglichen EU-Datenbank für Medizinprodukte. bfarm.de
- Wikipedia: Relevanzkriterien für Wirtschaftsunternehmen, quantitative Schwellen und Alternativkriterien. de.wikipedia.org
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Branchenfokus Stahl und Metall, Zahl der Unternehmen, Beschäftigte und durchschnittliche Betriebsgröße. bundeswirtschaftsministerium.de