Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, meistens direkt nach der DSGVO-Frage: Geht das auch europäisch? Gemeint ist dann Mistral aus Paris und der Assistent, den alle als Le Chat kennen. Die kurze Antwort lautet ja. Die längere steht in vier Vertragsdokumenten, und sie ist präziser als das Marketing.

Der Anbieter sitzt in Paris, und bei Mistral ist das mehr als eine Postanschrift. Foto: Regan Dsouza auf Pexels
Zuerst der Namenswechsel, sonst suchst du die falschen Dokumente
Mistral hat auf dem AI Now Summit am 28. Mai 2026 den Assistenten Le Chat mit dem Coding-Agenten zusammengelegt und das Ergebnis Vibe genannt. Die Adresse bleibt chat.mistral.ai, Konto, Tarif, Verläufe und Einstellungen sind mitgewandert. Aus einem Produkt sind drei Modi geworden: Vibe Chat für den klassischen Dialog, Vibe Work für mehrstufige Aufgaben mit Zugriff auf angebundene Systeme wie Google Workspace, Outlook, SharePoint, Slack oder GitHub, und Vibe Code für Entwicklungsarbeit im Browser, im Terminal und als Erweiterung für VS Code.
Für dich hat das einen banalen, aber teuren Nebeneffekt. Interne Richtlinien, Schulungsunterlagen und Screenshots, die von Le Chat sprechen, sind nicht falsch, führen aber ins Leere, sobald jemand die aktuelle Dokumentation sucht. Die liegt unter Vibe. Wer heute eine KI-Richtlinie schreibt, sollte beide Namen nennen und schriftlich regeln, welcher Modus im Haus erlaubt ist. Vibe Work greift auf angebundene Postfächer und Ablagen zu, Vibe Chat nicht. Das ist datenschutzrechtlich ein Unterschied und keine Detailfrage.
Wer eigentlich unterschreibt
Dein Vertragspartner ist Mistral AI, eine französische Aktiengesellschaft mit Sitz in der 15 rue des Halles, 75001 Paris, eingetragen in Paris unter der Nummer 952 418 325. Diese Angabe steht wortgleich in den EU-Verbraucherbedingungen vom 7. August 2026, in den Commercial Terms of Service vom 5. August 2026 und im Auftragsverarbeitungsvertrag vom 27. Juli 2026.
Das klingt nach Formalie und ist der eigentliche Unterschied zum Rest des Marktes. Bei OpenAI schließt eine deutsche Firma mit der irischen Tochter ab, hinter der eine amerikanische Muttergesellschaft steht, und die Drittlandübermittlung passiert eine Etage tiefer im Konzern. Wie das im Detail funktioniert und welche Pläne dort überhaupt einen Auftragsverarbeitungsvertrag bekommen, haben wir im Leitfaden zu ChatGPT, AVV und EU-Datenresidenz aufgeschrieben. Bei Mistral fehlt diese Etage. Es gibt eine Gesellschaft, sie sitzt in Paris, und Abschnitt 14.10 der Commercial Terms weist für Kunden außerhalb Amerikas und der Region Asien-Pazifik französisches Recht zu.
Wer also die Frage beantworten muss, ob im Verarbeitungsverzeichnis eine Drittlandübermittlung auf erster Ebene steht, kann bei Mistral nein schreiben. Der Rest der Prüfung verschiebt sich damit eine Ebene tiefer, zu den Unterauftragsverarbeitern.
Der Auftragsverarbeitungsvertrag und die Stelle, an der die Rolle kippt
Der Vertrag heißt Data Processing Addendum, liegt öffentlich unter legal.mistral.ai und gilt seit dem 27. Juli 2026. Abschnitt 2.1 ist so klar, wie man es sich wünscht: Der Kunde ist Verantwortlicher, Mistral verarbeitet die personenbezogenen Daten in seinem Auftrag als Auftragsverarbeiter.
Abschnitt 2.3 zieht davon eine Ausnahme ein, und die ist der wichtigste Satz des ganzen Dokuments. Für das Training der KI-Modelle, für Moderation und für Nutzungsanalyse ist Mistral berechtigt, die Daten als eigener Verantwortlicher zu verarbeiten, und zwar, solange der Kunde dem Training nicht widersprochen hat.
Mistral AI processes the Personal Data as Controller for training its artificial intelligence models in accordance with its Privacy Policy, unless Customer is or has opted-out of training.
Mistral AI, Data Processing Addendum, Abschnitt 2.3, gültig ab 27. Juli 2026
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens gehört dieser Rollenwechsel dokumentiert, weil für den Anteil, den Mistral als Verantwortlicher verarbeitet, dein Auftragsverarbeitungsvertrag gerade nicht greift. Zweitens hängt die Frage, ob das überhaupt eintritt, an einer Einstellung in eurem Konto und nicht an einer Vertragszusage. Ein Widerspruch, den niemand gesetzt hat, existiert nicht. Bewertungen per Daumen hoch oder runter bleiben ohnehin außen vor, die verwendet Mistral laut demselben Abschnitt für Training, Forschung und Produktverbesserung.
Training je Tarif: was die Bedingungen wirklich sagen
Die EU-Verbraucherbedingungen beschreiben das Training als doppelte Verneinung. Mistral nutze deine Daten nicht zum Trainieren der Modelle, außer wenn du dem Training nicht widersprochen hast oder wenn du Feedback gibst. Abschnitt 4.2 der Commercial Terms ist identisch konstruiert und ergänzt die Variante, dass ein Produkt auf Widerspruchslösung voreingestellt sein kann. Wer diese Sätze schnell liest, nimmt eine Zusage mit, die dort nicht steht.
Abschnitt 4.3 fügt eine zweite Ausnahme hinzu, die im Alltag leicht untergeht: Für Labs- und Preview-Modelle gilt euer Widerspruch nicht. Wer also die neuesten Vorabmodelle testet, sollte das mit Testdaten tun.
Auf der Produktseite ist die Lage differenzierter, als die Bedingungen vermuten lassen. Die Dokumentation hält für Vibe Free fest, dass Gespräche zur Verbesserung der Modelle verwendet werden können und der Widerspruch jederzeit im Verwaltungsbereich möglich ist. Für Daten, die über die Schnittstelle kommen, nennt dieselbe Seite kein Training, und Administratoren können die Nutzung von Schnittstellenaufrufen fürs Training zusätzlich abschalten.
| Zugang | Training in der Voreinstellung | Steuerung |
|---|---|---|
| Vibe Free | möglich, Widerspruchslösung | Schalter im Verwaltungsbereich |
| Vibe Pro, Team, Enterprise | Widerspruchslösung nach Abschnitt 4.2 | Schalter im Verwaltungsbereich, vertraglich flankierbar |
| Schnittstelle über Mistral AI Studio | laut Dokumentation kein Training | zusätzlich per Administratoreinstellung sperrbar |
| Labs- und Preview-Modelle | Training, Widerspruch greift nicht | nur Nutzungsverzicht |
| Feedback per Daumen | Training, unabhängig vom Widerspruch | Funktion im Team nicht verwenden |
Die Konsequenz für ein 40-Personen-Unternehmen, das Vibe Pro auf Zuruf verteilt: Ohne gesetzten Widerspruch fließen Angebotstexte, Kundenmails und Protokolle in die Modellverbesserung. Das ist kein Skandal, sondern die Voreinstellung, die im Vertrag steht. Sie zu kennen ist die Arbeit.
Verarbeitungsorte: zugesagt ist weniger, als gebaut wird
Mistral baut sichtbar europäische Infrastruktur. Ein Rechenzentrum bei Bruyères-le-Châtel südlich von Paris läuft seit dem zweiten Quartal 2026 mit dem Betreiber Eclairion und 44 Megawatt. Auf dem AI Now Summit kam eine reine Inferenz-Anlage in Les Ulis im Département Essonne dazu, 10 Megawatt, Start im dritten Quartal 2026, ausdrücklich begründet mit direkter Kontrolle über die Kapazität. Ein weiterer Standort in Schweden ist angekündigt.
In den Verträgen findet sich davon wenig. Die Datenschutzerklärung sagt, Mistral wähle vorrangig Dienstleister innerhalb der Europäischen Union, behalte sich Anbieter außerhalb der EU aber vor, wenn sie den eigenen Sicherheitsanforderungen genügen, und stütze solche Übermittlungen auf Standardvertragsklauseln. Abschnitt 8.1 des Auftragsverarbeitungsvertrags liefert dazu die allgemeine Ermächtigung.
Abschnitt 8.2 wird in Ratgebern gern als Beleg für Standardvertragsklauseln zitiert, passt für eine deutsche Firma aber nicht. Dort schließen Mistral und Kunde Modul 4 der Standardvertragsklauseln, also Auftragsverarbeiter an Verantwortlichen, mit Mistral als Datenexporteur und dem Kunden als Datenimporteur. Diese Konstellation adressiert Kunden in Drittländern. Sitzt dein Unternehmen in Deutschland, ist sie schlicht nicht einschlägig, und das Übermittlungsrisiko liegt vollständig bei den Unterauftragsverarbeitern.
Genau die solltest du deshalb im Blick behalten. Nach Abschnitt 7.1 führt Mistral die Liste im Trust Center und benachrichtigt per E-Mail über Ergänzungen und Wechsel, Abschnitt 7.2 räumt zehn Tage Widerspruchsfrist aus datenschutzrechtlichen Gründen ein. Die Benachrichtigung ist ein Abonnement, kein Automatismus. Wer sie nicht bestellt, erfährt vom Wechsel nichts und lässt die zehn Tage ungenutzt verstreichen.
Aufbewahrung und die Grenzen von Zero Data Retention
Ohne Zero Data Retention speichert Mistral Ein- und Ausgaben aus Schnittstellenaufrufen 30 rollierende Tage zur Missbrauchskontrolle und löscht sie danach. Weitere Fristen aus der Datenschutzerklärung: Rechnungen zehn Jahre ab Abschluss des Geschäftsjahres, Identitätsdaten fünf Jahre nach Kontoende, Inhalte in Vibe bis zur Löschung durch den Nutzer.
Zero Data Retention selbst ist enger geschnitten, als die Zwei-Wort-Formel vermuten lässt. Verfügbar ist es in bezahlten Tarifen und nur für zustandslose Aufrufe, konkret unter anderem Chat Completions, Embeddings, Moderation, Klassifizierung, OCR und Audio, wobei Labs-Modelle ausgenommen bleiben. Nicht abgedeckt sind Agents, Batch-Verarbeitung, Conversations, Libraries und die Files-API. Und, für die meisten Firmen der entscheidende Satz: Vibe Work und Vibe Chat fallen ebenfalls nicht darunter, weil sie ohne gespeicherten Verlauf nicht funktionieren. Die Kommandozeilenversion von Vibe Code folgt den ZDR-Regeln, soweit sie die zustandslosen Endpunkte anspricht.
Wer also mit Zero Data Retention plant und dann den Assistenten im Browser ausrollt, bekommt beides nicht zusammen. Dieselbe Trennlinie zwischen Assistent und Schnittstelle beschreiben wir im Überblick zu DSGVO-konformen KI-Tools für kleine und mittlere Unternehmen.
Tarife und was pro Stufe dazukommt
Die Preisseite weist mit Stand 25. August 2026 in US-Dollar aus: Free mit begrenzter Nutzung und 10 US-Dollar Schnittstellen-Guthaben pro Monat, Pro für 14,99 US-Dollar monatlich mit 30 US-Dollar Guthaben, Team für 24,99 US-Dollar je Nutzer und Monat bei einem Mindestumsatz von 50 US-Dollar, Enterprise auf Anfrage. Die deutsche Fachpresse nannte zum Rebrand Europreise von 17,99 Euro für Pro und 29,99 Euro je Platz für Team. Prüf den Betrag im Bestellprozess, Regionalpreise und Steuerausweis unterscheiden sich.
Interessanter als der Preis ist, was ab welcher Stufe überhaupt verhandelbar wird. Team bringt bis zu 30 Gigabyte Speicher je Nutzer, Domänenverifizierung, Datenexport und Prüfprotokolle. Enterprise ergänzt Anmeldung per SAML, eigene Modelle, Agenten und Arbeitsabläufe sowie den Betrieb unter eigener Marke. Eigene Betriebsformen, also selbst gehostet, in der eigenen Private Cloud oder lokal im Rechenzentrum, nennt die Preisseite ab Team, vertraglich flankiert durch gesonderte Bedingungen für Kundeninfrastruktur und für Partner-Betrieb.
Für den Mittelstand ist damit die Einstiegsschwelle für Prüfprotokolle und Domänenverifizierung niedriger als bei den US-Anbietern, wo diese Funktionen häufig erst im Enterprise-Vertrag auftauchen. Wie sich das gegen Copilot, Gemini und ChatGPT sortiert, steht im Vergleich der KI-Assistenten für den Mittelstand.
Der Weg, bei dem kein Prompt das Haus verlässt
Wenn die Anforderung lautet, dass Inhalte den eigenen Verantwortungsbereich nicht verlassen, führt auch bei Mistral der sauberste Weg über offene Gewichte. Mistral Large 3 in der Fassung v25.12 und Mistral Small 4 in der Fassung v26.03 stehen unter Apache 2.0, das aktuelle Spitzenmodell Mistral Medium 3.5 in der Fassung v26.04 unter einer angepassten MIT-Lizenz. Betreibst du eines davon bei einem europäischen Inferenz-Anbieter oder auf eigener Hardware, ist dieser Anbieter dein Auftragsverarbeiter nach Artikel 28 DSGVO, und Mistral ist an der Verarbeitung nicht beteiligt.
Diese Logik ist dieselbe, die wir im Beitrag zu Kimi K3 und der DSGVO beim China-Modell beschrieben haben, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Dort ist der Betrieb über offene Gewichte der einzige belastbare Weg, weil weder China noch Singapur einen Angemessenheitsbeschluss haben. Bei Mistral ist er die Kür, weil der direkte Vertragsweg innerhalb der EU bereits trägt. Der Vergleich lohnt trotzdem, denn er zeigt, dass die Herkunft des Modells weniger entscheidet als der Weg, über den ihr es nutzt.
Der Modellstand, ungeschönt
Beim Assistenten geht es irgendwann nicht mehr um Verträge, sondern um Ergebnisse. Unser KI-Leaderboard zieht die Werte täglich aus der Artificial-Analysis-Datenbank. Mit Stand 25. August 2026 steht Mistral Medium 3.5 bei 30 Intelligenzpunkten, 127 Token pro Sekunde und 3 US-Dollar je Million Tokens. An der Spitze liegen Claude Opus 5 mit 63 Punkten bei 10 US-Dollar und GPT-5.6 Sol mit 61 Punkten bei 8 US-Dollar. Gemini 3.7 Flash kommt auf 56 Punkte bei 1,50 US-Dollar und 358 Token pro Sekunde.
Der Abstand ist kein Rundungsfehler. Für Textproduktion, Zusammenfassungen, Übersetzungen und Klassifizierung trägt Mistral im Alltag, und das Tempo bei niedrigem Preis ist ein echtes Argument für Anwendungen, die viele Aufrufe machen. Für mehrstufige Analysen, für Recherche mit Belegpflicht und für alles, wo ein Fehler teuer wird, würde ich heute nicht auf Mistral als einziges Modell setzen. Genau deshalb halten wir es in Projekten meist zweigleisig: das europäische Modell für die Masse an Routineaufgaben in der KI-Automatisierung, ein Spitzenmodell für die Fälle, in denen Qualität vor Herkunft geht.
Souveränität, mit dem Kleingedruckten
Ein letzter Punkt, weil er in Gesprächen regelmäßig auftaucht. Mistral ist ein europäisches Unternehmen im rechtlichen Sinn, mit europäischem Rechtsträger, europäischem Recht und europäischen Rechenzentren. Beim Kapital ist das Bild gemischter. In der Series-C-Runde vom September 2025 sammelte Mistral 1,7 Milliarden Euro bei einer Bewertung von 11,7 Milliarden ein, größter Anteilseigner wurde der niederländische Maschinenbauer ASML mit rund 11 Prozent. Auf der Investorenliste stehen daneben unter anderem Nvidia, Microsoft, Salesforce, General Catalyst und Andreessen Horowitz.
Für die datenschutzrechtliche Prüfung ändert das nichts, dort zählt der Verantwortliche und der Verarbeitungsort. Für die Frage, wie unabhängig eine europäische KI-Lieferkette tatsächlich ist, gehört es in die Antwort. Wer Souveränität als Argument in eine Ausschreibung schreibt, sollte definieren, welche Ebene gemeint ist: Vertrag, Betrieb oder Eigentum. Die drei fallen bei Mistral nicht zusammen.
Was in dieser Woche zu tun ist
Wenn ihr Vibe testet oder bereits im Einsatz habt, sind das die nächsten konkreten Schritte, in dieser Reihenfolge: Widerspruch gegen das Training im Verwaltungsbereich setzen und mit Datum protokollieren. Trust-Center-Benachrichtigung über Unterauftragsverarbeiter abonnieren, damit die Zehn-Tage-Frist nutzbar bleibt. Festlegen, welche Datenkategorien in Vibe Chat dürfen und ob Vibe Work überhaupt an Postfach und Ablage darf. Und die Kennzeichnung nach Artikel 50 der KI-Verordnung dort einplanen, wo Kundinnen und Kunden mit den Ausgaben in Kontakt kommen, wie im Überblick zu den Fristen des EU AI Act für den Mittelstand beschrieben.
Häufige Fragen
Heißt Le Chat noch Le Chat?
Nein. Mistral hat den Assistenten am 28. Mai 2026 auf dem AI Now Summit in Vibe umbenannt und dabei den Chat-Assistenten mit dem Coding-Agenten zusammengelegt. Die Adresse chat.mistral.ai bleibt, Konto, Tarif, Verläufe und Einstellungen sind mitgewandert. Unterschieden wird jetzt zwischen Vibe Chat für den klassischen Dialog, Vibe Work für mehrstufige Aufgaben und Vibe Code für Entwicklung. Wenn du in einer internen Richtlinie oder einem Ratgeber Le Chat liest, ist das nicht falsch, die aktuellen Dokumente findest du aber unter Vibe.
Wer ist bei Mistral unser Vertragspartner?
Mistral AI, eine französische Aktiengesellschaft mit Sitz 15 rue des Halles, 75001 Paris, eingetragen in Paris unter der Nummer 952 418 325. Dieselbe Gesellschaft steht in den EU-Verbraucherbedingungen, in den Commercial Terms of Service und im Data Processing Addendum. Anders als bei den US-Anbietern gibt es keine Konzernkette, an deren Ende eine amerikanische Muttergesellschaft steht. Für Kunden außerhalb Amerikas und der Region Asien-Pazifik gilt französisches Recht, zuständig sind die Gerichte in Paris.
Gibt es für Le Chat beziehungsweise Vibe einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
Ja. Das Data Processing Addendum mit Gültigkeit ab 27. Juli 2026 liegt öffentlich unter legal.mistral.ai. Abschnitt 2.1 legt fest, dass dein Unternehmen Verantwortlicher ist und Mistral als Auftragsverarbeiter handelt. Abschnitt 2.3 nimmt davon Training, Moderation und Nutzungsanalyse aus, dafür verarbeitet Mistral als eigener Verantwortlicher, solange kein Widerspruch gegen das Training gesetzt ist.
Trainiert Mistral mit unseren Eingaben?
In der Voreinstellung ja, sofern ihr nicht widersprecht. Die EU-Verbraucherbedingungen vom 7. August 2026 formulieren es als doppelte Verneinung: Mistral nutze Daten nicht fürs Training, außer wenn man dem Training nicht widersprochen hat oder wenn man Feedback gibt. Abschnitt 4.2 der Commercial Terms of Service vom 5. August 2026 ist gleich gebaut. Für Aufrufe über die Schnittstelle nennt die Dokumentation dagegen kein Training. Zwei Punkte bleiben außerhalb des Widerspruchs: Bewertungen per Daumen hoch oder runter und laut Abschnitt 4.3 alles, was über Labs- und Preview-Modelle läuft.
Liegen unsere Daten garantiert in der EU?
Eine allgemeine Vertragszusage dafür gibt es nicht. Die Datenschutzerklärung sagt, Mistral wähle vorrangig Dienstleister innerhalb der Europäischen Union, behalte sich aber Anbieter außerhalb der EU vor und stütze solche Übermittlungen auf Standardvertragsklauseln. Abschnitt 8.1 des Data Processing Addendum enthält die passende allgemeine Übermittlungsermächtigung. Wenn Datenresidenz für euch verbindlich sein muss, gehört sie in den Enterprise-Vertrag oder ihr betreibt das Modell selbst.
Was bringt Zero Data Retention bei Mistral?
Es unterdrückt die Speicherung von Ein- und Ausgaben über den Moment der Antwort hinaus und setzt das 30-Tage-Fenster zur Missbrauchskontrolle aus. Verfügbar ist es nur in bezahlten Tarifen und nur für zustandslose Schnittstellenaufrufe wie Chat Completions, Embeddings, Moderation, Klassifizierung, OCR und Audio, Labs-Modelle ausgenommen. Für Agents, Batch, Conversations, Libraries, die Files-API sowie für Vibe Work und Vibe Chat gilt es ausdrücklich nicht, weil diese Produkte auf gespeichertem Verlauf aufbauen.
Reicht Mistral qualitativ an die US-Modelle heran?
In der Breite nicht. Im KI-Kompass steht Mistral Medium 3.5 mit Stand 25. August 2026 bei 30 Intelligenzpunkten, während Claude Opus 5 bei 63 und GPT-5.6 Sol bei 61 liegen. Beim Tempo dreht sich das Bild, dort kommt Mistral Medium 3.5 auf 127 Token pro Sekunde und kostet 3 US-Dollar je Million Tokens. Für Textproduktion, Zusammenfassungen und Klassifizierung trägt das im Alltag. Für mehrstufige Analysen mit hoher Fehlerempfindlichkeit ist der Abstand spürbar.
Quellen & Referenzen
- Mistral AI, Data Processing Addendum, gültig ab 27. Juli 2026: Abschnitt 2.1 zur Rollenverteilung, Abschnitt 2.3 zum Training als Verantwortlicher, Abschnitt 7.1 und 7.2 zu Unterauftragsverarbeitern und Zehn-Tage-Frist, Abschnitt 8.1 und 8.2 zu Übermittlungen und Modul 4 der Standardvertragsklauseln. legal.mistral.ai
- Mistral AI, EU Consumers Terms of Service, gültig ab 7. August 2026: Rechtsträger und Registernummer, Trainingsklausel als Widerspruchslösung, Rechtswahl und Gerichtsstand für Verbraucher im EWR. legal.mistral.ai
- Mistral AI, Commercial Terms of Service, gültig ab 5. August 2026: Abschnitt 4.2 zum Training, Abschnitt 4.3 zu Labs- und Preview-Modellen, Abschnitt 14.10 zur Rechtswahl nach Region. legal.mistral.ai
- Mistral AI, Privacy Policy, gültig ab 27. Juli 2026: Verantwortlicher mit Anschrift, Vorrang europäischer Dienstleister samt Vorbehalt für Anbieter außerhalb der EU, Widerspruch gegen das Training im Konto, Aufbewahrungsfristen für Schnittstellendaten, Rechnungen und Identitätsdaten. legal.mistral.ai
- Mistral Docs, Zero data retention: Beschränkung auf bezahlte Tarife und zustandslose Endpunkte, Ausschluss von Agents, Batch, Conversations, Libraries, Files-API sowie Vibe Work und Chat. docs.mistral.ai
- Mistral Docs, Privacy and data controls: Modellverbesserung bei Vibe Free mit Widerspruch im Verwaltungsbereich, kein Training für Schnittstellendaten, Administratorschalter. docs.mistral.ai
- Mistral AI Help Center: Le Chat is now Vibe, Übernahme von Konto, Tarif und Verläufen sowie die drei Modi Chat, Work und Code. help.mistral.ai
- Mistral AI, AI Now Summit 2026 vom 28. Mai 2026: Umbenennung von Le Chat in Vibe und Ankündigung der Inferenz-Anlage in Les Ulis mit 10 Megawatt ab dem dritten Quartal 2026. mistral.ai
- Mistral AI, Preisseite mit Stand 25. August 2026: Tarife Free, Pro, Team und Enterprise mit Preisen in US-Dollar, Mindestumsatz für Team, Prüfprotokolle, SAML-Anmeldung und eigene Betriebsformen. mistral.ai
- Mistral Docs, Models overview: Lizenzstand der Modelle, Apache 2.0 für Mistral Large 3 und Mistral Small 4, angepasste MIT-Lizenz für Mistral Medium 3.5. docs.mistral.ai
- heise online vom 29. Mai 2026 zum Rebrand von Le Chat auf Vibe samt der genannten Europreise für Pro und Team. heise.de
- Silicon.fr zum eigenen Inferenz-Rechenzentrum von Mistral, Standort Bruyères-le-Châtel mit dem Betreiber Eclairion und 44 Megawatt seit dem zweiten Quartal 2026. silicon.fr
- MarketScreener zur Series-C-Runde vom September 2025: 1,7 Milliarden Euro bei einer Bewertung von 11,7 Milliarden, ASML mit rund 11 Prozent als größter Anteilseigner. marketscreener.com
- Eigene Auswertung aus dem KI-Kompass, Datenstand 25. August 2026, Quelle Artificial Analysis Data API v2: Intelligenz, Tempo und Preis für Mistral Medium 3.5 im Vergleich zu Claude Opus 5, GPT-5.6 Sol und Gemini 3.7 Flash. artificialanalysis.ai