Jedes fünfte KI-nutzende Unternehmen in Deutschland glaubt, dass es Hochschulabsolventen durch KI-gestützte Geringqualifizierte ersetzen kann. Das zeigt eine Umfrage des ifo-Instituts unter knapp 3.000 Firmen, die am 12. Juni 2026 veröffentlicht wurde. Die Mehrheit sieht das zwar noch skeptisch. Aber die Verschiebung beginnt.

Wenn KI Wissenslücken schließt: Was bleibt dann noch vom Abschluss übrig? (Bild: Collective Brain)
Was die Studie konkret sagt
Das ifo-Institut in München hat Ende Mai 2026 knapp 3.000 Unternehmen befragt, ob KI in ihrem Betrieb formale Qualifikationen ersetzen kann. Die Kernantwort ist: Ja, für einen wachsenden Anteil der Firmen lautet die Antwort zumindest „teilweise”.
Genau 20 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen halten es für leicht oder sehr leicht möglich, eine Arbeitskraft mit Hochschulabschluss durch einen KI-gestützten Geringqualifizierten zu ersetzen. Das klingt wenig. Aber verglichen mit den Erwartungen, die noch vor zwei Jahren üblich waren, ist das eine deutliche Verschiebung.
Die sektoralen Unterschiede sind auffällig:
- Handel: 28,6 Prozent der Unternehmen sehen die Substitution als machbar
- Dienstleistung: 19,7 Prozent
- Verarbeitendes Gewerbe: 14,6 Prozent
- Bauhauptgewerbe: 9,3 Prozent
„KI verändert die Arbeitswelt und kann in manchen Bereichen auch formale Qualifikationen und Erfahrungen teilweise ersetzen.”
Anna Ruffert, ifo-Forscherin, 12. Juni 2026
Berufserfahrung schlägt Abschluss
Ein Nebenbefund der ifo-Studie ist fast wichtiger: Berufserfahrung ist deutlich schwerer zu ersetzen als ein formaler Abschluss.
Nur 15 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen halten es für leicht möglich, eine erfahrene Fachkraft durch jemanden zu ersetzen, der KI nutzt, aber keine Berufsjahre mitbringt. Bei Hochschulabschlüssen lag der Vergleichswert noch bei 20 Prozent. Und 62,7 Prozent sagen, das sei bei Berufserfahrung schwer oder gar nicht möglich.
Was das bedeutet: Wenn du heute in deinem Unternehmen entscheidest, wen du förderst und wen du einsetzt, dann ist das praktische Wissen, wie ein Job wirklich funktioniert, wertvoller als je zuvor. KI kann Fachwissen abrufen. Aber den Bauch für Situationen, die aus dem Schema fallen, baut KI nicht auf.
Das ist eine gute Nachricht für Mitarbeiter, die lange dabei sind. Und eine wichtige Orientierung für dich als Chef beim Thema Weiterbildung: Nicht nur KI-Kompetenz aufbauen, sondern auch den Raum lassen, dass dein Team echte Erfahrung sammelt.
Was das für dein Recruiting bedeutet
Wenn KI Wissenslücken schließen kann, ändert sich der Blickwinkel auf Stellenanzeigen. Du musst nicht weniger einstellen, aber du kannst breiter schauen.
Konkret heißt das: Wer früher einen Masterabschluss verlangt hat, weil er Komplexität filtern wollte, sollte heute prüfen, ob KI-Kompetenz plus Lernfähigkeit diese Funktion nicht günstiger und flexibler erfüllt. Das gilt besonders im Dienstleistungsbereich, in der Sachbearbeitung und überall, wo Wissensrecherche und Informationsaufbereitung einen Großteil der Arbeit ausmachen.
Parallel dazu wird Weiterbildung wichtiger. 54,5 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen bereits KI, nach 40,9 Prozent im Vorjahr. Wer seinen bestehenden Mitarbeitern keinen Zugang zu KI-Tools gibt und keine Zeit zum Lernen, verliert schneller als gedacht den Anschluss, nicht an Konkurrenten aus dem Ausland, sondern an die eigene Branche nebenan.
Zu den Grundlagen, die du jetzt prüfen kannst, gehört: Welche KI-Assistenten setzen deine Mitarbeiter bereits ein, und ob sie das systematisch oder planlos tun. Und ob du interne Prozesse mit No-Code-KI-Tools schon testest oder noch wartest.
Eine gute Personalstrategie für 2026 bedeutet nicht, weniger auszubilden oder weniger einzustellen. Sie bedeutet, klüger zu entscheiden, für welche Stellen welches Niveau wirklich nötig ist, und für welche KI die Brücke schlägt. Das ist auch für dein Employer Branding relevant: Betriebe, die KI-Lernen aktiv fördern, werden für junge Bewerber attraktiver.
Häufige Fragen
Ersetzt KI wirklich den Hochschulabschluss?
Laut der ifo-Studie vom Juni 2026 glauben 20 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen, dass das zumindest teilweise möglich ist. Die Mehrheit von 55,4 Prozent sieht es weiterhin als schwer oder unmöglich an. KI kann bestimmte Wissenslücken schließen, ersetzt aber kein vollständiges Qualifikationsniveau.
In welchen Branchen ist die Substitution durch KI am wahrscheinlichsten?
Im Handel sind 28,6 Prozent der Unternehmen überzeugt, dass KI einen Hochschulabschluss zumindest teilweise ersetzbar macht. Im Dienstleistungssektor sind es 19,7 Prozent, in der verarbeitenden Industrie 14,6 Prozent und im Bau nur 9,3 Prozent.
Was bedeutet die ifo-Studie für meine Personalplanung als Unternehmer?
Kurzfristig ändert sich wenig. Mittelfristig lohnt es sich, zu prüfen, welche Aufgaben in deinem Betrieb durch KI-Unterstützung von weniger erfahrenen Mitarbeitern übernommen werden könnten. Das öffnet Chancen im Recruiting, erhöht aber auch den Druck, Fachkenntnisse und Kommunikationsstärke gezielt weiterzuentwickeln.
Quellen & Referenzen
- ifo Institut / Berliner Zeitung: Ifo-Studie: KI kann in Unternehmen teilweise Abschlüsse und Berufserfahrung ersetzen, veröffentlicht 12. Juni 2026. berliner-zeitung.de
- IT-Boltwise: KI im Unternehmen: ifo-Umfrage zeigt Ersetzung von Hochschul- und Berufserfahrung, Juni 2026. it-boltwise.de
- Ad-hoc-news: KI-Einsatz in Firmen: 20 Prozent wollen Akademiker durch Geringqualifizierte ersetzen, Juni 2026. ad-hoc-news.de