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Anthropic überholt OpenAI beim Umsatz: 11,6 Milliarden Dollar im zweiten Quartal

Anthropic hat im zweiten Quartal 2026 mehr Umsatz gemacht als OpenAI: 11,6 Milliarden Dollar gegenüber 6,7 Milliarden. Das ist die erste Führungsübernahme seit dem Start des ChatGPT-Booms, und sie geht mit einem zweiten Befund einher, der für Unternehmen wichtiger ist als der Umsatz selbst.

Ausgedruckter Quartalsbericht mit blau-grünen Balkendiagrammen auf einem Holztisch, Nahaufnahme

Quartalszahlen auf Papier: Bei beiden KI-Anbietern stammen sie bisher aus Berichten, nicht aus testierten Abschlüssen. Foto: RDNE Stock project auf Pexels

Anthropic vor OpenAI: Im Quartal bis Ende Juni setzte Anthropic 11,6 Milliarden Dollar um, OpenAI 6,7 Milliarden. Anthropic weist dabei einen bereinigten operativen Gewinn von 559 Millionen Dollar aus, OpenAI einen operativen Verlust von 12,3 Milliarden. Für Unternehmen zählt weniger die Rangfolge als das, was dahintersteht: Das Geld kommt aus Firmenlizenzen und API-Nutzung, und beide Anbieter bereiten einen Börsengang vor.

Die Zahlen im Vergleich

Kennzahl (Q2 2026, Quartal bis Ende Juni)AnthropicOpenAI
Umsatz11,6 Mrd. USD6,7 Mrd. USD
Vorquartal (Q1 2026)4,73 Mrd. USD5,7 Mrd. USD
Veränderung zum Vorquartalrund +145 %+18 %
Operatives Ergebnis+559 Mio. USD (bereinigt)−12,3 Mrd. USD
Annualisierte Umsatzraterund 65 Mrd. USD(k. A.)

Ein Jahr zuvor, im zweiten Quartal 2025, lag Anthropics Umsatz bei 787 Millionen Dollar. Das ist etwa ein Vierzehntel des heutigen Werts. Kaum ein Softwaregeschäft dieser Größenordnung ist jemals so schnell gewachsen, und genau das macht die Zahlen erklärungsbedürftig.

Wichtig für die Einordnung: Keine der beiden Firmen ist börsennotiert. Eine testierte Quartalsmeldung gibt es damit nicht. Die Zahlen stammen aus Berichten von Bloomberg, CNBC und dem Wall Street Journal, die sich auf interne Unterlagen berufen. Anthropic hat die Zahlen nicht öffentlich kommentiert. Wer die Firma hinter Claude genauer einordnen will, findet die Eigentümer, die Bewertungshistorie und den irischen Vertragspartner in unserem Firmenporträt zu Anthropic.

Woher das Wachstum kommt

Der am häufigsten genannte Treiber ist Claude Code, das Entwicklerwerkzeug aus der Claude-Familie. Es hat sich in Softwareteams durchgesetzt und zieht Firmenbudgets in einer Größenordnung, die im Consumer-Abo-Geschäft schwer zu erreichen ist. Ein Entwicklerteam, das täglich acht Stunden mit einem Modell arbeitet, verbraucht ein Vielfaches der Token eines Chat-Nutzers, und es zahlt dafür aus dem Werkzeugbudget statt aus der Portokasse.

Dazu kommt die Preisstruktur. Claude-Modelle kosten pro Aufruf mehr als viele Wettbewerber, und Anthropic hat diesen Preis bisher gehalten. Wer wissen will, was das für die eigene Kalkulation bedeutet, findet die aktuellen Token-Preise und die Sparhebel in unserer Kostenrechnung für die Claude-API.

Bei OpenAI liegt der Fall anders. 18 Prozent Wachstum in einem Quartal wären in jeder normalen Branche ein gutes Ergebnis. Gemessen an den Erwartungen der Investoren war es zu wenig, weil das ChatGPT-Geschäft langsamer zulegte als geplant. Nach dem Start von GPT-5.6 im Juli soll sich das Wachstum wieder beschleunigt haben.

Anthropic hat OpenAI im KI-Wettlauf erstmals beim Umsatz überholt.

The Decoder, 19. August 2026

Was das konkret bedeutet: Der Umsatzvorsprung stammt aus dem Firmengeschäft, während OpenAI seinen Umsatz zu einem großen Teil aus Abos privater Nutzer zieht. Für dich als Kunde ist das ein Signal zur Preisstabilität: Ein Anbieter, dessen Geld von Unternehmen kommt, hat weniger Anlass, Werbung oder Gratis-Stufen quer zu finanzieren.

Was das für deinen KI-Stack bedeutet

Wer eine Kernanwendung auf einem Anbieter aufbaut, trägt dessen Finanzierungsrisiko mit. Ein einzelnes Quartal mit positivem bereinigtem Betriebsergebnis dreht dieses Risiko nicht um, es verschiebt es. Anthropic kann sich Preisdisziplin leisten, weil das Geschäft trägt. OpenAI muss den Verlust von 12,3 Milliarden Dollar im Quartal irgendwann verkleinern, und die üblichen Wege dorthin heißen höhere Preise, härtere Nutzungsgrenzen oder Werbung. Die Werbeausspielung in ChatGPT startet in Europa am 24. August, damit ist der dritte Weg bereits eingeschlagen.

Der zweite Punkt betrifft den Börsengang. Beide Firmen haben vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht eingereicht, bei Anthropic wird der Schritt für den Herbst erwartet. Was das für Kunden praktisch heißt, haben wir bei der Einreichung im Juni aufgeschrieben: Berichtspflichten schaffen Transparenz über die Kostenstruktur und erhöhen zugleich den Druck, Margen zu zeigen. Die Details stehen im Artikel zum Anthropic-IPO.

Und dann die Abhängigkeit. Zwei Anbieter, die sich in der Rangfolge abwechseln, sind ein Argument gegen die Ein-Anbieter-Architektur. Wenn deine Prozesse über eine dünne Zwischenschicht laufen, in der Modell und Anbieter austauschbar sind, kostet ein Wechsel Tage statt Monate. Wie sich Token-Budgets dabei kontrollieren lassen, steht in unserer Übersicht zu KI-Token-Kosten.

Was du diese Woche tun kannst

Rechnungen der letzten drei Monate nebeneinanderlegen. Wie hoch ist der Anteil deines KI-Budgets, der an einen einzigen Anbieter geht? Über 80 Prozent ist ein Konzentrationsrisiko, das du zumindest bewusst eingehen solltest.

Einen echten Arbeitsablauf gegentesten. Nimm einen Vorgang, den dein Team täglich macht, und lass ihn von beiden Anbietern erledigen. Miss Zeit, Qualität und Kosten je Vorgang. Das Ergebnis ist belastbarer als jede Benchmark-Tabelle.

Die Wechselkosten beziffern. Frag deine IT, wie viele Personentage ein Anbieterwechsel für die drei wichtigsten Anwendungen kosten würde. Steht dort eine Zahl über zwanzig, gehört die Senkung dieser Wechselkosten in die Planung fürs nächste Quartal. Als Einstieg in eine saubere Einführung dient unser 30-Tage-Rolloutplan für Claude.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Anthropic hat OpenAI im zweiten Quartal 2026 erstmals beim Umsatz überholt, 11,6 gegen 6,7 Milliarden Dollar, und weist dabei als einziger der beiden ein positives bereinigtes Betriebsergebnis aus. Für Unternehmen ist das kein Grund zum Anbieterwechsel, wohl aber ein Anlass, die eigene Anbieterkonzentration und die Wechselkosten einmal in Zahlen aufzuschreiben.

Häufige Fragen

Sind die Zahlen offiziell bestätigt?

Nein. Weder Anthropic noch OpenAI sind börsennotiert, es gibt also keine testierte Quartalsmeldung. Die Zahlen stammen aus Berichten von Bloomberg (14.08.2026), CNBC (15.08.2026) und dem Wall Street Journal (18./19.08.2026), die sich auf interne Unterlagen und mit den Zahlen vertraute Personen berufen. Beide Firmen haben vertrauliche IPO-Unterlagen bei der SEC eingereicht, mit dem Börsengang wären geprüfte Abschlüsse öffentlich.

Sollte ich jetzt von ChatGPT zu Claude wechseln?

Ein Quartalsumsatz sagt nichts darüber, welches Modell deine Aufgaben besser löst. Sinnvoll ist der umgekehrte Weg: zwei bis drei echte Arbeitsabläufe aus deinem Betrieb nehmen, beide Anbieter darauf messen und die Kosten je Vorgang vergleichen. Der Anbieterwechsel folgt aus dem Ergebnis, nicht aus der Schlagzeile.

Was bedeutet bereinigter operativer Gewinn?

Bereinigt heißt, dass bestimmte Posten herausgerechnet sind, bei Anthropic vor allem die Aktienvergütung der Mitarbeiter. Ein bereinigter operativer Gewinn von 559 Millionen Dollar ist deshalb kein Nettogewinn nach HGB-Logik. Die Richtung bleibt trotzdem bemerkenswert, weil OpenAI im selben Quartal 12,3 Milliarden Dollar operativen Verlust ausweist.

Ändert sich für laufende Claude-Verträge etwas?

Kurzfristig nein. Vertragspartner für europäische Kunden bleibt die Anthropic Ireland Limited in Dublin, Preise und Konditionen sind unverändert. Relevant wird ein Börsengang erst danach, weil quartalsweise Berichtspflichten den Druck auf Margen und Preisgestaltung erhöhen.

Quellen & Referenzen

  • CNBC: Anthropic revenue reportedly jumps to more than 11.5 billion dollars in second quarter (15.08.2026). cnbc.com
  • PYMNTS: Anthropic beats OpenAI in revenue for first time, mit den Quartalsvergleichen und der Berichtskette Bloomberg/WSJ. pymnts.com
  • The Decoder: Anthropic hat OpenAI im KI-Wettlauf erstmals beim Umsatz überholt (19.08.2026). the-decoder.de
  • The Decoder: Anthropic passes OpenAI on revenue for the first time, mit der annualisierten Umsatzrate von rund 65 Milliarden Dollar. the-decoder.com
  • 24/7 Wall St.: Anthropic just doubled OpenAI’s revenue, Einordnung der Bewertung vor dem Börsengang (19.08.2026). 247wallst.com
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.