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ChatGPT und Claude gleichzeitig gestört: 85 Minuten, in denen der Zweitanbieter nichts nützte

Am späten Nachmittag des 3. September stand in vielen Firmenchats dieselbe Vermutung: Es liegt an unserer Leitung. Tat es nicht. Zwischen 16:58 und 18:23 Uhr deutscher Zeit hatten OpenAI und Anthropic zur selben Zeit einen offenen Störungsfall auf ihren Statusseiten. Wer ChatGPT im Alltag nutzt und Claude als Reserve eingeplant hatte, hatte für 85 Minuten keine Reserve.

Mann im grauen Sakko sitzt am Schreibtisch und stützt das Gesicht in beide Hände, davor ein aufgeklappter Laptop

Der teuerste Teil einer Störung ist die Stunde, in der niemand weiß, wo sie herkommt. Foto: Yan Krukau auf Pexels

Was am 3. September passiert ist: Anthropic eröffnete um 15:26 Uhr deutscher Zeit den Vorfall „Elevated errors for multiple models” für claude.ai, die API, Claude Code und Claude Cowork und schloss ihn um 18:23 Uhr. OpenAI eröffnete um 16:58 Uhr „Elevated errors across ChatGPT and Codex” und schloss um 18:55 Uhr. Die Überschneidung beträgt 85 Minuten und fällt mitten in den deutschen Arbeitstag. Wir haben danach beide Statusverläufe über ihre Programmierschnittstellen ausgelesen: In den letzten 30 Tagen kommt Anthropic auf 27 Vorfälle mit 42,6 Stunden, OpenAI auf 23 Vorfälle mit 93,2 Stunden. An vier Tagen hatten beide gleichzeitig eine offene Störung, zusammen 6,8 Stunden. Google Cloud meldete für den 3. September keinen Vorfall.

Die Chronik des Nachmittags, aus den Statusseiten selbst

Beide Anbieter betreiben öffentliche Statusseiten mit maschinenlesbarem Verlauf. Wir haben die Rohdaten abgerufen statt auf Zusammenfassungen zu warten, deshalb stehen hier Zeitstempel statt Eindrücke. Alle Uhrzeiten in deutscher Sommerzeit.

AnbieterVorfallBeginnEndeDauer
AnthropicElevated errors for Claude Sonnet 514:3714:5619 Minuten
AnthropicElevated errors for multiple models15:2618:23177 Minuten
OpenAIChatGPT Work Mode High Error Rates02:0402:106 Minuten
OpenAIElevated errors across ChatGPT and Codex16:5818:55117 Minuten

Bei Anthropic standen vier Komponenten im Vorfall: claude.ai, die Programmierschnittstelle unter api.anthropic.com, Claude Code und Claude Cowork. Das trifft eine Firma an zwei Stellen gleichzeitig, im Browser und in jeder selbstgebauten Anbindung. Bei OpenAI waren ChatGPT und Codex betroffen, also die Oberfläche und die Entwicklungsumgebung.

Der 3. September war kein Einzelfall in dieser Woche. Anthropic hatte am 1. September zwei Vorfälle rund um platform.claude.com und die Office-Anbindung, am 2. September einen weiteren zu Sonnet 5. OpenAI meldete am 31. August eine Latenz-Störung der Responses-API, die erst nach 1.238 Minuten geschlossen wurde, also nach gut zwanzig Stunden.

Was 30 Tage Statusverlauf zeigen

Ein einzelner Ausfall sagt wenig. Wir haben deshalb beide Verläufe für den Zeitraum vom 4. August bis zum 3. September ausgezählt. Grundlage sind die Vorfalls-Schnittstellen der Anbieter, gezählt wurde von der Eröffnung bis zur Auflösung eines Vorfalls.

Kennzahl (30 Tage)AnthropicOpenAI
Vorfälle2723
Summe der Störungszeit42,6 Stunden93,2 Stunden
Tage mit mindestens einem Vorfall1612
Mittlere Dauer je Vorfall71 Minuten127 Minuten
Längster Vorfall429 Minuten1.238 Minuten
Beginn in deutscher Kernarbeitszeit910

Zwei Werte verdienen eine Einordnung. Anthropic hat mehr Vorfälle, OpenAI deutlich mehr Stunden: Bei OpenAI ziehen wenige lange Latenz-Störungen die Summe hoch, bei Anthropic sind es viele kurze Fehlerspitzen. Und die Störungen verteilen sich nicht gleichmäßig über den Tag. 19 der 50 Vorfälle beginnen zwischen 8 und 18 Uhr an einem Werktag, also genau dann, wenn in Hamburg, Stuttgart oder Bielefeld jemand damit arbeiten will.

Wichtig für die Bewertung: Ein Vorfall auf einer Statusseite heißt nicht, dass der Dienst komplett stillsteht. Die meisten Meldungen betreffen erhöhte Fehlerraten oder erhöhte Latenz, oft nur für einzelne Modelle. Praktisch merkt man das als Antwort, die nach dreißig Sekunden abbricht, oder als Fehlermeldung bei jeder dritten Anfrage. Für einen Vertriebsmitarbeiter, der ein Angebot fertig machen will, ist der Unterschied zum Totalausfall gering.

Der zweite Anbieter hilft, aber nicht immer

Die verbreitete Antwort auf Ausfälle lautet: zweiter Anbieter danebenstellen. Wir haben geprüft, wie oft das im letzten Monat getragen hätte, indem wir alle Vorfallsfenster beider Anbieter auf Überschneidung geprüft haben.

Ergebnis: sieben überlappende Fenster, zusammen 407 Minuten, verteilt auf den 13. August, den 31. August, den 1. September und den 3. September. Gemessen an 720 Stunden Zeitraum sind das rund 0,9 Prozent. Ein Zweitanbieter deckt also gut 99 Prozent der Ausfallzeit ab. Er ist die richtige Maßnahme, und er ist trotzdem keine Garantie.

529 „overloaded_error”: The API is temporarily overloaded. 529 errors can occur when the API experiences high traffic across all users.

— Anthropic, Claude API errors, Dokumentation, abgerufen am 3. September 2026

Was das konkret bedeutet: Der Fehlercode sagt dir, wer das Problem hat. 529 und 500 liegen beim Anbieter, 401 zeigt auf einen abgelaufenen Schlüssel im eigenen Haus, 429 auf ein erreichtes Limit oder eine gesetzte Ausgabengrenze im eigenen Konto. Wer das im Team einmal erklärt, spart bei der nächsten Störung eine Stunde Fehlersuche an der falschen Stelle.

Was in dieser Woche einzurichten ist

Vier Maßnahmen, die kein Projekt brauchen und die eine Person an einem Nachmittag erledigt.

Statusseiten abonnieren. status.openai.com und status.claude.com bieten Benachrichtigung per E-Mail, Slack oder Teams an. Der IT-Verantwortliche und eine Person aus dem Fachbereich tragen sich ein. Damit ist die teuerste Phase einer Störung vorbei, bevor sie beginnt: die Phase, in der jemand die eigene Technik verdächtigt.

Wiederholungen einbauen, wo eigener Code läuft. Die offiziellen SDKs beider Anbieter wiederholen fehlgeschlagene Anfragen von sich aus zweimal mit wachsendem Abstand und beachten dabei den retry-after-Kopf. Wer über eigene HTTP-Aufrufe angebunden hat, bekommt das nicht geschenkt und sollte es nachrüsten. Für alles, was nicht in Sekunden fertig sein muss, ist die Stapelverarbeitung der bessere Weg, weil sie Ergebnisse abholt statt eine Verbindung offen zu halten.

Die stillen Abhängigkeiten aufschreiben. In den meisten Firmen hängen mehr Abläufe an einem KI-Dienst als die Geschäftsführung weiß: Angebotstexte, Zusammenfassungen aus dem Postfach, Übersetzungen, die Klassifizierung eingehender Anfragen. Eine Liste mit zwei Spalten reicht, Ablauf und Wartezeit in Stunden. Alles, was dort unter zwei Stunden steht, braucht einen Weg ohne KI.

Den Ernstfall einmal ansagen. Die Frage, was der Vertrieb macht, wenn das Angebotswerkzeug drei Stunden steht, gehört vor die Störung und nicht mitten hinein. Zwei Sätze im Team-Wiki genügen.

Diese vier Punkte gelten unabhängig davon, mit welchem Anbieter ihr arbeitet. Wer die Auswahl gerade erst trifft, findet die aktuellen Leistungs- und Preiswerte im AI-Leaderboard, den Überblick zum Anbieter im Claude-Hub und zu ChatGPT jeweils mit den Tarifgrenzen.

Warum die Häufung gerade jetzt auftritt

Eine gesicherte Ursache nennen die Anbieter für den 3. September nicht, und wir spekulieren nicht darüber. Auffällig ist der zeitliche Zusammenhang: Anthropic hat am 1. September Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1 veröffentlicht, wir haben die Einordnung in unserer laufenden Statusseite zu Fable und Mythos aktualisiert. Modellwechsel verschieben Last, und die Vorfallsliste der Tage danach zeigt mehr Einträge als in der Woche davor.

Für die Planung ist die Ursache zweitrangig. Wer KI in Abläufe einbaut, baut auf einen Dienst, der laut eigener Statusseite an 16 von 30 Tagen einen Vorfall hatte. Das ist kein Argument gegen den Einsatz. Es ist ein Argument dafür, den Ausfall genauso einzuplanen wie bei der Telefonanlage oder beim Warenwirtschaftssystem. Bei Abschaltungen ganzer Funktionen gilt dasselbe, wie zuletzt beim abgeschalteten ChatGPT-Agent-Modus und bei der Abschaltung der Assistants-API.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Am 3. September waren OpenAI und Anthropic 85 Minuten lang gleichzeitig gestört, und über 30 Tage summieren sich beide Statusverläufe auf 50 Vorfälle und 135,8 Stunden. Ein zweiter Anbieter fängt rund 99 Prozent davon auf, den Rest fängt nur ein aufgeschriebener Weg ohne KI auf.

Häufige Fragen

Waren ChatGPT und Claude am 3. September 2026 wirklich gleichzeitig gestört?

Ja, für 85 Minuten. Anthropic hat um 15:26 Uhr deutscher Zeit den Vorfall „Elevated errors for multiple models” eröffnet und um 18:23 Uhr geschlossen. OpenAI hat um 16:58 Uhr „Elevated errors across ChatGPT and Codex” eröffnet und um 18:55 Uhr geschlossen. Beide Fenster überlappen sich von 16:58 bis 18:23 Uhr. Bei Anthropic waren claude.ai, die API, Claude Code und Claude Cowork betroffen, bei OpenAI ChatGPT und Codex. Beide Angaben stammen aus den offiziellen Statusseiten der Anbieter.

Wie oft fallen ChatGPT und Claude tatsächlich aus?

Häufiger als die meisten annehmen. Wir haben am 3. September 2026 die Statusverläufe beider Anbieter über die jeweilige Programmierschnittstelle ausgelesen und die letzten 30 Tage gezählt: Anthropic meldet 27 Vorfälle mit zusammen 42,6 Stunden Störung an 16 verschiedenen Tagen, OpenAI 23 Vorfälle mit zusammen 93,2 Stunden an 12 Tagen. Die mittlere Dauer liegt bei 71 Minuten (Anthropic) und 127 Minuten (OpenAI). Nicht jeder Vorfall trifft jeden Nutzer, weil viele nur einzelne Modelle oder Regionen betreffen.

Hilft ein zweiter KI-Anbieter als Ausfallschutz?

Meistens ja, aber nicht immer. In unserer Auswertung der letzten 30 Tage gab es sieben Zeitfenster mit zusammen 6,8 Stunden, in denen beide Anbieter gleichzeitig einen offenen Vorfall hatten, verteilt auf vier Tage (13. und 31. August sowie 1. und 3. September). Gemessen an den 720 Stunden des Zeitraums sind das rund 0,9 Prozent. Ein zweiter Anbieter deckt also den weit überwiegenden Teil der Ausfälle ab, aber er ersetzt keinen Arbeitsweg ohne KI.

Woran erkenne ich, ob das Problem beim Anbieter liegt oder bei uns?

Am Fehlercode und an der Statusseite. Die Claude-API dokumentiert 529 als „overloaded_error” für eine überlastete Schnittstelle und 500 als internen Fehler; beides liegt beim Anbieter. Ein 401 zeigt auf einen abgelaufenen Schlüssel, ein 429 auf ein erreichtes Limit oder eine Ausgabengrenze im eigenen Konto. Vor dem ersten Support-Ticket lohnt ein Blick auf status.openai.com und status.claude.com, dort stehen offene Vorfälle mit Zeitstempel.

Was gehört in einen KI-Notfallplan für ein mittelständisches Unternehmen?

Vier Dinge, die an einem Nachmittag stehen. Erstens eine Liste der Abläufe, die ohne KI-Dienst stillstehen, mit Angabe, wie lange jeder davon warten kann. Zweitens die Statusseiten beider Anbieter als Lesezeichen und Benachrichtigung, damit niemand eine Stunde lang die eigene Technik verdächtigt. Drittens automatische Wiederholungen mit wachsendem Abstand in allen selbstgebauten Anbindungen, was die offiziellen SDKs standardmäßig zweimal tun. Viertens eine schriftliche Antwort auf die Frage, was der Vertrieb macht, wenn das Angebotswerkzeug drei Stunden steht.

Quellen & Referenzen

  • OpenAI, Statusseite: Vorfallsverlauf mit Zeitstempeln, darunter „Elevated errors across ChatGPT and Codex” vom 3. September 2026, abgerufen am 3. September 2026. status.openai.com
  • Anthropic, Claude-Statusseite: Vorfallsverlauf mit betroffenen Komponenten, darunter „Elevated errors for multiple models” vom 3. September 2026, abgerufen am 3. September 2026. status.claude.com
  • Anthropic, Entwicklerdokumentation: HTTP-Fehlercodes der Claude-API, Beschreibung von 529 „overloaded_error” und des automatischen Wiederholungsverhaltens der offiziellen SDKs. platform.claude.com
  • OpenAI, Entwicklerdokumentation: Ratenbegrenzungen, Fehlerbilder und empfohlener Umgang mit wiederholten Anfragen. platform.openai.com
  • Google Cloud, Statusseite: Vorfallsverzeichnis, für den 3. September 2026 ohne Eintrag, abgerufen am 3. September 2026. status.cloud.google.com
  • Eigene Auswertung Collective Brain: Vorfallsverläufe beider Anbieter über deren Statusschnittstellen abgerufen, Zeitraum 4. August bis 3. September 2026, 50 Vorfälle nach Dauer, Tagesverteilung und Überschneidung ausgezählt. status.claude.com
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und bringt seit über 15 Jahren Marken, Content-Strategie und KI-gestütztes Marketing in Mittelstand und Konzerne. Was Collective Brain verkauft, betreibt er zuerst selbst: Sechs eigene KI-Marken dienen als Testfeld, von der automatisierten Content-Pipeline bis zum täglich aktualisierten AI Leaderboard. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur.