Die meisten Firmen wählen ihr KI-Modell wie einen Firmenwagen: lieber eine Klasse zu groß als zu klein. Bei Claude landet dieser Reflex schnell bei Opus 5.5, dem Modell, das Anthropic selbst als Startpunkt für die meisten Aufgaben empfiehlt, und für einen erheblichen Teil dessen, was in Unternehmen wirklich anfällt, ist das eine teure Art, eine einfache Aufgabe zu erledigen. Seit dem 7. Oktober 2026 kostet die kleine Stufe Claude Haiku 5.5 bei Prompts bis 100.000 Token je Token ein Vierzigstel davon. Die Frage ist, wo genau die Grenze liegt.

Anfragen einsortieren und weiterleiten: genau die Massenaufgabe, für die das kleinste Claude-Modell gebaut ist. Foto: Jep Gambardella auf Pexels
Was Claude Haiku 5.5 ist, und wie Anthropic es selbst einordnet
Anthropic stellt Haiku 5.5 als das günstigste, schnellste und leistungsfähigste kleine Modell vor, das es bisher veröffentlicht hat. In der Modellübersicht steht es bei den Aufgaben mit hohem Volumen und Zeitdruck, ausdrücklich genannt sind Klassifikation, Extraktion und Routing. Die technischen Eckdaten: 1 Million Token Kontextfenster, bis zu 128.000 Token Ausgabe, über die Batch-API mit einem Beta-Schalter bis zu 300.000. Der Modellname lautet claude-haiku-5-5, er hat keinen Datumszusatz und steht laut Anthropic trotzdem für einen festen Modellstand. Der verlässliche Wissensstand reicht bis Juni 2026. Zum Vergleich: Haiku 4.5 hatte 200.000 Token Kontext, 64.000 Token Ausgabe und einen belastbaren Wissensstand bis Februar 2025.
Verfügbar ist Haiku 5.5 seit dem Starttag über die Claude-API, Amazon Bedrock, Google Cloud, Microsoft Foundry und die Claude Platform on AWS, außerdem in Claude Code und in claude.ai für alle Tarife von Free bis Enterprise. GitHub hat das Modell am selben Tag in Copilot aufgenommen, für die Pläne Pro, Pro+, Max, Business und Enterprise, und schreibt, es habe in frühen Tests bei vielen Programmieraufgaben das Niveau von Claude Sonnet 5 erreicht.
Bei den Benchmarks hat Anthropic die Messreihe gewechselt. Für Haiku 4.5 stand im Oktober 2025 SWE-bench Verified mit 73,3 Prozent im Mittelpunkt, für Haiku 5.5 nennt die System Card diesen Test nicht mehr und berichtet stattdessen SWE-bench Pro mit 64,8 Prozent. Aussagekräftiger ist der Abstand zur mittleren Stufe. Im Terminal-Bench 4.0, der mehrstufige Arbeit von Agenten in der Kommandozeile prüft, kommt Haiku 5.5 laut Anthropic auf 39,2 Prozent, Sonnet 5.5 auf 70,6 Prozent und Haiku 4.5 auf 0,0 Prozent. Anthropic schreibt dazu selbst, dass Sonnet 5.5 und Opus 5.5 für komplexe agentische Programmieraufgaben die bessere Wahl bleiben.
Die unabhängige Messung passt dazu. Artificial Analysis kommt für Haiku 5.5 auf der höchsten Denkstufe auf 43 Punkte im Intelligence Index, Version 4.3.2. Sonnet 5.5 liegt dort bei 56, Opus 5.5 bei 58, Haiku 4.5 mit Denkmodus bei 17. Beim Tempo misst Artificial Analysis rund 243 Token pro Sekunde, deutlich mehr als bei den größeren Modellen. Für dich als Geschäftsführer zählt die Positionierung: Anthropic baut Haiku ausdrücklich für Dinge, die oft und schnell passieren müssen, und nennt in der Ankündigung Zusammenfassungen, Verdichtungen langer Verläufe, Datenbankabfragen und Klassifikationen sowie die Rolle als Unteragent, dem Opus 5.5 oder Sonnet 5.5 Teilaufgaben übergeben.
Was Haiku 5.5 im Vergleich wirklich kostet
Der Tokenizer-Effekt aus der ersten Fassung dieses Artikels dreht sich mit Haiku 5.5 um. Haiku 4.5 nutzte den älteren Tokenizer und war deshalb im Vergleich zu Opus und Sonnet noch günstiger, als die Preisliste zeigte. Haiku 5.5 nutzt die neuere Generation, die laut Anthropic denselben Text in ungefähr 30 Prozent mehr Token zerlegt als Haiku 4.5. Gegenüber Sonnet 5.5 und Opus 5.5 gilt damit genau das Verhältnis der Preisliste. Gegenüber Haiku 4.5 frisst der Tokenizer einen Teil der Preissenkung: Der Preis je Token fällt um 90 Prozent, die Rechnung um weniger. Der Entwickler Simon Willison hat für einen langen Prompt rund 1,25-mal so viele Token gezählt wie bei Haiku 4.5.
Rechne es an einem Beispiel durch, das viele Mittelständler kennen. Ein Unternehmen lässt 40.000 eingehende E-Mails im Monat automatisch einer von zwölf Kategorien zuordnen und an das richtige Postfach weiterleiten. Im alten Tokenizer gezählt gehen pro Vorgang etwa 1.500 Token hinein, also die E-Mail selbst plus die Anweisung mit der Kategorienliste, und etwa 150 Token wieder heraus. Im neuen Tokenizer sind das rund 1.950 und 195 Token.
- Mit Haiku 4.5: 60 Millionen Input-Token zu 1 US-Dollar plus 6 Millionen Output-Token zu 5 US-Dollar, macht 90 US-Dollar im Monat, rund 80 Euro beim EZB-Referenzkurs von 1,1186 US-Dollar je Euro vom 8. Oktober 2026.
- Haiku 5.5 mit abgeschaltetem Denken: 78 Millionen Input-Token zu 0,10 US-Dollar plus 7,8 Millionen Output-Token zu 0,50 US-Dollar, macht 11,70 US-Dollar, rund 10,46 Euro.
- Bleibt das Denken auf der Voreinstellung und schreibt das Modell je E-Mail zusätzlich 500 Denk-Token, kommen 20 Millionen Output-Token zu je 0,50 US-Dollar dazu, also 10 US-Dollar. Die Rechnung liegt dann bei 21,70 US-Dollar, rund 19,40 Euro. Die 500 Token sind eine Annahme für diese Rechnung, kein Messwert.
- Auf Opus 5.5 kostet dieselbe Menge selbst ohne ein einziges Denk-Token mindestens 468 US-Dollar, rund 418 Euro, auf Sonnet 5.5 mindestens 234 US-Dollar, rund 209 Euro. Bei Opus 5.5 lässt sich das Denken gar nicht abschalten.
- Über die Batch-API halbiert sich der Haiku-5.5-Betrag ohne Denken auf 5,85 US-Dollar.
Gegenüber Haiku 4.5 sinkt die Rechnung damit auf rund ein Achtel bis ein Viertel, je nachdem, wie viel das Modell denkt. Gegenüber Opus 5.5 liegt der Faktor mindestens bei 40: Beide Modelle nutzen denselben Tokenizer, und nur Haiku 5.5 kann ohne Denken laufen. Über ein Jahr gerechnet sind das gegenüber Opus 5.5 mindestens rund 5.500 US-Dollar Unterschied für eine Aufgabe, deren Antwort aus einem einzigen Kategorienamen besteht.
Die Preiskante bei 100.000 Token
Die Preisstaffel ist die wichtigste Neuerung für alle, die Haiku mit längeren Dokumenten füttern. Anthropic rechnet Haiku 5.5 nach der Länge des Prompts ab: Hat ein Prompt mehr als 100.000 Token, zahlt der gesamte Aufruf die höheren Sätze, also 0,50 statt 0,10 US-Dollar für die Eingabe und 2,50 statt 0,50 US-Dollar für die Ausgabe. Ein Prompt mit genau 100.000 Token zahlt noch den niedrigen Satz.
Was das an der Kante bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung. Ein Prompt mit 100.000 Token und 2.000 Token Antwort kostet 1,1 US-Cent. Wächst der Prompt um ein Prozent auf 101.000 Token, kostet derselbe Aufruf 5,55 US-Cent, also das Fünffache.
Laut Anthropic lagen rund 90 Prozent der Anfragen an Haiku 4.5 unter dieser Schwelle. Für die typischen Massenaufgaben spielt sie also keine Rolle, für Verträge, Protokollsammlungen oder lange Gesprächsverläufe schon. Dort lohnt es, Dokumente in Abschnitte unter 100.000 Token zu teilen, bevor sie an das Modell gehen. Rechne zur Sicherheit mit dem gesamten Prompt, also Systemprompt, Verlauf und Dokument zusammen; ob gecachte Teile bei der Schwelle anders zählen, legt die Dokumentation nicht ausdrücklich fest. Auch oberhalb der Kante bleibt Haiku 5.5 mit 0,50 US-Dollar Eingabe günstiger als Sonnet 5.5 mit 2 US-Dollar.
Die Preistabelle, die du wirklich brauchst
Der Grundpreis ist nur eine von sechs Spalten. Anthropic schreibt in der Haiku-Ankündigung selbst, dass Cache-Lesevorgänge einen großen Teil des Token-Verbrauchs der Modelle ausmachen; wer Claude in Automatisierungen einsetzt, sollte deshalb vor allem auf Cache-Treffer und Batch-Sätze schauen. Alle Werte je Million Token, Stand 8. Oktober 2026:
| Modell | Basis-Input | Cache 5 Min. | Cache 1 Std. | Cache-Treffer | Output | Batch In/Out |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Claude Haiku 5.5 (Prompt bis 100.000 Token) | 0,10 $ | 0,125 $ | 0,20 $ | 0,01 $ | 0,50 $ | 0,05 / 0,25 $ |
| Claude Haiku 5.5 (Prompt über 100.000 Token) | 0,50 $ | 0,625 $ | 1,00 $ | 0,05 $ | 2,50 $ | 0,25 / 1,25 $ |
| Claude Haiku 4.5 (Altmodell) | 1,00 $ | 1,25 $ | 2,00 $ | 0,10 $ | 5,00 $ | 0,50 / 2,50 $ |
| Claude Sonnet 5.5 | 2,00 $ | 2,50 $ | 4,00 $ | 0,10 $ | 10,00 $ | 1,00 / 5,00 $ |
| Claude Opus 5.5 | 4,00 $ | 5,00 $ | 8,00 $ | 0,20 $ | 20,00 $ | 2,00 / 10,00 $ |
Die Rabatte stapeln sich: Anthropic schreibt in der Preisdokumentation ausdrücklich, dass sich Batch-Verarbeitung und Prompt-Caching kombinieren lassen. Ein zwischengespeicherter Systemprompt, der bei Haiku 5.5 über die Batch-API läuft, landet damit rechnerisch bei 0,005 US-Dollar je Million Token.
Neu ist, dass der Cache bei kurzen Anweisungen überhaupt greift. Die kleinste Promptlänge, die sich zwischenspeichern lässt, liegt bei Haiku 5.5 bei 512 Token, bei Haiku 4.5 waren es 4.096. Eine Anweisung mit Kategorienliste, die unter 4.096 Token blieb, ließ sich bei Haiku 4.5 gar nicht zwischenspeichern. Bei Haiku 5.5 kostet sie ab 512 Token im Wiederholungsfall ein Zehntel des Eingabepreises.
Geschrumpft ist auch der Werkzeug-Aufschlag. Sobald du Werkzeuge freischaltest, hängt die API einen Systemprompt an. Bei Haiku 4.5 waren das 496 beziehungsweise 588 Token, bei Haiku 5.5 sind es 286 beziehungsweise 406 Token. Die 286 entsprechen dem Wert von Opus 5.5, die 406 fallen nur an, wenn du das Modell zur Nutzung eines Werkzeugs zwingst. Das geht bei Haiku 5.5 weiterhin, bei Sonnet 5.5 und Opus 5.5 nicht mehr; die Antwort beginnt dann allerdings ohne Denkblock. Wie du die Gesamtrechnung sauber aufstellst, haben wir in Claude API Kosten kalkulieren Schritt für Schritt durchgerechnet, und im Claude-Kosten-Rechner kannst du deine eigenen Mengen einsetzen.
Wo Haiku im Firmenalltag tatsächlich reicht
Die brauchbare Faustregel hat nichts mit Branche oder Firmengröße zu tun. Sie lautet: Haiku reicht, wenn du dem Modell das Material mitlieferst und eine kurze, formatgebundene Antwort erwartest. Sobald das Modell über viele Schritte selbst planen und entscheiden soll, wird es eng.
Fünf Aufgabentypen, die in fast jedem Unternehmen anfallen und auf denen Haiku wirtschaftlich klar vorn liegt:
- Einsortieren und weiterleiten. Tickets, Bewerbungen, Reklamationen, Rechnungseingänge. Die Kategorien stehen fest, die Antwort ist ein Wort. Genau hier greift auch der Cache, weil die Kategorienliste in jeder Anfrage identisch ist, bei Haiku 5.5 schon ab 512 Token.
- Felder aus Dokumenten ziehen. Rechnungsnummer, Lieferdatum, Ansprechpartner, IBAN aus einem gescannten Formular. Das Ergebnis lässt sich gegen ein festes Schema prüfen, Fehler fallen sofort auf statt erst beim Kunden.
- Freitext in eine feste Struktur bringen gehört ebenfalls dazu: Serviceberichte aus dem Außendienst, Notizen aus Kundengesprächen, Produktbeschreibungen aus drei Quellsystemen in ein einheitliches Feldformat.
- Lange Verläufe verdichten ist mit Haiku 5.5 neu hinzugekommen, weil das Kontextfenster jetzt 1 Million Token fasst. Ticketverläufe, Projektprotokolle oder die Vorgeschichte eines Kundenkontos lassen sich zusammenfassen, bevor ein Mitarbeiter oder ein größeres Modell übernimmt.
- Und schließlich die Vorsortierung: Haiku liest jede Anfrage, beantwortet die einfachen selbst und reicht nur die schwierigen an Sonnet 5.5 oder Opus 5.5 weiter. Wie groß der Anteil ist, den das kleine Modell allein schafft, zeigt dir erst das Prüfset weiter unten.
„Claude Haiku 5.5 ist für Aufgaben mit hohem Volumen und Kostendruck gebaut. Es erledigt schnelle, sich wiederholende Arbeit zuverlässig, etwa Zusammenfassungen, Verdichtungen, Datenbankabfragen und Klassifikationen.”
Anthropic, Ankündigung von Claude Haiku 5.5 vom 7. Oktober 2026, eigene Übersetzung
Wo Haiku nicht reicht
Die harten Grenzen der ersten Fassung sind mit Haiku 5.5 weitgehend gefallen. Der Wissensstand reicht bis Juni 2026 statt bis Februar 2025, das Kontextfenster fasst 1 Million statt 200.000 Token, und das Modell beherrscht das adaptive Denken und den Effort-Regler der großen Modelle. Was bleibt, solltest du vor einer Umstellung kennen.
Am schwersten wiegt die Leistung bei langen, verketteten Aufgaben. Auf der höchsten Denkstufe liegt Haiku 5.5 im Intelligence Index 13 Punkte hinter Sonnet 5.5, auf der Voreinstellung medium misst Artificial Analysis nur 34 Punkte. Im Terminal-Bench beträgt der Abstand zu Sonnet 5.5 gut 31 Prozentpunkte. Für komplexe agentische Programmieraufgaben nennt Anthropic Sonnet 5.5 und Opus 5.5 ausdrücklich die bessere Wahl und sieht Haiku 5.5 bei eng umrissenen Teilaufgaben wie Verdichten, Zusammenfassen oder der Arbeit als Unteragent. Planst du einen Agenten, der lange Ketten selbst steuert, lass Haiku vorher am eigenen Prüfset gegen Sonnet 5.5 antreten.
Dazu kommt die Wartezeit auf den hohen Stufen. Auf der Stufe max misst Artificial Analysis 323 Sekunden bis zum ersten Token, weil das Modell vorher lange denkt; auf der Voreinstellung medium sind es gut 14 Sekunden. Für einen Chat mit Kunden taugt deshalb nur eine niedrige Stufe, und die höheren Indexwerte bekommst du nur mit Geduld.
Im Betrieb musst du zwei Details einplanen. Haiku 5.5 lässt Anfragen durch Sicherheitsfilter laufen, die eine Anfrage mit dem Stoppgrund refusal ablehnen können, und laut Migrationsleitfaden springt dann kein serverseitiger Ersatz ein. Deine Anwendung muss diesen Fall selbst abfangen, etwa durch Weiterleitung an Sonnet 5.5. Wer bei Haiku 4.5 Kapazität über den Priority Tier gebucht hat, muss neu planen, denn für Haiku 5.5 gibt es diese Stufe nicht.
Bleibt der Wissensstand. Auch Juni 2026 ist im Oktober vier Monate alt. Für Klassifikation und Extraktion ist das folgenlos, weil dort ausschließlich mit dem gearbeitet wird, was in der Anfrage steht. Für Wissensfragen lieferst du die Fakten selbst mit, über eine angebundene Wissensbasis oder eine Suche. Wie du die Weiterleitung zwischen den Stufen technisch aufbaust, haben wir in KI-Modell-Routing einrichten beschrieben.
Der Datenschutz-Punkt, den kaum jemand nennt
Die erste Fassung dieses Artikels hatte hier einen klaren Minuspunkt: Den Parameter inference_geo, mit dem sich die Verarbeitung auf US-Infrastruktur festlegen lässt, beantwortet die API bei Haiku 4.5 mit einem 400er-Fehler. Laut Anthropics Dokumentation zur Datenresidenz gilt der Parameter für alle Modelle ab Claude 4.6, damit auch für Haiku 5.5. Die Festlegung auf die USA kostet einen Aufschlag von 10 Prozent auf alle Token-Kategorien, auch auf das Schreiben und Lesen im Cache.
An der wichtigeren Einschränkung ändert das nichts. In Anthropics eigener Plattform sind nur us und global wählbar, eine EU-Option existiert nicht, und als Speicherort für einen Arbeitsbereich steht ausschließlich us zur Verfügung.
Wer Verarbeitung in Europa braucht, geht über die Cloud-Partner. Amazon Bedrock bietet Haiku 5.5 mit einem EU-Profil an, das zum Beispiel aus Frankfurt startet und Anfragen auf Rechenzentren in Frankfurt, Stockholm, Mailand, Spanien, Irland und Paris verteilt. Google Cloud führt das Modell mit einem europäischen Multi-Region-Endpunkt. Beide Wege kosten laut Anthropic-Preisseite 10 Prozent Aufschlag gegenüber den globalen Endpunkten. In Microsoft Foundry ist eine auf eine Datenzone begrenzte Bereitstellung von Haiku 5.5 derzeit nur für die USA dokumentiert. Was das für die Auftragsverarbeitung und die interne Regelsetzung bedeutet, steht in Claude DSGVO-konform einführen.
Was mit Haiku 4.5 passiert, und wie der Umstieg gelingt
Knapp zwölf Monate lagen zwischen den beiden Haiku-Generationen: Haiku 4.5 erschien am 15. Oktober 2025, Haiku 5.5 am 7. Oktober 2026. Die erste Fassung dieses Artikels deutete die lange Pause als langsameren Takt der kleinen Stufe. Mit Haiku 5.5 hat Anthropic sie nun direkt auf die aktuelle Generation gezogen und nennt als frühesten Ruhestand den 7. Oktober 2027.
Haiku 4.5 führt Anthropic jetzt als Altmodell. In der Tabelle der Abkündigungen steht als frühester Ruhestand der 15. Oktober 2026, eine Abkündigung mit festem Abschaltdatum gibt es Stand 8. Oktober nicht. Da Anthropic mindestens 60 Tage Vorlauf zusagt, läuft Haiku 4.5 auf Anthropics Plattform selbst bei einer Ankündigung am heutigen Tag noch bis mindestens Anfang Dezember. Planen solltest du den Umstieg trotzdem jetzt, denn er ist mehr als ein Namenstausch. Laut Anthropics Migrationsleitfaden lehnt Haiku 5.5 mehrere Einstellungen mit einem 400er-Fehler ab, die bei Haiku 4.5 üblich waren:
- das feste Denkbudget über
budget_tokens, an dessen Stelle der Effort-Regler tritt, - jeden von der Voreinstellung abweichenden Wert für
temperature,top_podertop_k, - vorausgefüllte Antwortanfänge, das sogenannte Prefill, auch bei abgeschaltetem Denken.
Erzwungene Werkzeugwahl bleibt erlaubt. Wer Claude Code über Amazon Bedrock, Google Cloud oder Microsoft Foundry nutzt, sollte außerdem prüfen, welches Modell hinter dem Kürzel haiku steckt: Dort zeigt es laut Claude-Code-Dokumentation noch auf Haiku 4.5, auf der Anthropic-API bereits auf Haiku 5.5. Wie sich die Stufen im Tagesvergleich zueinander verhalten, siehst du in unserem KI-Leaderboard. Die mittlere Stufe ist seit dem 28. September Sonnet 5.5; unser Porträt der Vorgängerversion steht in Claude Sonnet 5 im Unternehmenseinsatz.
So ziehst du die Grenze in deinem Unternehmen
Die Modellwahl ist in der Praxis eine Sortierarbeit. Nimm dir eine Stunde und geh so vor:
Schreib zuerst auf, welche KI-Aufgaben bei euch tatsächlich Volumen haben, nicht welche am meisten Eindruck machen, und sortier die Liste nach Häufigkeit. Vorgänge, die viele Male am Tag gleich ablaufen, kommen nach oben, seltene Analysen nach unten. Die oberen Zeilen sind die Haiku-Kandidaten.
Danach prüfst du je Zeile zwei Fragen. Steckt alles, was für die Antwort nötig ist, bereits in der Anfrage? Und bleibt der Prompt unter 100.000 Token? Lauten beide Antworten ja, nimm Haiku 5.5. Fehlen Informationen, klär, ob du sie mitliefern kannst, etwa aus einer angebundenen Wissensbasis. Ist der Prompt zu lang, teil das Dokument. Erst wenn beides ausscheidet, brauchst du wirklich ein größeres Modell.
Bevor du umstellst, leg ein Prüfset an: 100 echte Vorgänge aus deinem Betrieb, jeweils mit der Antwort, die du erwartest. Lass Haiku 5.5 auf den Stufen low und medium sowie Sonnet 5.5 darüberlaufen und vergleiche Treffer, Kosten je Vorgang und Antwortzeit. Diese Stunde Arbeit ersetzt jede Benchmark-Diskussion, weil sie deine Daten misst und nicht die von Anthropic. Liegt Haiku bei über 95 Prozent Treffern, ist die Sache entschieden. Liegt es darunter, schau dir die Fehlerfälle an und prüf zuerst, ob im Prompt eine Angabe fehlt, bevor du die Aufgabe einem größeren Modell gibst.
Zum Schluss definierst du die Eskalation. Ein Ablauf, in dem Haiku unsichere Fälle markiert und an das größere Modell weiterreicht, zahlt den hohen Preis nur für die schweren Fälle. Leite dabei auch Ablehnungen der Sicherheitsfilter weiter, damit kein Vorgang liegen bleibt. Wie du dein Token-Budget im Blick behältst, steht in Claude Token-Budget sparen, und den Gesamtüberblick über die Claude-Familie findest du auf unserer Themenseite Claude.
Häufige Fragen
Was kostet Claude Haiku 5.5?
Bei Prompts bis 100.000 Token 0,10 US-Dollar je Million Input-Token und 0,50 US-Dollar je Million Output-Token, Stand 8. Oktober 2026. Ein Cache-Treffer kostet dann 0,01 US-Dollar, ein Cache-Eintrag mit fünf Minuten Haltezeit 0,125 US-Dollar, mit einer Stunde 0,20 US-Dollar, über die Batch-API sind es 0,05 zu 0,25 US-Dollar. Hat der Prompt mehr als 100.000 Token, gilt für den ganzen Aufruf das Fünffache: 0,50 zu 2,50 US-Dollar. Zum Vergleich: Haiku 4.5 kostet 1 zu 5, Sonnet 5.5 2 zu 10 und Opus 5.5 4 zu 20 US-Dollar.
Wofür reicht Claude Haiku im Unternehmen aus?
Für Aufgaben, bei denen das Material mitgeliefert wird und die Antwort kurz ist: E-Mails und Tickets in Kategorien einsortieren, Felder aus Rechnungen und Formularen ziehen, Freitext in ein festes Format bringen, lange Verläufe zusammenfassen und Anfragen vorsortieren, bevor ein teureres Modell übernimmt. Anthropic nennt für Haiku 5.5 ausdrücklich Klassifikation, Extraktion, Routing, Zusammenfassungen und die Arbeit als Unteragent von Opus 5.5 oder Sonnet 5.5.
Wo liegen die Grenzen von Claude Haiku 5.5?
Vor allem bei langen, verketteten Aufgaben. Artificial Analysis misst auf der höchsten Denkstufe 43 Punkte im Intelligence Index gegen 56 bei Sonnet 5.5 und 58 bei Opus 5.5, auf der Voreinstellung medium 34 Punkte, und für komplexe agentische Programmieraufgaben nennt Anthropic selbst Sonnet 5.5 und Opus 5.5 die bessere Wahl. Dazu kommen die Preiskante bei 100.000 Token, lange Wartezeiten auf der höchsten Denkstufe und Ablehnungen durch Sicherheitsfilter, für die es keinen serverseitigen Ersatz gibt.
Kann ich bei Claude Haiku steuern, wo die Verarbeitung läuft?
Teilweise. Haiku 5.5 gehört zu den Modellen ab Claude 4.6, für die Anthropic den Parameter inference_geo anbietet; die Festlegung auf US-Infrastruktur kostet 10 Prozent Aufschlag. Eine EU-Option gibt es in Anthropics eigener Plattform nicht, wählbar sind nur us und global. Verarbeitung in Europa bekommst du über das EU-Profil von Amazon Bedrock oder den europäischen Multi-Region-Endpunkt von Google Cloud, dort ebenfalls mit 10 Prozent Aufschlag. Bei Haiku 4.5 quittiert die API inference_geo mit einem 400er-Fehler.
Wann wird Claude Haiku 4.5 abgeschaltet?
Ein Abschaltdatum gibt es Stand 8. Oktober 2026 nicht. Anthropic führt Haiku 4.5 als Altmodell und nennt als frühesten Ruhestand den 15. Oktober 2026. Weil Anthropic mindestens 60 Tage Vorlauf vor einer Abschaltung zusagt und bisher keine Abkündigung veröffentlicht hat, läuft das Modell auf Anthropics Plattform mindestens bis Anfang Dezember 2026. Für Haiku 5.5 nennt Anthropic den 7. Oktober 2027 als frühesten Ruhestand.
Kann ich Haiku 4.5 einfach durch Haiku 5.5 ersetzen?
Nicht ohne Test. Haiku 5.5 lehnt das feste Denkbudget über budget_tokens, von der Voreinstellung abweichende Werte für temperature, top_p und top_k sowie vorausgefüllte Antwortanfänge mit einem 400er-Fehler ab. Außerdem denkt das Modell standardmäßig auf der Stufe medium, und diese Denk-Token kosten den Output-Preis. Erzwungene Werkzeugwahl funktioniert weiter. Prüf den Umstieg an 100 echten Vorgängen, bevor du umstellst.
Quellen & Referenzen
- Anthropic, Datenblatt Claude Haiku 5.5: Startdatum 7. Oktober 2026, nach Promptlänge gestaffelte Preise, Kontextfenster, Ausgabegrenze, Batch-Ausgabe bis 300.000 Token, Wissensstand und Modellnamen je Plattform, abgerufen am 8. Oktober 2026. platform.claude.com
- Anthropic, Ankündigung von Claude Haiku 5.5 vom 7. Oktober 2026: Positionierung, Einsatzgebiete, Preisvergleich zu Haiku 4.5, Anteil der Anfragen unter 100.000 Token, Benchmarks und Verfügbarkeit. anthropic.com
- Anthropic, System Card Claude Haiku 5.5: Benchmark-Tabellen mit SWE-bench Pro und Terminal-Bench 4.0 im Vergleich zu Haiku 4.5 und Sonnet 5.5. anthropic.com
- Anthropic, Migrationsleitfaden Haiku 5.5: Tokenizer, abgelehnte Parameter, Prefill, Werkzeugwahl, Sicherheitsfilter ohne serverseitigen Ersatz und fehlender Priority Tier. platform.claude.com
- Anthropic, Preisdokumentation: Preise je Million Token, Preisstaffel nach Promptlänge, Cache-Multiplikatoren, Batch-Rabatt, Werkzeug-Systemprompt-Token und Aufschläge für US-Inferenz und regionale Endpunkte. platform.claude.com
- Anthropic, Modellübersicht: Einordnung von Haiku 5.5 für Klassifikation, Extraktion und Routing, Haiku 4.5 als Altmodell, feste Modellstände auch ohne Datumszusatz. platform.claude.com
- Anthropic, Modell-Abkündigungen: frühester Ruhestand von Haiku 4.5 und Haiku 5.5, Zusage von mindestens 60 Tagen Vorlauf. platform.claude.com
- Anthropic, Dokumentation zum Effort-Regler: Denkstufen von Haiku 5.5 und Voreinstellung medium. platform.claude.com
- Anthropic, Dokumentation zum Prompt-Caching: kleinste zwischenspeicherbare Promptlänge je Modell. platform.claude.com
- Anthropic, Dokumentation zur Datenresidenz: Geltungsbereich von
inference_geo, die 400er-Antwort bei Haiku 4.5 und die verfügbaren Regionen. platform.claude.com - Anthropic, Claude-Code-Dokumentation zur Modellkonfiguration: Auflösung des Kürzels haiku je Anbieter. code.claude.com
- Anthropic, Ankündigung „Introducing Claude Haiku 4.5” vom 15. Oktober 2025: Benchmark-Wert SWE-bench Verified des Vorgängers. anthropic.com
- Artificial Analysis, Modellseite Claude Haiku 5.5: Intelligence Index 4.3.2, Ausgabetempo und Zeit bis zum ersten Token auf der höchsten Denkstufe, Stand 8. Oktober 2026. artificialanalysis.ai
- Artificial Analysis, Modellseite Claude Haiku 5.5 auf der Stufe medium: Indexwert und Zeit bis zum ersten Token mit der Anthropic-Voreinstellung. artificialanalysis.ai
- Amazon Web Services, Bedrock-Modellkarte Claude Haiku 5.5: Modell-ID, EU-Profil und Zielregionen, Denkmodus. docs.aws.amazon.com
- Google Cloud, Dokumentation Claude Haiku 5.5: allgemeine Verfügbarkeit seit 7. Oktober 2026 und unterstützte Regionen einschließlich Multi-Region Europa. docs.cloud.google.com
- Microsoft, Foundry-Dokumentation zu Partnermodellen: Bereitstellungsarten und Regionen für Claude Haiku 5.5. learn.microsoft.com
- GitHub, Changelog vom 7. Oktober 2026: Claude Haiku 5.5 in GitHub Copilot, Planstufen und erste Einordnung. github.blog
- Simon Willison: Erste Messung zum Tokenverbrauch von Haiku 5.5 im Vergleich zu Haiku 4.5, 7. Oktober 2026. simonwillison.net
- Europäische Zentralbank: Referenzkurs 1 Euro gleich 1,1186 US-Dollar, Stand 8. Oktober 2026, Grundlage der Euro-Beträge in diesem Artikel. ecb.europa.eu