Am Dienstagabend habe ich unsere Werkzeugverträge in eine Tabelle sortiert, nach Kündigungsfrist. In einer Zeile stand eine Laufzeit bis Juli 2027. An die Sitzung, in der wir über diese Laufzeit gesprochen haben, kann ich mich nicht erinnern.

Der Gang, den es noch nicht gibt. Verkauft ist er trotzdem schon, bis 2030. Foto: Brett Sayles auf Pexels
Fünf Jahre, kein Ausstieg
Die Runde selbst ist schnell erzählt. Mistral meldet 3 Milliarden Euro Series D bei über 21 Milliarden Bewertung, angeführt von Samsung Electronics, mit dem EU-gestützten Scaleup Europe Fund und PSG Equity als Co-Leads. Neu dabei sind Advent, von BlackRock verwaltete Fonds und das Großherzogtum Luxemburg als Staatsinvestor. Vor einem Jahr lag die Bewertung bei 11,7 Milliarden. 125 Großkunden, 20 Länder, Airbus, ASML und HSBC als Referenzen.
Die Zeile, an der ich hängen geblieben bin, stammt vom 11. August. Damals hat Mistral bekannt gegeben, wie der Ausbau bezahlt wird. ASML, Amadeus, Capgemini, CMA CGM und die Caisse des Dépôts geben mehrjährige Zahlungszusagen ab, die in ein Guthaben auf künftige Rechenleistung umgewandelt werden. European Compute Units heißt das. Bis Ende 2027 sollen daraus rund 200 Megawatt entstehen, bis 2030 bis zu ein Gigawatt. Heute liegt die Firma unter 200 Megawatt, mit 44 Megawatt südlich von Paris, 23 in Schweden, zehn in Les Ulis.
Mistrals Technikchef Timothée Lacroix beschreibt die Konstruktion als Stromabnahmevertrag. Cloud-Abos laufen andersherum, dort zahlst du, was du verbrauchst, und hörst auf, wenn du aufhörst. Hier sollen Kunden sich für etwa fünf Jahre binden, und auf die Frage nach einem vorzeitigen Ausstieg antwortete er gegenüber VentureBeat mit einem Satz, den ich mir notiert habe: „There is no getting out.”
Die Zahlen, die in der Meldung fehlen
Was Mistral zu diesen Einheiten bisher nicht veröffentlicht hat, ist laut The Next Web bemerkenswert vollständig: keine Kapazität pro Einheit, kein Preis, kein Liefertermin. Fünf der größten Firmen Europas haben also auf mehrere Jahre Geld für ein Produkt zugesagt, dessen Preisliste es öffentlich nicht gibt.
Dazu kommt ein Detail, das ich sympathisch finde, weil es in keiner Werbebroschüre stünde. ASML sitzt in dieser Runde auf beiden Seiten des Tisches, als Investor und als Ankerkunde. So finanziert Europa seit jeher Infrastruktur, von Flüssiggasterminals bis zu Windparks: Man bündelt langfristige Abnahmen, bis die Bank den Bau für rechenbar hält. Neu ist, dass die Ware Rechenzeit heißt und dass Mistral in den eigenen Unterlagen anmerkt, dass auch Inferenz in der gewählten Region begrenzte, abgesicherte Übertragungen an Dienstleister außerhalb dieser Region einschließt.
Wer fünf Jahre zusagt, kauft keine Software mehr. Er finanziert ein Kraftwerk mit.
Was bei uns aus dem Dienstagabend geworden ist
Du wirst keine European Compute Unit zeichnen. Das Prinzip erreicht dich trotzdem, vermutlich innerhalb der nächsten zwölf Monate, und zwar in der freundlichsten Form, die es gibt: als Prozentzeichen. Bei einem Kunden aus der Logistik lag im Juli genau so ein Blatt auf dem Tisch, 28 Prozent Nachlass bei 36 Monaten Bindung, das Angebot lief in vierzehn Tagen aus. Der Einkauf hatte den Rabatt schon in die Jahresplanung geschrieben. Die Frage, was mit dem zugesagten Volumen passiert, wenn die Abteilung es nicht abruft, stand in dem Papier nirgends.
Bei uns ist die Tabelle vom Dienstag jetzt eine Spalte breiter. Neben der Laufzeit steht, wie oft der Anbieter in dieser Zeit sein Hauptmodell getauscht hat. Bei dem Vertrag bis Juli 2027 waren es zwei Wechsel in achtzehn Monaten. Länger binden als die Zeitspanne, für die ich die Aufgabe beschreiben kann, will ich mich seither nicht mehr.
Die zweite Spalte ist unbequemer und deshalb wichtiger. Sie beantwortet, was ein Wechsel wirklich kosten würde: Prompts, Auswertungssätze, Einbettungen, die zwei Schnittstellen ins ERP. Bei uns kam eine Zahl heraus, die deutlich über dem Rabatt lag, den wir für die Laufzeit bekommen hatten. Genau deshalb halte ich offene Gewichte für das stärkste Argument in Mistrals Angebot: Ein Modell, das du selbst betreiben oder woanders hosten kannst, macht die Drohung, zu gehen, wieder glaubwürdig. Wie sich das vertraglich absichern lässt, haben wir für Le Chat im Unternehmen durchgespielt, die passenden Klauseln stehen im Vendor-Klausel-Check.
Warum ich die Runde trotzdem für richtig halte
Ein Gigawatt kostet nach Schätzung von Epoch AI rund 38 Milliarden Dollar an Anfangsinvestition. Dieses Geld kommt nicht aus Fördertöpfen und nicht aus Absichtserklärungen, sondern aus Verträgen, die jemand unterschreibt. Wer europäische Kapazität will, muss also mit Bindung bezahlen, und mir ist ein europäischer Anbieter mit einer Fünfjahresfrist lieber als ein Standortversprechen ohne Rechenzentrum dahinter. Wo die Server stehen, klärt ohnehin weniger, als wir hoffen, das habe ich vor zehn Tagen an unserem eigenen Verzeichnis durchbuchstabiert.
Der Teil, den ich mir selbst ankreide, ist banal. Ich habe gestern Abend über eine Fünfjahresbindung bei ASML gelesen und dabei gemerkt, dass in unserem eigenen Ordner seit anderthalb Jahren eine Laufzeit liegt, die nie jemand verhandelt hat. Sie ist klein, sie tut nicht weh, und sie ist trotzdem an derselben Stelle entstanden: Ein Rabatt lag auf dem Tisch, und niemand hat nach dem Ausstieg gefragt.