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Die Klicks sterben. Aber nicht dein Content-Marketing.

Diese Woche habe ich dasselbe Gespräch dreimal geführt. Dreimal kam jemand mit aufgemachter Google Search Console und der Frage: Machen wir irgendetwas falsch? Die Kurven zeigten alle nach unten. Meine Antwort war jedes Mal gleich.

Bunte Spielwürfel auf einer Brettspieloberfläche als Metapher für veränderte Suchmaschinenregeln

Die Spielregeln haben sich geändert. Wer Google-Traffic verliert, sollte zuerst fragen warum, bevor er die Strategie dreht. Foto: Annashoots 📷 auf Pexels

Mein Take: Google AI Mode hat diese Woche die Marke von 1 Milliarde monatlicher Nutzer gemeldet. Organische Klickrate runter 61 Prozent. Sechzig Prozent aller Suchanfragen enden ohne einen einzigen Klick auf eine Website. Die Panik in den Marketing-Teams ist verständlich. Mein Argument trotzdem: Das ist eine Selektion, keine Katastrophe. Generischer Content stirbt zu Recht. Content mit echtem Standpunkt, eigenen Daten und spezifischem Kontext wird zitiert. Das Spiel hat sich verändert. Es ist nicht schlechter geworden.

Die Kurve, über die gerade alle sprechen

Ich kenne die Zahlen auswendig, weil ich sie diese Woche dreimal erklärt habe. Eine Studie über über 3.000 informationelle Suchanfragen hat eine Klickratenabnahme von 61 Prozent gemessen, in den Bereichen, wo eine KI-Übersicht erscheint. AI Overviews kürzen ausgehende Klicks um durchschnittlich 38 Prozent. Sie erscheinen bei 85 Prozent aller Suchanfragen oben. HubSpot meldet Einbrüche von 70 bis 80 Prozent bei organischem Traffic. Chegg verlor 49 Prozent. DMG Media bis zu 89 Prozent bei einzelnen Abfragen.

Das ist real. Kein Messartefakt, kein saisonaler Ausreißer.

Und trotzdem habe ich meinen drei Kunden alle dasselbe gesagt: Zeig mir, welche Artikel die Klicks verloren haben. Fast immer war die Antwort dieselbe. Generische Ratgeber. „Die 5 besten Tipps für bessere E-Mails.” Informationsartikel, die Google schon 2019 hätte besser beantworten können als ein Blogpost.

Was die Panik-Schlagzeilen weglassen

Google gibt jetzt die Antwort selbst. Aber nicht auf alle Fragen.

Was KI nicht reproduzieren kann: deine Kundendaten. Deine Projekterfahrungen. Deine Einschätzung, warum Strategie X in Branche Y regelmäßig scheitert. Den Anruf, den du letzte Woche mit einem Geschäftsführer geführt hast, und was dich dabei überrascht hat.

Die Suchanfragen, die jetzt noch auf solche Inhalte landen, sind qualitativ besser. Die Leute, die noch klicken, haben eine echte Frage. Sie wollen eine echte Perspektive, keine Zusammenfassung, die sie auch im nächsten Browser-Tab bekämen.

Wir bei Collective Brain haben das in den letzten Monaten direkt in unseren Kundenprojekten gesehen. Die Artikel, die halten, haben eins gemeinsam: einen Standpunkt. Kein neutrales Abwägen, keine sichere Mitte. Eine Meinung mit Begründung.

Wer eine eigene Meinung hat, kann nicht durch KI-Zusammenfassungen ersetzt werden.

Was ich jetzt konkret anders machen würde

Ohne Abschwächung.

Erstens: Klicks als primäre Content-Kennzahl ablösen. Was zählt, ist, ob dein Content als Quelle zitiert wird. Eigene Studien, interne Datenpunkte, spezifische Fallstudien sind nicht reproduzierbar. Die werden referenziert, nicht paraphrasiert.

Zweitens: Den Content-Stack ehrlich durchleuchten. Welche Artikel beantworten einfache Informationsfragen, die Google seit Jahren selbst beantworten könnte? Die werden die Klicks verlieren. Man kann sie loslassen oder in den Hintergrund stellen. Welche Artikel zeigen echte Meinungen, echte Erfahrungen, echtes Branchenwissen? Die werden zitiert. Die gehören nach vorne.

Drittens: Newsletter und direkte Kanäle neu bewerten. Nicht als Ersatz für SEO, sondern als Parallelstrategie für den Moment, wo jemand tiefer einsteigen will. Wer dich kennt, sucht nicht nach dir, er geht direkt zu dir.

Praktischer Hebel: Öffne Google Search Console und filtere auf Impressionen mit CTR unter 0,3 Prozent. Das sind deine generischen Informationsartikel. Überleg für jeden: Kann ein Mensch das besser erklären als eine KI? Wenn nein, lass ihn los.

Die Seite, die ich nicht verschweigen will

Das trifft nicht alle gleich.

Wer sein Content-Modell auf informationellem SEO aufgebaut hat, wer Traffic über kostenlose Ratgeberartikel in Leads umwandelt, der hat ein strukturelles Problem. Das sind oft genau die Mittelständler, die nicht 50 Stunden die Woche Content produzieren können, sondern zwei. Und die jetzt merken, dass dieser Aufwand weniger bringt als vor 18 Monaten.

Für einen Teil meiner Kunden ist das eine echte Budgetentscheidung. Weniger organische Sichtbarkeit über generische Inhalte heißt: der Weg über bezahlte Reichweite, über LinkedIn oder über direktes Empfehlungsmarketing muss neu bewertet werden. Das kostet.

Was mich trotzdem nicht beunruhigt: Die Kunden, die ich in den letzten zwei Jahren am besten durch die Content-Arbeit begleitet habe, hatten immer dann Ergebnisse, wenn der Content eine echte Meinung transportiert hat. Nicht eine optimierte Antwort auf eine Suchanfrage. Sondern einen Standpunkt, der jemandem weiterhilft, der wirklich weiterkommen will.

Google kürzt die Abkürzungen. Die lange Strecke bleibt.

In zwei Sätzen: Google AI Mode mit 1 Milliarde Nutzern bedeutet, dass KI die einfachen Informationsfragen selbst beantwortet, und das zu Recht. Was bleibt, ist dein Urteil, deine Erfahrung, deine Perspektive: das Einzige, das eine Zusammenfassungsmaschine nicht reproduzieren kann.
Florian Wessling, CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg
CEO, Collective Brain GmbH · Hamburg

Florian Wessling ist CEO der Collective Brain GmbH in Hamburg und berät seit über 15 Jahren Mittelständler und Konzerne bei Brand, Content-Strategie und KI-gestütztem Marketing. Er ist eingetragener BAFA-Berater und führt mit Collective Brain eine Google-Partner-Agentur. Florian gilt als prononcierte Stimme zu Creator-Economy und KI-Marketing im deutschen B2B-Markt.