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OpenAI schaltet die Assistants API ab: Was heute in Unternehmen ausfällt

Der 26. August 2026 steht seit genau einem Jahr im Abkündigungskalender von OpenAI. Seit heute beantwortet die Assistants API keine Anfragen mehr, und Microsoft nimmt die Azure-Variante am selben Tag vom Netz. Wer einen Firmen-Chatbot oder eine Automatisierung darauf gebaut hat, bekommt darüber keine Mail. Er merkt es an Antworten, die ausbleiben.

Smartphone auf gelbem Hintergrund zeigt die OpenAI-Seite mit der ChatGPT-Ankündigung

Die Ankündigungsseite von damals. Wie lange eine Schnittstelle danach läuft, steht in der Abkündigungsliste. Foto: Shantanu Kumar auf Pexels

Assistants API, kurz gefasst: OpenAI hat die Schnittstelle am 26. August 2025 abgekündigt und heute, nach zwölf Monaten Übergangszeit, abgeschaltet. Microsoft zieht für die Azure-Version am selben Tag den Stecker und verweist auf den Foundry Agents Service. Auf OpenAI-Seite übernehmen die Responses API und die neue Conversations API. Gespeicherte Threads wandern dabei nicht automatisch mit, ein Werkzeug dafür stellt OpenAI ausdrücklich nicht bereit. Bei Zapier stellen Zaps mit den alten ChatGPT-Aktionen heute die Arbeit ein.

Zwei Abschaltungen an einem Datum

Die Assistants API war der bequeme Weg, einen Chatbot mit Gedächtnis zu bauen. Sie hat den Gesprächsverlauf selbst verwaltet, in sogenannten Threads, und sie hat das Kürzen übernommen, sobald eine Unterhaltung länger wurde als das Kontextfenster des Modells. Dazu kamen Werkzeuge wie Code Interpreter und Dateisuche. Für viele Agenturen und IT-Dienstleister war das der Standardbaukasten für den Kundenservice-Bot oder den internen Wissensassistenten.

OpenAI hat diesen Baukasten am 26. August 2025 abgekündigt, mit zwölf Monaten Support ab dem Abkündigungsdatum. Die Frist läuft heute aus. In der offiziellen Abkündigungsliste steht die Assistants API mit genau diesem Shutdown-Datum, der Verweis geht auf die Responses API und den zugehörigen Migrationsleitfaden.

Parallel dazu die zweite Baustelle, die im deutschen Mittelstand oft die wichtigere ist: Azure. Wer seine KI-Anwendung wegen der europäischen Rechenzentren über Azure OpenAI betreibt, hat dort eine eigene Assistants-Implementierung genutzt. Auch die endet heute.

The Assistants API is deprecated and will be retired on August 26, 2026. Use the generally available Microsoft Foundry Agents service.

Microsoft Learn, Azure OpenAI Assistants API concepts (classic), abgerufen am 26. August 2026

Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit. Ein Unternehmen, das aus Datenschutzgründen bewusst auf Azure ausgewichen ist, steht am selben Stichtag wie eines, das direkt bei OpenAI eingekauft hat. Die Ausweichbewegung hat in diesem Fall keinen Zeitgewinn gebracht.

Woran ihr merkt, ob es euch trifft

Der schnellste Test führt über Zapier, weil dort die meisten Automationen ohne eigene Entwickler entstanden sind. Zapier hat alle ChatGPT-Aktionen abgekündigt, die auf der Assistants API aufsetzen, und nennt dasselbe Datum: Am 26. August 2026 stellen Zaps mit diesen Aktionen die Arbeit ein. Betroffen sind Conversation With Assistant (Legacy), Create Assistant, Upload File in der Assistants-Variante sowie die Suchschritte Find Assistant und Find or Create Assistant.

Für einen Teil davon gibt es eine automatische Umstellung, und genau die enthält die Falle. Zaps, die Conversation With Assistant (Legacy) verwendet haben, überführt Zapier auf die neue Conversation-Aktion, die über die Responses API läuft. Diese umgestellten Zaps bleiben aber ausgeschaltet, damit jemand sie vorher prüft. Solange das niemand tut, läuft die Automatisierung nach der Migration genauso wenig wie vorher.

Was das konkret bedeutet: Öffnet heute die Zap-Übersicht und filtert nach deaktivierten Zaps. Dort liegen die automatisch umgestellten Abläufe und warten auf eine Freigabe. Alles, was Create Assistant, Upload File oder die Assistant-Suchschritte genutzt hat, bekommt keinen direkten Ersatz und muss mit den aktuellen ChatGPT-Aktionen neu gebaut werden.

Wir haben dieses Muster vor zwei Wochen schon einmal beschrieben, als OpenAI den ChatGPT Agent ohne Vorlauf abgeschaltet hat. Der Unterschied ist diesmal die Vorwarnzeit: zwölf Monate statt null. Wer die Frist verpasst hat, hat sie nicht übersehen, weil sie zu kurz war, sondern weil niemand im Haus zuständig war für die Frage, welche Schnittstellen die eigenen Abläufe eigentlich benutzen.

Der Umstieg ist ein Umbau, keine Umbenennung

Der Migrationsleitfaden liest sich zunächst wie eine Vokabelliste, verlangt aber echte Arbeit an der Anwendung:

  • Aus Assistants werden Prompts, die im Dashboard angelegt werden. Der gewohnte programmatische Weg fällt damit weg.
  • Threads heißen künftig Conversations und speichern mehr als Nachrichten, auch Werkzeugaufrufe und deren Ergebnisse.
  • Runs werden zu Responses. Die Warteschleife, in der eine Anwendung bisher regelmäßig den Status eines Laufs abgefragt hat, entfällt.
  • Run Steps tauchen als Items wieder auf, in anderer Struktur.

Der Punkt, der Aufwand macht, steht dazwischen: Die Schleife über Werkzeugaufrufe verwaltet künftig die eigene Anwendung. Was die Assistants API im Hintergrund erledigt hat, muss der eigene Code jetzt selbst steuern.

Dazu kommt die Datenfrage. Zum Umgang mit den gespeicherten Verläufen ist OpenAI im Migrationsleitfaden eindeutig: „We will not provide an automated tool for migrating Threads to Conversations.” Empfohlen wird, neue Unterhaltungen sofort auf das neue Modell zu legen und ältere bei Bedarf nachzuziehen. Wer heute erst anfängt, hat diese Option nicht mehr, weil die alten Endpunkte bereits stumm sind. Ob der Gesprächsverlauf überhaupt fehlt, hängt daran, ob die eigene Anwendung ihn mitgeschrieben hat oder ob sie sich auf den Speicher beim Anbieter verlassen hat.

Das ist die Stelle, an der Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter konkret wird. Eine Schnittstelle, die den Zustand für euch hält, nimmt euch Arbeit ab und bindet euch gleichzeitig an ihren Lebenszyklus.

Die nächsten Termine stehen schon fest

Der heutige Tag räumt noch an einer zweiten Stelle auf. Für o3 in ChatGPT endet die 90-Tage-Frist, die OpenAI am 28. Mai gesetzt hatte, in der Modellauswahl ist das Modell damit Geschichte. Als Nachfolger nennt OpenAI GPT-5.6 Sol, die Preis- und Leistungsstufen dieser Generation haben wir beim Start im Detail auseinandergenommen.

In der API läuft o3 länger, aber ebenfalls mit Ablaufdatum. Die Abkündigungsliste nennt den 23. Oktober 2026 für o3-mini und den 11. Dezember 2026 für o3 und o3-pro, jeweils mit gpt-5.6-sol als Ersatz. Für o3-pro empfiehlt OpenAI dabei den Betrieb mit der Einstellung reasoning.mode auf pro. Wer seine Anwendungen fest auf einen Modell-Snapshot verdrahtet hat, hat damit die nächsten zwei Termine im Kalender. Wie sich das entkoppeln lässt, steht in unserer Anleitung zum Routing zwischen Modellen.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Seit heute sind die Assistants API bei OpenAI und ihr Azure-Pendant abgeschaltet, Ersatz sind Responses plus Conversations beziehungsweise der Foundry Agents Service. Gespeicherte Threads wandern nicht automatisch mit, und automatisch umgestellte Zapier-Zaps bleiben bis zur manuellen Freigabe deaktiviert.

Was diese Woche auf die Liste gehört

Beginnt mit einer Bestandsaufnahme statt mit einem Werkzeugvergleich. Schreibt auf, welche Abläufe im Haus eine OpenAI- oder Azure-Schnittstelle aufrufen, wer sie gebaut hat und wer sie betreut. In den meisten Firmen ist diese Liste kürzer als befürchtet und trotzdem nirgends dokumentiert. Danach prüft ihr in Zapier die deaktivierten Zaps und in euren eigenen Anwendungen die Fehlerprotokolle von heute.

Für die Zukunft gehört die Abkündigungsfrist dorthin, wo sie hingehört: in den Vertrag. Welche Vorlaufzeit ein Anbieter zusagt und was bei einer Abschaltung mit euren Daten passiert, sind zwei Punkte, die in jede Vereinbarung über KI-Werkzeuge gehören. Welche Klauseln dabei zählen, haben wir in unserer Übersicht zu Verträgen mit KI-Anbietern zusammengestellt. Wer heute ohnehin gerade aufräumt, trägt diesen Punkt am besten direkt in die Vorlage für die nächste Verlängerung ein.

Häufige Fragen

Was passiert heute genau mit der Assistants API?

OpenAI hat die Assistants API am 26. August 2025 abgekündigt und zwölf Monate Übergangszeit zugesagt. Diese Frist endet am 26. August 2026. Die Endpunkte für Assistants und Threads beantworten ab diesem Datum keine Anfragen mehr. Anwendungen, die noch dagegen laufen, laufen in Fehler, ohne Schonfrist. Ersatz sind die Responses API zusammen mit der neuen Conversations API.

Betrifft die Abschaltung auch Azure OpenAI?

Ja, und zwar am selben Tag. In der Microsoft-Dokumentation zur Assistants API in Foundry classic steht der Hinweis, dass die Schnittstelle abgekündigt ist und am 26. August 2026 abgeschaltet wird. Als Nachfolger nennt Microsoft den allgemein verfügbaren Foundry Agents Service samt eigenem Migrationsleitfaden. Wer seine KI-Anwendung wegen der EU-Regionen über Azure betreibt, muss also ebenfalls umbauen.

Werden gespeicherte Threads automatisch übernommen?

Nein. Der Migrationsleitfaden von OpenAI sagt ausdrücklich, dass es kein automatisches Werkzeug geben wird, um Threads in Conversations zu überführen. Empfohlen wird, neue Unterhaltungen sofort auf das neue Modell zu legen und ältere bei Bedarf nachzuziehen. Wer den Gesprächsverlauf braucht, sollte prüfen, ob die eigene Datenbank ihn ohnehin mitschreibt.

Was ist mit o3 in ChatGPT?

Der 26. August 2026 ist auch das Ende der 90-Tage-Frist, die OpenAI am 28. Mai für o3 in ChatGPT gesetzt hatte. In der Modellauswahl taucht o3 damit nicht mehr auf, als Nachfolger nennt OpenAI GPT-5.6 Sol. In der API laufen die o3-Snapshots länger: o3-mini bis zum 23. Oktober 2026, o3 und o3-pro bis zum 11. Dezember 2026.

Quellen & Referenzen

  • OpenAI: Abkündigungsliste der API mit dem Shutdown-Datum 26. August 2026 für die Assistants API sowie den Terminen für o3-mini, o3 und o3-pro. developers.openai.com
  • OpenAI: Migrationsleitfaden von der Assistants API zur Responses API, inklusive der Zuordnung von Threads zu Conversations und dem Hinweis auf das fehlende Migrationswerkzeug. developers.openai.com
  • OpenAI Developer Community: Ankündigung der Abkündigung am 26. August 2025 mit zwölf Monaten Support. community.openai.com
  • Microsoft Learn: Assistants API in Azure OpenAI (Foundry classic) mit dem Abschalttermin und dem Verweis auf den Foundry Agents Service. learn.microsoft.com
  • Zapier Help Center: Abkündigung der ChatGPT-Aktionen auf Basis der Assistants API, betroffene Aktionen und Umgang mit automatisch umgestellten Zaps. help.zapier.com
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.