Seit heute kann Anthropic von Claude-Nutzern verlangen, sich per Ausweisfoto und Selfie zu identifizieren. Betroffen sind die privaten Pläne Free, Pro und Max, nicht aber Enterprise-Konten und die Programmierschnittstelle. Für die meisten Unternehmen ändert sich dadurch technisch nichts, für einzelne Mitarbeiter mit privatem Pro-Zugang schon.

Ausweisdokumente und ein digitaler Nachweis per Smartphone: Anthropic kann Claude-Privatnutzer künftig ähnlich zur Identitätsprüfung auffordern. Foto: Nataliya Vaitkevich auf Pexels
Was Anthropic ab heute verlangt
Die Änderung steckt in einem eher trockenen Satz der aktualisierten Datenschutzrichtlinie: Anthropic könne Nutzer „in bestimmten Umständen” auffordern, ihr Alter oder ihre Identität zu bestätigen. Konkret heißt das laut mehreren übereinstimmenden Berichten: ein Foto des amtlichen Ausweises, Vorder- und gegebenenfalls Rückseite, die darauf enthaltenen Angaben wie Geburtsdatum und Dokumentnummer, dazu ein Selfie oder ein kurzes Gesichtsvideo. Aus Letzterem errechnet die Software ein Gesichtsgeometrie-Template, also einen biometrischen Datensatz. Akzeptiert werden nur Originaldokumente, keine Fotokopien, Screenshots oder digitalen Ausweise.
Durchgeführt wird der Abgleich nicht von Anthropic selbst, sondern vom spezialisierten Dienstleister Persona. Anthropic bleibt dabei nach eigener Aussage der datenschutzrechtlich Verantwortliche, Persona verarbeitet die Dokumente im Auftrag. Wie lange die Ausweisfotos, Videos und Gesichtstemplates gespeichert bleiben, spezifiziert die Richtlinie nicht näher, dort ist nur von einer Aufbewahrung „so lange wie vernünftigerweise nötig” die Rede.
Warum Anthropic das jetzt einführt
Anthropic begründet den Schritt öffentlich damit, den Dienst „sicher” zu halten. Konkreter wird das Unternehmen an einer Stelle: Die Verifizierung soll auch Nutzern helfen, deren Konto fälschlich als verdächtig markiert wurde, per Identitätsnachweis Einspruch einzulegen, statt direkt und dauerhaft gesperrt zu werden. Bislang war eine gesperrte E-Mail-Adresse oft das Ende der Fahnenstange.
Die Maßnahme soll die Dienste von Anthropic sicher und geschützt halten.
— Anthropic, Begründung zur Richtlinienänderung, Juni 2026
Der Zeitpunkt fällt in eine Phase, in der Anthropic ohnehin stark mit der Frage beschäftigt ist, wer welchen Zugriff auf seine Modelle bekommt. Erst im Juni hatte eine US-Exportkontroll-Anordnung dazu geführt, dass Anthropic Claude Fable 5 und Mythos 5 zeitweise für alle Kunden weltweit abschalten musste, weil sich der Zugang nicht selektiv nach Nationalität durchsetzen ließ. Beobachter lesen die neue Identitätsprüfung deshalb auch als Baustein, um Nutzer künftig zuverlässiger einer Person und einem Land zuordnen zu können, nicht nur als reine Sicherheitsmaßnahme gegen Missbrauch.
Kritik gibt es vor allem an der Wahl des Anbieters: Persona wird unter anderem von Founders Fund unterstützt, jenem Investmentfonds, der auch bei Anthropic selbst investiert ist. Nutzer in Foren werten das als Interessenkonflikt, unabhängig davon, wie die Daten technisch verarbeitet werden.
Was das für dein Unternehmen praktisch bedeutet
Für Firmen, die Claude über einen Team- oder Enterprise-Vertrag oder über die API einsetzen, ändert sich durch diese Richtlinie nichts, wie unser Überblick zu Claude im Unternehmenseinsatz zeigt. Relevant wird es dort, wo Mitarbeitende private Pro- oder Max-Abos für dienstliche Aufgaben nutzen, etwa weil noch kein Firmenzugang eingerichtet ist. Wird so ein Konto zur Prüfung aufgefordert, landen Ausweisfoto und Gesichtsgeometrie-Daten des Mitarbeiters bei einem Drittanbieter, nicht beim Arbeitgeber, aber eben auch außerhalb jeder betrieblichen Kontrolle.
Zwei praktische Schritte lohnen sich deshalb kurzfristig: Erstens klären, welche Mitarbeitenden Claude aktuell über private Consumer-Accounts statt über einen Firmenvertrag nutzen. Zweitens, wo das der Fall ist, den Wechsel auf einen Team- oder Enterprise-Zugang vorziehen, nicht erst, wenn die erste Verifizierungsaufforderung im Postfach eines Mitarbeiters landet. Wer ohnehin gerade über den passenden Plan für die eigene Firmengröße nachdenkt, findet eine Einordnung in unserem Vergleich Claude vs. ChatGPT im Unternehmenseinsatz.
Häufige Fragen
Ab wann verlangt Claude eine Ausweisprüfung?
Seit dem 8. Juli 2026. Anthropic hat seine Consumer-Datenschutzrichtlinie entsprechend geändert, die Änderung gilt ab diesem Datum, betrifft aber nur bestimmte Fälle und nicht automatisch jeden Nutzer.
Welche Claude-Konten sind von der Identitätsprüfung betroffen?
Free, Pro und Max, also die Consumer-Pläne. Enterprise-Konten und die Developer-Plattform, also die API, sind laut Anthropic ausgenommen. Wer Claude über ein Firmenkonto oder die API nutzt, ist von der Änderung nicht betroffen.
Welche Daten verlangt Anthropic bei der Prüfung?
Ein Foto des amtlichen Ausweisdokuments, die darauf enthaltenen Angaben wie Geburtsdatum und Dokumentnummer, ein Selfie oder Video sowie ein daraus errechnetes Gesichtsgeometrie-Template. Nur Originaldokumente werden akzeptiert, keine Kopien, Screenshots oder digitalen Ausweise. Die Prüfung übernimmt der externe Anbieter Persona, Anthropic bleibt aber für die Daten verantwortlich.
Quellen & Referenzen
- Anthropic: Aktualisierte Datenschutzrichtlinie mit der Klausel zur Alters- und Identitätsverifizierung. anthropic.com
- TechCrunch: Bericht über die Ankündigung und die Reaktionen darauf. techcrunch.com
- CyberInsider: Einordnung, welche Kontotypen betroffen sind und ab wann die Regel gilt. cyberinsider.com
- Biometric Update: Details zu Anbieter Persona und Nutzer-Kritik an der Investoren-Verbindung. biometricupdate.com