Magazin

Claude im Marketing einsetzen: Anwendungsfälle und die passenden Skills

Wer Claude im Marketing nur als Chat-Fenster für Textbausteine nutzt, verschenkt den größten Teil seines Nutzens. Der eigentliche Unterschied entsteht durch Skills, strukturierte Anleitungen, die Claude beibringen, wie eine SEO-Analyse, ein Wettbewerbs-Briefing oder eine Kampagnen-Auswertung in deinem Unternehmen tatsächlich ablaufen soll.

Leuchtender roter Prozessor-Würfel schwebt über einer futuristischen Skyline mit vertikalen Lichtstrahlen

Symbolbild: Marketing-Automatisierung braucht mehr als ein Chat-Fenster, sie braucht strukturiertes Wissen. Foto: Pachon in Motion auf Pexels

Das Wichtigste vorab: Anthropic liefert selbst nur wenige, eher technische Marketing-nahe Skills wie Markendokumente oder Tabellenauswertung. Die konkreten Werkzeuge für SEO, Copywriting, Wettbewerbsanalyse und Kampagnen-Reporting stammen aus offenen Community-Paketen, allen voran der 37-Skills-Sammlung von Marketer Corey Haines auf GitHub. Für Mittelständler heißt das: Claude wird im Marketing erst dann wirklich produktiv, wenn jemand im Team diese Skills installiert, an die eigene Marke anpasst und in feste Abläufe einbaut, statt bei jeder Anfrage neu zu erklären, was gemeint ist.

Warum Chatten allein im Marketing schnell an Grenzen stößt

Die ersten Monate mit Claude im Marketing sehen bei den meisten Teams ähnlich aus: Jemand tippt eine Frage in den Chat, bekommt einen brauchbaren Entwurf, kopiert ihn raus, passt ihn an. Für einzelne Social-Media-Posts funktioniert das. Sobald es um wiederkehrende Aufgaben geht, SEO-Audits, Wettbewerbs-Reports, Freigabeprozesse für Werbetexte, wird das Muster mühsam. Jedes Mal erklärst du aufs Neue, welche Tonalität eure Marke hat, welche Kennzahlen relevant sind, welches Format der Chef erwartet.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Marketingreferentin bittet Claude, einen Wettbewerbsvergleich für die nächste Vertriebspräsentation zu schreiben. Ohne Vorgaben liefert Claude einen soliden, aber austauschbaren Text, mit den falschen Kennzahlen im Fokus und einem Tonfall, der nicht zur Marke passt. Also folgt die zweite Nachricht mit Korrekturen, die dritte mit dem richtigen Datenformat, die vierte mit dem Hinweis, welche drei Wettbewerber überhaupt relevant sind. Am Ende hat die Arbeit trotzdem länger gedauert als ein eigener Entwurf, nur die Formulierungsarbeit wurde abgenommen. Genau diese wiederkehrende Nacharbeit lösen Skills, indem sie das Wissen einmal festhalten, statt es bei jeder Anfrage neu zu verhandeln.

Genau hier setzen Claude Skills an. Ein Skill ist technisch gesehen ein Ordner mit einer Markdown-Anleitung plus optionalen Skripten und Vorlagen, den Claude automatisch lädt, sobald er zur Aufgabe passt. Anthropic hat das Format Mitte Oktober 2025 eingeführt und beschreibt es selbst so: Skills sind Ordner, die Anweisungen, Skripte und Ressourcen enthalten, auf die Claude bei Bedarf zugreift, und zwar nur dann, wenn sie zur gerade anstehenden Aufgabe passen. Für ein Marketingteam bedeutet das: Einmal sauber aufgesetzt, weiß Claude bei jedem neuen Briefing automatisch, wie eure Marke klingt, welche Struktur ein SEO-Audit bei euch hat und welche Freigabeschritte ein Werbetext durchläuft, ohne dass das jedes Mal neu erklärt werden muss.

Was Anthropic selbst mitliefert, und was aus der Community kommt

Wichtig für die Erwartungshaltung: Anthropic betreibt keinen fertigen Marketing-App-Store. Im offiziellen Skills-Repository von Anthropic auf GitHub liegen aktuell 17 First-Party-Skills, die meisten davon technischer Natur, etwa für PDF-, Excel- und PowerPoint-Dateien, für Dokument-Koautorenschaft oder für den Aufbau eigener MCP-Server. Nur ein Skill zielt direkt auf Marketing-Alltag: brand-guidelines, der Claude beibringt, Markenfarben, Typografie und Tonalität konsistent auf Dokumente, Präsentationen und Vorlagen anzuwenden.

Die eigentliche Marketing-Tiefe kommt aus der Community. Das mit Abstand meistgenutzte Paket stammt vom Marketer Corey Haines und heißt schlicht marketingskills, offen auf GitHub verfügbar. Es bündelt 37 einzelne Skills in sieben Bereichen: SEO und Content, Conversion-Optimierung, Content und Copy, Paid Media und Messung, Growth und Retention, Sales und Go-to-Market sowie übergreifende Strategie. Jeder Skill ist eine eigenständige Markdown-Datei mit Vorgehen, Checklisten und Beispielen, alle greifen zuerst auf einen zentralen product-marketing-Skill zurück, der Produkt, Zielgruppe und Positionierung festhält, bevor irgendein anderer Skill loslegt.

Was das konkret bedeutet: Bevor du im offiziellen Anthropic-Katalog nach einem “Claude SEO Pro” suchst, lohnt sich der Blick auf GitHub. Die praxistauglichsten Marketing-Skills sind offene, kostenlose Textdateien, die du in wenigen Minuten in dein Claude-Projekt legst. Sie ersetzen keine Strategie, aber sie ersetzen das wiederholte Erklären derselben Grundlagen.

Die sieben Marketing-Baustellen, die Skills heute abdecken

Ein Blick auf die Struktur des Corey-Haines-Pakets zeigt, wie breit das Feld inzwischen ist:

  • SEO und Content: Skills für Audits, KI-Sichtbarkeit in Suchmaschinen, Seitenarchitektur, Schema-Markup und App-Store-Optimierung.
  • Conversion-Optimierung: Skills für Signup-Flows, Onboarding, Pop-ups und Paywalls, jeweils mit Fokus auf messbare Abschlussraten.
  • Content und Copy: Skills für Copywriting, Lektorat, Cold-E-Mails, E-Mail-Sequenzen, Social-Media-Texte, Video- und Bildbriefings sowie SMS-Kampagnen.
  • Paid Media und Messung: Skills für Anzeigenkampagnen, Creative-Varianten, A/B-Tests und Analytics-Setups.
  • Growth und Retention: Skills für Empfehlungsprogramme, kostenlose Tools als Leadmagnet, Community-Aufbau und Kündigungsprävention.
  • Sales und Go-to-Market: Skills für Vertriebs-Enablement, Produkteinführungen, Preisstrategie und Wettbewerbsprofile.
  • Strategie: Skills für Marketing-Ideenfindung, Marketing-Psychologie und Kundenforschung.

Jeder dieser Skills liest sich weniger wie ein Prompt-Trick und mehr wie ein internes Handbuch, das ein erfahrener Marketingleiter geschrieben hätte, nur eben so formuliert, dass Claude es befolgen kann.

Vier Anwendungsfälle, die im Mittelstand wirklich tragen

Content-Produktion mit Markenwissen statt Standardtext. Kombinierst du den offiziellen brand-guidelines-Skill mit dem Copywriting- und Content-Skill aus dem Community-Paket, entwirft Claude Blogartikel, Landingpages oder Produktbeschreibungen, die sofort in eurem Tonfall klingen, mit euren Farben in Präsentationen und ohne die generischen Marketing-Floskeln, die viele KI-Texte sofort verraten. Das Team spart dabei nicht die Feinabstimmung, aber den kompletten ersten Entwurf.

Wettbewerbsanalyse als laufender Prozess statt Jahresprojekt. Der competitor-profiling-Skill aus dem Community-Paket nimmt eine Liste von Wettbewerber-URLs entgegen und liefert strukturierte Profile: Positionierung, Preismodell, sichtbare Werbebotschaften, Stärken und Lücken. Für ein Marketingteam, das sonst einmal im Jahr eine Agentur mit einer Wettbewerbsanalyse beauftragt, wird daraus ein Prozess, der sich alle paar Wochen aktualisieren lässt, ohne zusätzliches Budget.

Kampagnen-Reporting aus unsauberen Rohdaten. Der analytics-Skill zusammen mit dem First-Party-Skill für Tabellenauswertung verwandelt exportierte Kampagnendaten aus Werbekonten oder dem CRM in verständliche Auswertungen mit Handlungsempfehlung, statt in eine weitere Rohdaten-Tabelle, die niemand liest. Gerade für Geschäftsführer, die monatlich einen Marketing-Report erwarten, aber selten Zeit für Rohdaten haben, ist das der Anwendungsfall mit dem schnellsten spürbaren Nutzen.

Personalisierte E-Mail-Sequenzen statt Rundum-Newsletter. Der emails-Skill baut aus Kundendaten, Kaufhistorie und Verhaltenssignalen gestaffelte Sequenzen, die je Segment unterschiedlich ansetzen, statt einen einzigen Newsletter an die gesamte Liste zu schicken. Für B2B-Vertriebsteams, die Leads über mehrere Wochen begleiten müssen, bevor ein Angebot überhaupt sinnvoll ist, spart das vor allem eines: die Zeit, jede Sequenz von Hand für jedes Segment neu zu texten.

Skills sind Ordner, die Anweisungen, Skripte und Ressourcen enthalten, auf die Claude bei Bedarf zugreift, und zwar nur dann, wenn sie zur gerade anstehenden Aufgabe passen.

Quelle: Anthropic, Ankündigung “Introducing Agent Skills”, Oktober 2025

Claude versus ChatGPT im Marketing-Alltag

Der Unterschied zeigt sich weniger in der reinen Textqualität, beide Systeme liefern brauchbare Entwürfe, sondern in der Architektur drumherum. Claudes Skill-Format ist offen dokumentiert und funktioniert identisch in Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork, dazu unterstützen inzwischen auch andere Coding-Agents wie Cursor oder Windsurf denselben Standard. Das macht es für ein Marketingteam einfacher, einen Skill einmal zu bauen oder zu übernehmen und ihn team- und toolübergreifend zu nutzen. ChatGPT bietet mit seinen GPTs und Enterprise-Apps einen vergleichbaren Baukasten, der Fokus liegt dort aber stärker auf fertigen, no-code-artigen Integrationen einzelner Anbieter wie Canva oder Google Ads, weniger auf offen austauschbaren Textdateien, die ein Marketingteam selbst pflegt und versioniert.

Für Unternehmen, die ohnehin schon mit Claude Code oder MCP-Servern für andere Abteilungen arbeiten, ist das ein handfester Vorteil: Das Marketing-Team zieht bei der bestehenden Infrastruktur mit, statt ein zweites, separates KI-Setup parallel aufzubauen.

Wo Vorsicht angebracht ist

So praktisch die Skills sind, vor dem Rollout lohnt sich ein nüchterner Blick auf zwei wunde Punkte. Wettbewerbsprofile, Kundendaten und interne Kampagnenzahlen landen bei der Nutzung zwangsläufig im Prompt, deshalb gehört ein Marketing-Rollout in dieselbe Prüfung, die euer Unternehmen ohnehin für Claude durchläuft, inklusive Auftragsverarbeitungsvertrag und klarer Regeln, welche Datenkategorien ins Tool dürfen. Unsere Anleitung zur DSGVO-konformen Einführung beschreibt den Ablauf im Detail, die Grundregeln gelten fürs Marketing genauso wie für jede andere Abteilung.

Genauso wichtig, aber leichter zu übersehen: Ein Skill ist nur so gut wie die Beispiele und Vorgaben, die er enthält. Übernimmst du den Copywriting-Skill von Corey Haines ungeprüft, schreibt Claude in einem generischen, amerikanisch geprägten Marketing-Ton, nicht in eurem. Plant fest ein, den brand-guidelines-Skill und die zwei bis drei Community-Skills eurer Wahl mit echten Beispieltexten aus eurem Haus anzureichern, bevor ihr sie im Team ausrollt. Diese halbe Stunde Nacharbeit entscheidet meist darüber, ob die Ergebnisse beim ersten Versuch schon brauchbar sind oder erst nach drei Korrekturrunden.

So kommst du in drei Schritten rein

Der pragmatischste Einstieg beginnt nicht mit allen 37 Skills gleichzeitig, sondern mit einem klaren Dreischritt. Zuerst richtest du den First-Party-Skill brand-guidelines ein, dafür reicht ein bestehendes Markenhandbuch als Grundlage. Danach wählst du aus dem Community-Paket zwei bis drei Skills, die euren größten Engpass treffen, meist Copywriting und Content-Strategie für Content-Teams, Analytics und Competitor-Profiling für datengetriebene Teams. Erst im dritten Schritt lohnt sich der skill-creator-Skill von Anthropic, mit dem ihr eigene, firmenspezifische Skills baut, etwa für euren speziellen Freigabeprozess oder eure Angebotsvorlagen.

Das Wichtigste in zwei Sätzen: Claude wird im Marketing nicht durch bessere Prompts stark, sondern durch Skills, die Markenwissen und Arbeitsabläufe fest hinterlegen. Starte mit dem offiziellen Markenrichtlinien-Skill, ergänze zwei bis drei passende Community-Skills für euren größten Engpass, und baut erst danach eigene Skills für firmenspezifische Prozesse.

Häufige Fragen

Braucht mein Marketingteam Claude Code, um Marketing-Skills zu nutzen?

Nein, nicht zwingend. Skills laufen in Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork gleichermaßen, sobald sie als Ordner mit Markdown-Anleitung hinterlegt sind. Für den Einstieg reicht ein Team- oder Enterprise-Konto auf Claude.ai, in dem du die Skill-Dateien hochlädst. Claude Code lohnt sich erst, wenn ihr Skills selbst bauen oder mit MCP-Servern koppeln wollt.

Sind die Marketing-Skills von Corey Haines offiziell von Anthropic?

Nein. Anthropic stellt selbst nur wenige, eher technische First-Party-Skills bereit, etwa für Markendokumente, Tabellen oder PDFs. Die konkreten Marketing-Skills für SEO, Copywriting oder Wettbewerbsanalyse stammen aus offenen Community-Paketen wie marketingskills auf GitHub. Das ist kein Nachteil, du solltest es nur wissen, bevor du danach im offiziellen Anthropic-Katalog suchst.

Was kostet der Einstieg in Claude für Marketingteams?

Die Skills selbst sind kostenlos, es sind offene Markdown-Dateien ohne Lizenzgebühr. Kosten entstehen nur über den Claude-Zugang, den dein Team ohnehin für Chat und Automatisierung braucht, plus gegebenenfalls API-Nutzung, wenn ihr Skills in eigene Workflows einbindet. Für die ersten Tests reicht ein einzelner Pro- oder Team-Platz.

Ersetzt Claude eine Marketing-Agentur oder ein bestehendes Content-Team?

Nein, dafür sind die Skills nicht gebaut. Sie strukturieren Wissen und Arbeitsschritte, die sonst in Briefings, Vorlagen oder dem Kopf einzelner Mitarbeiter stecken, und beschleunigen damit Entwürfe, Analysen und Reportings. Die Entscheidung über Positionierung, Tonalität und Freigabe bleibt bei Menschen, Claude liefert den ersten belastbaren Aufschlag dafür.

Mehr zum Grundkonzept liest du im Überblick über Claude und in unserer Anleitung zum eigenen Skill-Bau. Wer noch kein Skill-Set installiert hat, findet den Einstiegspfad vom Anfänger zum Vollprofi sowie die passende Kategorie Content & Marketing in unserer eigenen Skill-Bibliothek.

Quellen & Referenzen

  • Anthropic: Offizielle Ankündigung des Agent-Skills-Formats, inklusive Definition und Funktionsweise. claude.com
  • Anthropic: Offizielles First-Party-Skills-Repository mit 17 Skills, darunter brand-guidelines und skill-creator. github.com
  • Corey Haines: Offenes Community-Paket mit 37 Marketing-Skills für SEO, Copywriting, CRO, Paid Media und Growth. github.com
Celina Finger, Content Strategist, Collective Brain
Content Strategist, Collective Brain GmbH · Hamburg

Content Strategist bei Collective Brain. Spezialisiert auf B2B-Content für den Mittelstand.