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ChatGPT und Claude gleichzeitig gestört: 85 Minuten, in denen der Zweitanbieter nichts nützte

Am späten Nachmittag des 3. September stand in vielen Firmenchats dieselbe Vermutung: Es liegt an unserer Leitung. Tat es nicht. Zwischen 16:58 und 18:23 Uhr deutscher Zeit hatten OpenAI und Anthropic zur selben Zeit einen offenen Störungsfall auf ihren Statusseiten. Wer ChatGPT im Alltag nutzt und Claude als Reserve eingeplant hatte, hatte für 85 Minuten keine Reserve.

Mann im grauen Sakko sitzt am Schreibtisch und stützt das Gesicht in beide Hände, davor ein aufgeklappter Laptop

Der teuerste Teil einer Störung ist die Stunde, in der niemand weiß, wo sie herkommt. Foto: Yan Krukau auf Pexels

Update vom 19. September 2026: Wir haben die Auswertung neu gezogen, diesmal für die 30 Tage vom 20. August bis zum 19. September. OpenAI kommt in diesem Fenster auf 35 Vorfälle mit 120,8 Stunden, Anthropic auf 19 Vorfälle mit 119,7 Stunden. Von Anthropics Summe stammen 99,4 Stunden aus einem einzigen Eintrag, den ein Windows-Update ausgelöst hat und nicht Anthropic selbst. Ohne diesen Eintrag bleiben 20,3 Stunden. Die Zahlen zum 3. September weiter unten bleiben unverändert, sie sind der Stand vom Ereignistag. Beide Statusseiten meldeten am 19. September um 15:00 Uhr „All Systems Operational”.
Was am 3. September passiert ist: Anthropic eröffnete um 15:26 Uhr deutscher Zeit den Vorfall „Elevated errors for multiple models” für claude.ai, die API, Claude Code und Claude Cowork und schloss ihn um 18:23 Uhr. OpenAI eröffnete um 16:58 Uhr „Elevated errors across ChatGPT and Codex” und schloss um 18:55 Uhr. Die Überschneidung beträgt 85 Minuten und fällt mitten in den deutschen Arbeitstag. Wir haben danach beide Statusverläufe über ihre Programmierschnittstellen ausgelesen: In den letzten 30 Tagen kommt Anthropic auf 27 Vorfälle mit 42,6 Stunden, OpenAI auf 23 Vorfälle mit 93,2 Stunden. An vier Tagen hatten beide gleichzeitig eine offene Störung, zusammen 6,8 Stunden. Google Cloud meldete für den 3. September keinen Vorfall. Die aktualisierte Zählung für den Zeitraum 20. August bis 19. September steht weiter unten.
Inhalt · 8 Abschnitte

Die Chronik des Nachmittags, aus den Statusseiten selbst

Beide Anbieter betreiben öffentliche Statusseiten mit maschinenlesbarem Verlauf. Wir haben die Rohdaten abgerufen statt auf Zusammenfassungen zu warten, deshalb stehen hier Zeitstempel statt Eindrücke. Alle Uhrzeiten in deutscher Sommerzeit.

AnbieterVorfallBeginnEndeDauer
AnthropicElevated errors for Claude Sonnet 514:3714:5619 Minuten
AnthropicElevated errors for multiple models15:2618:23177 Minuten
OpenAIChatGPT Work Mode High Error Rates02:0402:106 Minuten
OpenAIElevated errors across ChatGPT and Codex16:5818:55117 Minuten

Bei Anthropic standen vier Komponenten im Vorfall: claude.ai, die Programmierschnittstelle unter api.anthropic.com, Claude Code und Claude Cowork. Das trifft eine Firma an zwei Stellen gleichzeitig, im Browser und in jeder selbstgebauten Anbindung. Bei OpenAI waren ChatGPT und Codex betroffen, also die Oberfläche und die Entwicklungsumgebung.

Der 3. September war kein Einzelfall in dieser Woche. Anthropic hatte am 1. September zwei Vorfälle rund um platform.claude.com und die Office-Anbindung, am 2. September einen weiteren zu Sonnet 5. OpenAI meldete am 31. August eine Latenz-Störung der Responses-API, die erst nach 1.238 Minuten geschlossen wurde, also nach gut zwanzig Stunden.

Was 30 Tage Statusverlauf zeigen

Ein einzelner Ausfall sagt wenig. Wir haben deshalb beide Verläufe ausgezählt, zuerst für den Zeitraum vom 4. August bis zum 3. September und mit diesem Update erneut für die 30 Tage vom 20. August bis zum 19. September 2026. Grundlage sind die Vorfalls-Schnittstellen der Anbieter, gezählt wird von der Eröffnung bis zur Auflösung eines Vorfalls. Einträge ab dem 4. September stammen aus der Schnittstelle selbst, ältere aus dem Verlauf der Statusseite, weil OpenAI über die Schnittstelle nur die letzten 25 Vorfälle ausgibt.

Kennzahl (30 Tage, 20. August bis 19. September 2026)AnthropicOpenAI
Vorfälle1935
Summe der Störungszeit119,7 Stunden120,8 Stunden
Längster Einzelvorfall5.961 Minuten1.238 Minuten
Summe ohne den längsten Vorfall20,3 Stunden100,2 Stunden
Tage mit mindestens einem Vorfall1119
Durchschnittliche Dauer je Vorfall378 Minuten207 Minuten
Mittlerer Wert der Dauer (Median)33 Minuten100 Minuten
Beginn in deutscher Kernarbeitszeit511

Gegenüber der ersten Zählung hat sich das Bild gedreht. Anthropic ist von 27 auf 19 Vorfälle heruntergegangen und meldet nur noch an 11 von 30 Tagen überhaupt einen Eintrag, vorher waren es 16. Bei OpenAI geht die Kurve in die andere Richtung: von 23 auf 35 Vorfälle, von 12 auf 19 Tage mit mindestens einem Eintrag. Wer ChatGPT im Tagesgeschäft einsetzt, trifft im September also an zwei von drei Tagen auf eine laufende Meldung. Elf dieser 35 Vorfälle beginnen werktags zwischen 8 und 18 Uhr.

Der längste Anthropic-Vorfall kam nicht von Anthropic

Die 119,7 Stunden auf der Claude-Seite sehen dramatisch aus und sind es bei genauem Hinsehen nicht. Am 10. September um 17:54 Uhr eröffnete Anthropic den Eintrag „Degraded functionality for Claude Cowork on Windows”. In der Meldung steht der Grund: Ein Windows-Update vom 8. September hatte Claude Cowork den Zugriff auf das lokale Laufwerk genommen, sodass lokale Befehle nicht mehr liefen. Chat, Lesen und Bearbeiten von Dateien funktionierten laut Anbieter weiter. Geschlossen wurde der Eintrag am 14. September um 21:14 Uhr, nachdem Microsoft ein korrigierendes Update ausgeliefert hatte.

Dieser eine Eintrag steht für 99,4 der 119,7 Stunden. Rechnet man ihn heraus, bleiben für Anthropic 18 Vorfälle mit 20,3 Stunden, im Schnitt 68 Minuten. Das ist eine ruhigere Bilanz als im Vormonat. Zwei Lehren stecken darin: Die reine Stundensumme einer Statusseite taugt nicht als Qualitätsurteil über einen Anbieter, und ein Teil dessen, was im Haus als KI-Ausfall ankommt, entsteht im Betriebssystem oder im Netzwerk davor.

Wichtig für die Bewertung bleibt: Ein Vorfall auf einer Statusseite heißt nicht, dass der Dienst komplett stillsteht. Die meisten Meldungen betreffen erhöhte Fehlerraten oder erhöhte Latenz, oft nur für einzelne Modelle, einzelne Regionen oder ein Betriebssystem. Praktisch merkt man das als Antwort, die nach dreißig Sekunden abbricht, oder als Fehlermeldung bei jeder dritten Anfrage. Für einen Vertriebsmitarbeiter, der ein Angebot fertig machen will, ist der Unterschied zum Totalausfall gering.

Der zweite Anbieter hilft, aber nicht immer

Die verbreitete Antwort auf Ausfälle lautet: zweiter Anbieter danebenstellen. Wir haben für beide Auswertungszeiträume geprüft, wie oft das getragen hätte, indem wir alle Vorfallsfenster beider Anbieter auf Überschneidung geprüft haben.

Im ersten Fenster vom 4. August bis 3. September waren es sieben überlappende Zeiträume mit zusammen 407 Minuten, rund 0,9 Prozent der 720 Stunden. Im aktualisierten Fenster vom 20. August bis 19. September sind es 12 Zeiträume mit 25,2 Stunden, also 3,5 Prozent. Der Sprung hat einen einzigen Grund: Der viertägige Cowork-Eintrag läuft im Hintergrund durch und überlappt dadurch mit jeder OpenAI-Meldung vom 10. bis 14. September. Ohne ihn bleiben sechs echte Doppelfenster mit 4,5 Stunden, verteilt auf den 31. August, den 1., 3. und 10. September, und damit 0,62 Prozent des Zeitraums.

Die Aussage aus der Erstfassung hält also: Ein Zweitanbieter deckt rund 99 Prozent der Ausfallzeit ab. Sie hält aber nur, wenn ihr die Statusmeldungen danach sortiert, was euch wirklich trifft. Ein Dauereintrag für ein Betriebssystem, das bei euch niemand nutzt, gehört nicht in eure Rechnung, eine 20-Minuten-Fehlerspitze mitten am Dienstagvormittag schon.

529 „overloaded_error”: The API is temporarily overloaded. 529 errors can occur when the API experiences high traffic across all users.

— Anthropic, Claude API errors, Dokumentation, abgerufen am 3. September 2026

Was das konkret bedeutet: Der Fehlercode sagt dir, wer das Problem hat. 529 und 500 liegen beim Anbieter, 401 zeigt auf einen abgelaufenen Schlüssel im eigenen Haus, 429 auf ein erreichtes Limit oder eine gesetzte Ausgabengrenze im eigenen Konto. Wer das im Team einmal erklärt, spart bei der nächsten Störung eine Stunde Fehlersuche an der falschen Stelle.

Statuscheck bei Claude: wo du in zwei Minuten nachsiehst

Die offizielle Quelle ist status.claude.com. Sie führt claude.ai, die Programmierschnittstelle, Claude Code, Claude Cowork und die Konsole als getrennte Komponenten, sodass du sofort siehst, ob der Browser-Zugang oder deine Anbindung betroffen ist. Zwei Adressen lohnen als Lesezeichen im Team: status.claude.com/api/v2/status.json liefert in einer Zeile den Gesamtzustand, status.claude.com/history den Verlauf mit Zeitstempeln.

Typisch für Anthropic sind kurze Fehlerspitzen einzelner Modelle. Der mittlere Vorfall dauerte in unserem aktuellen Fenster 33 Minuten, der kürzeste drei. Häufige Muster der letzten 30 Tage: erhöhte Fehler auf einzelnen Modellen wie Mythos 5.1 und Fable 5.1, Anmeldeprobleme auf claude.ai, Verzögerungen bei Guthabenkäufen. Wenn eure Anwendung 529 oder 500 zurückbekommt, liegt es beim Anbieter, und Warten plus automatische Wiederholung ist die richtige Reaktion. Bei 401 oder 429 lohnt der Blick ins eigene Konto, bevor jemand ein Ticket schreibt.

Statuscheck bei ChatGPT: wo du in zwei Minuten nachsiehst

Für OpenAI ist status.openai.com die Quelle. Die Seite trennt ChatGPT, Work Mode, Codex und die einzelnen Schnittstellen wie Responses, Chat Completions, Images und Realtime. Der Verlauf steht unter status.openai.com/history, maschinenlesbar als Atom-Feed unter status.openai.com/history.atom. Die Schnittstelle api/v2/incidents.json gibt nur die letzten 25 Einträge aus, was für einen Blick auf den laufenden Tag reicht, für eine Monatsauswertung aber nicht.

Das Muster unterscheidet sich deutlich von Anthropic. OpenAI-Vorfälle ziehen sich länger, der mittlere Wert liegt bei 100 Minuten, der längste im Fenster bei gut 20 Stunden. Auffällig sind zwei Gruppen: Meldungen, die ausdrücklich nur eine Region betreffen, etwa „Elevated errors for ChatGPT users in Europe” am 11. und 13. September, und Meldungen rund um den Work Mode, der im Fenster allein sechsmal auftaucht. Wenn bei euch nur die Firmen-Oberfläche klemmt und die API weiterläuft, trefft ihr damit das häufigste Muster dieses Monats.

Der Fallback, der an beiden Tagen funktioniert hätte

Für den Moment, in dem eine Statusseite rot ist, braucht ihr eine vorher festgelegte Ausweichroute statt einer spontanen Diskussion. Praktisch heißt das: ein zweites Modell eines anderen Anbieters, das dieselbe Aufgabe mit ausreichender Qualität erledigt, mit hinterlegtem Schlüssel und getestet, bevor ihr es braucht. Welche Modelle gerade welche Leistung zu welchem Preis liefern, steht tagesaktuell im AI-Leaderboard. Wie so ein Routing technisch aussieht und woran es in der Praxis scheitert, haben wir im Schwesterstück zur Multi-Provider-Resilienz im Mittelstand aufgeschrieben.

Ein Detail aus der Auswertung gehört in diese Planung: An den sechs echten Doppelfenstern half kein Anbieterwechsel. Das sind 4,5 Stunden in 30 Tagen. Für diese Stunden zählt nur, dass jemand vorher aufgeschrieben hat, welche Arbeit so lange liegen bleiben darf.

Was in dieser Woche einzurichten ist

Vier Maßnahmen, die kein Projekt brauchen und die eine Person an einem Nachmittag erledigt.

Statusseiten abonnieren. status.openai.com und status.claude.com bieten Benachrichtigung per E-Mail, Slack oder Teams an. Der IT-Verantwortliche und eine Person aus dem Fachbereich tragen sich ein. Damit ist die teuerste Phase einer Störung vorbei, bevor sie beginnt: die Phase, in der jemand die eigene Technik verdächtigt.

Wiederholungen einbauen, wo eigener Code läuft. Die offiziellen SDKs beider Anbieter wiederholen fehlgeschlagene Anfragen von sich aus zweimal mit wachsendem Abstand und beachten dabei den retry-after-Kopf. Wer über eigene HTTP-Aufrufe angebunden hat, bekommt das nicht geschenkt und sollte es nachrüsten. Für alles, was nicht in Sekunden fertig sein muss, ist die Stapelverarbeitung der bessere Weg, weil sie Ergebnisse abholt statt eine Verbindung offen zu halten.

Die stillen Abhängigkeiten aufschreiben. In den meisten Firmen hängen mehr Abläufe an einem KI-Dienst als die Geschäftsführung weiß: Angebotstexte, Zusammenfassungen aus dem Postfach, Übersetzungen, die Klassifizierung eingehender Anfragen. Eine Liste mit zwei Spalten reicht, Ablauf und Wartezeit in Stunden. Alles, was dort unter zwei Stunden steht, braucht einen Weg ohne KI.

Den Ernstfall einmal ansagen. Die Frage, was der Vertrieb macht, wenn das Angebotswerkzeug drei Stunden steht, gehört vor die Störung und nicht mitten hinein. Zwei Sätze im Team-Wiki genügen.

Diese vier Punkte gelten unabhängig davon, mit welchem Anbieter ihr arbeitet. Wer die Auswahl gerade erst trifft, findet die aktuellen Leistungs- und Preiswerte im AI-Leaderboard, den Überblick zum Anbieter im Claude-Hub und zu ChatGPT jeweils mit den Tarifgrenzen.

Warum die Häufung gerade jetzt auftritt

Eine gesicherte Ursache nennen die Anbieter für den 3. September nicht, und wir spekulieren nicht darüber. Auffällig ist der zeitliche Zusammenhang: Anthropic hat am 1. September Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1 veröffentlicht, wir haben die Einordnung in unserer laufenden Statusseite zu Fable und Mythos aktualisiert. Modellwechsel verschieben Last, und die Vorfallsliste der Tage danach zeigt mehr Einträge als in der Woche davor.

Für die Planung ist die Ursache zweitrangig. Wer KI in Abläufe einbaut, baut auf einen Dienst, der laut eigener Statusseite an 16 von 30 Tagen einen Vorfall hatte. Das ist kein Argument gegen den Einsatz. Es ist ein Argument dafür, den Ausfall genauso einzuplanen wie bei der Telefonanlage oder beim Warenwirtschaftssystem. Bei Abschaltungen ganzer Funktionen gilt dasselbe, wie zuletzt beim abgeschalteten ChatGPT-Agent-Modus und bei der Abschaltung der Assistants-API.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Am 3. September waren OpenAI und Anthropic 85 Minuten lang gleichzeitig gestört, und in den 30 Tagen bis zum 19. September kommen beide Statusverläufe zusammen auf 54 Vorfälle, wobei OpenAI mit 35 Einträgen an 19 Tagen inzwischen deutlich öfter meldet als Anthropic mit 19 Einträgen an 11 Tagen. Ein zweiter Anbieter fängt weiterhin rund 99 Prozent der Ausfallzeit auf, für die verbleibenden 4,5 Stunden hilft nur ein vorher aufgeschriebener Weg ohne KI.

Häufige Fragen

Waren ChatGPT und Claude am 3. September 2026 wirklich gleichzeitig gestört?

Ja, für 85 Minuten. Anthropic hat um 15:26 Uhr deutscher Zeit den Vorfall „Elevated errors for multiple models” eröffnet und um 18:23 Uhr geschlossen. OpenAI hat um 16:58 Uhr „Elevated errors across ChatGPT and Codex” eröffnet und um 18:55 Uhr geschlossen. Beide Fenster überlappen sich von 16:58 bis 18:23 Uhr. Bei Anthropic waren claude.ai, die API, Claude Code und Claude Cowork betroffen, bei OpenAI ChatGPT und Codex. Beide Angaben stammen aus den offiziellen Statusseiten der Anbieter.

Wie oft fallen ChatGPT und Claude tatsächlich aus?

Häufiger als die meisten annehmen, und die Verteilung hat sich zuletzt verschoben. Für die 30 Tage vom 20. August bis 19. September 2026 zählen wir bei OpenAI 35 Vorfälle an 19 Tagen mit zusammen 120,8 Stunden, bei Anthropic 19 Vorfälle an 11 Tagen mit 119,7 Stunden. Von Anthropics Summe entfallen 99,4 Stunden auf einen einzigen Eintrag, den ein Windows-Update ausgelöst hat; ohne ihn bleiben 20,3 Stunden. Im Vormonat (4. August bis 3. September) lagen die Werte bei 27 Vorfällen und 42,6 Stunden für Anthropic sowie 23 Vorfällen und 93,2 Stunden für OpenAI. Nicht jeder Vorfall trifft jeden Nutzer, weil viele nur einzelne Modelle, Regionen oder Betriebssysteme betreffen.

Hilft ein zweiter KI-Anbieter als Ausfallschutz?

Meistens ja, aber nicht immer. In der Auswertung vom 4. August bis 3. September gab es sieben Zeitfenster mit zusammen 6,8 Stunden, in denen beide Anbieter gleichzeitig einen offenen Vorfall hatten, rund 0,9 Prozent von 720 Stunden. Im aktualisierten Fenster vom 20. August bis 19. September sind es rechnerisch 12 Fenster mit 25,2 Stunden, allerdings entstehen acht davon nur, weil ein viertägiger Anthropic-Eintrag zu Claude Cowork auf Windows im Hintergrund durchläuft. Ohne diesen Sonderfall bleiben sechs Doppelfenster mit 4,5 Stunden an vier Tagen, also 0,62 Prozent. Ein zweiter Anbieter deckt damit weiterhin rund 99 Prozent der Ausfallzeit ab, er ersetzt aber keinen Arbeitsweg ohne KI.

Woran erkenne ich, ob das Problem beim Anbieter liegt oder bei uns?

Am Fehlercode und an der Statusseite. Die Claude-API dokumentiert 529 als „overloaded_error” für eine überlastete Schnittstelle und 500 als internen Fehler; beides liegt beim Anbieter. Ein 401 zeigt auf einen abgelaufenen Schlüssel, ein 429 auf ein erreichtes Limit oder eine Ausgabengrenze im eigenen Konto. Vor dem ersten Support-Ticket lohnt ein Blick auf status.openai.com und status.claude.com, dort stehen offene Vorfälle mit Zeitstempel.

Was gehört in einen KI-Notfallplan für ein mittelständisches Unternehmen?

Vier Dinge, die an einem Nachmittag stehen. Erstens eine Liste der Abläufe, die ohne KI-Dienst stillstehen, mit Angabe, wie lange jeder davon warten kann. Zweitens die Statusseiten beider Anbieter als Lesezeichen und Benachrichtigung, damit niemand eine Stunde lang die eigene Technik verdächtigt. Drittens automatische Wiederholungen mit wachsendem Abstand in allen selbstgebauten Anbindungen, was die offiziellen SDKs standardmäßig zweimal tun. Viertens eine schriftliche Antwort auf die Frage, was der Vertrieb macht, wenn das Angebotswerkzeug drei Stunden steht.

Wie prüfe ich schnell, ob Claude oder ChatGPT gerade gestört ist?

Über die offiziellen Statusseiten, die beide getrennte Komponenten ausweisen. Für Claude ist das status.claude.com mit claude.ai, der API, Claude Code, Claude Cowork und der Konsole; den Gesamtzustand liefert status.claude.com/api/v2/status.json in einer Zeile. Für ChatGPT ist es status.openai.com mit ChatGPT, Work Mode, Codex und den einzelnen Schnittstellen; der Verlauf steht unter status.openai.com/history und maschinenlesbar als Atom-Feed unter status.openai.com/history.atom. Die Statuspage-Schnittstelle von OpenAI gibt nur die letzten 25 Vorfälle aus und reicht damit für den laufenden Tag, aber nicht für eine Monatsauswertung.

Warum stand Claude Cowork im September vier Tage lang auf gestört?

Der Auslöser lag bei Microsoft. Ein Windows-Update vom 8. September 2026 nahm Claude Cowork unter Windows den Zugriff auf das lokale Laufwerk, sodass lokale Befehle nicht mehr ausgeführt werden konnten; Chat sowie Lesen und Bearbeiten von Dateien liefen laut Anthropic weiter. Anthropic führte den Eintrag vom 10. September, 17:54 Uhr bis zum 14. September, 21:14 Uhr, zusammen 99,4 Stunden. Geschlossen wurde er, nachdem Microsoft am 14. September ein korrigierendes Update veröffentlicht hatte. Der Fall zeigt, dass die Stundensumme einer Statusseite allein kein Qualitätsurteil über einen KI-Anbieter hergibt.

Quellen & Referenzen

  • OpenAI, Statusseite: Vorfallsverlauf mit Zeitstempeln, darunter „Elevated errors across ChatGPT and Codex” vom 3. September 2026, abgerufen am 3. September 2026. status.openai.com
  • Anthropic, Claude-Statusseite: Vorfallsverlauf mit betroffenen Komponenten, darunter „Elevated errors for multiple models” vom 3. September 2026, abgerufen am 3. September 2026. status.claude.com
  • Anthropic, Entwicklerdokumentation: HTTP-Fehlercodes der Claude-API, Beschreibung von 529 „overloaded_error” und des automatischen Wiederholungsverhaltens der offiziellen SDKs. platform.claude.com
  • OpenAI, Entwicklerdokumentation: Ratenbegrenzungen, Fehlerbilder und empfohlener Umgang mit wiederholten Anfragen. platform.openai.com
  • Google Cloud, Statusseite: Vorfallsverzeichnis, für den 3. September 2026 ohne Eintrag, abgerufen am 3. September 2026. status.cloud.google.com
  • Eigene Auswertung Collective Brain: Vorfallsverläufe beider Anbieter über deren Statusschnittstellen abgerufen, Zeitraum 4. August bis 3. September 2026, 50 Vorfälle nach Dauer, Tagesverteilung und Überschneidung ausgezählt. status.claude.com
  • Eigene Auswertung Collective Brain, Aktualisierung: dieselbe Zählung für den Zeitraum 20. August bis 19. September 2026, 54 Vorfälle, Abruf am 19. September 2026. Vorfälle ab 4. September aus der Vorfalls-Schnittstelle, ältere aus dem Verlaufs-Feed der OpenAI-Statusseite. status.openai.com
  • Anthropic, Statusmeldung „Degraded functionality for Claude Cowork on Windows” vom 10. bis 14. September 2026 mit Angabe des auslösenden Windows-Updates, abgerufen am 19. September 2026. status.claude.com
  • Microsoft, Support-Dokument zum Windows-11-Update KB5129195 vom 14. September 2026, das den Laufwerkszugriff wiederherstellt. support.microsoft.com
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.